Review

Eine leider dem deutschen Seher bislang im Heimkino nicht zugänglich gemachte Dimension neuen Horrors gelingt dem asiatischen Regisseur Ryuhai Kitamura in Zusammenarbeit mit der von Jeff Buhler prächtig adaptierten Kurzgeschichte von Clive Barker!

Der Fotograf Leon bekommt in New York endlich die Chance, der Fotogaleristin Susan Hoffs einige seiner Arbeiten zu präsentieren, doch diese ist nur an besonders intensiven Erfahrungen auf Papier interessiert. Also begibt sich der Mann in den Untergrund der Stadt, die U-Bahn. Dort fängt er bizarre und konfrontative Momente ein und gewinnt die Gunst der Dame.
Seine Freundin Maya sieht es indes nicht gern, daß er sich die Nächte in fahrenden Zügen und der düsteren Umgebung der Bahnöfe um die Ohren schlägt.
Doch bald gerät Leon auf die Spur des Schlachters Mahagony, dem er die mysteriösen Verwinden von einigen Menschen zutraut, verbringt doch dieser ebenfalls die Abende gerne im Zug.
Maya und ihr Kumpel Jurgis versuchen indes, Leons bizarres Verhalten der letzten Zeit nachzuvollziehen.
Alle drei kommen dabei auf die Spur eines grausamen Geheimnisses, das ihre Vorstellungen von Ordnung und Chaos bei weitem übersteigt...

Wow, visuell ist der Streifen wirklich eine echte Wucht. Da taucht man ein in bläuliche U-Bahnhöfe und -züge, schmierige Schlachthäuser und dunkle Kneipen - selbst die nüchtern ausgeleuchtete Galerie von Susan Hoffs trägt ihren Teil dazu bei, die Stadt New York und ganz besonders ihre meilenweiten U-Bahntunnel als ganz neues Terrain eines Horrorfilms wahrzunehmen.
Horror ist hier wahrlich der Grundton, ähnlich wie bereits in der Adaption "Candymans Fluch" von 1992, wo das übernatürliche Grauen dem Zuschauer den Boden unter den Füßen wegzieht. Auch wenn hier Vinnie Jones den (nicht ohne Grund) wortkargen Mörder spielt, versteckt sich doch mehr hinter dem anfangs gezeigten Storyaufbau als man vermuten würde.
Zug um Zug gleitet die Hauptfigut Leon, wunderbar in seiner Art und Weise von Bradley Cooper ("Nip/Tuck"'s "Heart & Scalpels") dargestellt, in den sprichwörtlichen Untergrund ab. Der Zuschauer mit ihm, denn die raffiniert eingestreuten Hinweise und die deftigen Mordszenen zeigen immer genau das, was einen bei der Stange hält und wenn dann das atemlose und wirklich grauenerregende Finale ansteht und man einfach nicht mehr weiß, auf wessen Seite man stehen soll, dann hat die Phantasie von Clive Barker einen in den visionären Fängen.
Denn wo die ein oder andere Stephen King-Adaption kläglich versagt hat, rettet Barker unter Mitwirkung als Produzent seine Kopfgeburten vor dem übelsten Unfug und bietet dem Seher grandiosen Horror der grafisch expliziten und psychologisch harten Sorte - eben genau das, was man auch als Leser von ihm gewöhnt ist!

Der Grund, warum "Midnight Meat Train" es hierzulande nicht so einfach hatte, liegt dabei auf der Hand: Die Mordszenen sind trotz erkennbarem CGI wirklich sehr explizit und bieten auch mal ein paar interessante neue "Perspektiven". Ein Lob nochmal an die visuelle Umsetzung auch derer. Doch im Kontext wird man davon nicht sonderlich überrascht, wirkte doch auch "Hellraiser" schon nicht gerade zimperlich (ob nötig oder nicht). Auf jeden Fall freue ich mich über eine Belebung von Barkers Phantasie auf dem Bildschirm und wenn dabei ein derartiges Meisterwerk herauskommt, können vielleicht endlich die endlosen Folterhorror-Neuigkeiten einmal eingestellt werden und den wirklichen Horrorfilmen wieder Platz machen!

Fazit: Atemloser Horrortrip, der langsam beginnt, die Spannungsschraube aber bald unbarmherzig anzieht und unter Zuhilfenahme visueller Spielereien, grandioser Storyline und guten Darstellern dem echten Horrorfan noch einiges zu bieten hat, bevor er in ein grandioses Finale mündet. Spitzenklasse! 

Details
Ähnliche Filme