Review

"Muss ich das verstehen?!?"

So  saß ich desöfteren in einer Momentsaufnahme  vor dem hoch angepriesenen "Midnight Meat Train" (uncut) vor´m Bildschirm. "Zu hart für Deutschland" und die mit Loorbeeren eingeheimsten Kritiken machten Dreamlandnoize natürlich aufmerksam  auf diesen Film - aber who the fuck???

Die Story um den aufstrebenden Fotograf Leon (Bradley Cooper), der in seinen geschossenen Fotos das wahre Leben der New Yorker Großstadt einfangen will und scheinbar in der späten Nacht seinen Messiahs ausgemacht hat: den Schlächter Mr. Mahogany (Vinnie Jones), der in der letzten U-Bahn-Fahrt sämtliche Passagiere mit einem (stilistisch) zeitlosen Hammer und einem Fleischerhaken bearbeitet und plättet. Um danach an den Haltegriffen als Kuhfleisch zu enden, hört sich schon mal einwandfrei an.

Diese Passagen sind auch verdammt gut umgesetzt worden - Vinnie Jones, der mit nur einem Gesichtsausdruck über die ganze Spielzeit solide spielt (man hätte auch Adam Sandler einsetzen können, wenn der böse schauen könnte), heimst die Früchte für sich ein. Wortlos, direkt und voller Kalkül nur auf den Mord der letzten reisenden Passagiere aus, entsteht eine dichte Atmosphäre, die in den grauen, kalten, hoffnungslosen und depremierenden Bildern der gesamten U-Bahn-Location  sehr gut rüber kommen. Schonungslos werden hier Leute geplättet. Das brutale an der Sache ist sicherlich der eben schon erwähnte Hammer, bzw. die später gezeigten "Fleisch-Haken-Szenen" (ich nenn die jetzt mal einfach so). Andere "Splatter-Szenen" kommen fast schon comicartig rüber und wirken alles andere als brutal. Daher vestehe ich manche Schnitte in der deutschen Fassung nicht wirklich.

Aber, und das ist der Haken an der Sache: Zwischendurch entsteht einfach zu viel Leerlauf. Mal abgesehen von einer treibenden Szene im Schlachthof, als der Fotograph Leon sich als Metzger verkleidet und dem Psycho folgt, wirken alle anderen Nebensächlichkeiten wie eine mit Baumrinde gestreckte Haschisch-Kante. Freunde, Bekannte und Leon´s Freundin spielen keine wirklich aussagekräftige Rollen (die Girl-Nummer scheint eh nur da zu sein, um zu zeigen, wie oft Leon am Tag Popperle machen kann/muss) und zudem verwirren mich diese Nebencharaktere - nein, ich habe nichts gesoffen oder geraucht - nur ist es öfters vorgekommen, dass ich einige schon als XXL-Schnitzel  gesehen habe, und dann waren sie wieder da. Also: Es wurden nur ähnlich aussehende Leute gekillt. Vielleicht muss ich ja auch mal einfach einen durchquarzen, für "Midnight Meat Train"  ganz nachzukommen.

Ich will das Teil nicht schlechtreden. Nartürlich langt das noch für ´nen angenehmen Gruselabend, jedoch drückt der finaly Mindfuck am Ende die Wertung wiederum 2 ofdb-Punkte runter. Sicherlich kommt die Wendung überraschend oder auch für viele kalkuliert, so kalkuliert, dass man es nicht wahrhaben will, wie sau blöd das doch ist, auch wenn in diesem gezeigten Ende ziemlich kompromisslos vorgegangen wird. Ob Clive Barker das so in seiner Kurzgeschichte geschrieben hat, weiß ich nicht - ich habe einfach nicht die Muse (und vorallem keine Zeit) für Bücher zu lesen.

"Midnight Meat Train" ist in seiner ungeschnittenen Fassung gut für einen DVD-Abend, aber mit Sicherheit kein Must-Have-Titel.

5/10

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