"Azumi"-Regisseur Ryûhei Kitamura präsentiert mit "Midnight Meat Train" ein kleines aber feines Horrorhighlight nach einer Kurzgeschichte von Clive Barker, das vor allem von seinem sehr atmosphärischen, düsteren Großstadtszenario und einer blutig-ansehlichen Effektpalette profitiert.
Von Beginn an vermag es Kitamura, den Zuschauer durch teils fast schon ans Surreale grenzende, außergewöhnlich kühle Bilder in seinen Bann zu ziehen. Die finsteren U-Bahnwelten, in denen ein geheimnsvoller, anzugtragender Schlächter (Vinnie Jones) nach einem unbekannten System - und vor allem offenbar völlig unbemerkt von der Welt - seine Opfer zu suchen scheint, sind wie schon in "Creep" (2004) gerade zu als ideal anzusehen für einen gelungenen Horrorstreifen.
Eine Ausgangssituation zumal, die dem surrealistischen Moment des durchaus wörtlich zu nehmenden "Mitternachts-Fleischzugs" perfekt in die Hände spielt und im Finale auch die fällige, etwas abgehobene Bestätigung findet. Aber ich möchte an dieser Stelle jedoch nicht mehr verraten, da der Film mehr als manch andere Produktion von seiner Spannung lebt.
Ein interessantes Element im schaurigen Puzzle ist zweifellos auch Hauptcharakter Leon (Bradley Cooper), der sich als junger Fotograf auf die gefährliche Jagd nach dem Phantomschlächter begibt und zunehmend selbst dem Wahnsinn zu verfallen droht. Die hierbei stets entstehenden Fotos beklemmender Hinterhof-Schlachterreien, nächtlicher U-Bahn Stationen und verdächtig erscheinender Menschen geben "Midnight Meat Train" schließlich die ganz spezielle spannungsfördernde Würze. Da Coppers Charakter auch durchaus die Sympathien des Zuschauers zu wecken in der Lage ist, bietet allein die durch den geheimnisvollen Schlächter (Vinnie Jones) schon komplettierte Hauptbesetzung eine willkommende Abwechslung zum sonst üblichen Teenie-Einerlei.
Neben einer zum Schneiden dichten Atmosphäre und einer guten Portion Spannung bietet "Midnight Meat Train" aber auch eine gehörige Portion Kunstblut und (eingelagerter) Leichen. Einigen der teils scheinbar bewusst übertriebenen Effekte sieht man (besonders zu Beginn) die CGI-Herrkunft zwar deutlich an, insgesamt ergibt sich aber ein stimmiges, bisweilen recht menschenverachtendes Bild. Dass der Film konsequent hierzulande bei FSK und Juristenkommisson bisher wenig Beifall ernten konnte, ist daher durchaus nachvollziehbar.
Fazit: Ein sehr schönes, erstklassig inszeniertes und gespieltes, durchaus innovatives Horrorpaket in kühlen, faszinierenden Bildern, dessen Erfolg auf diversen Festivals absolut nachvollziehbar ist.