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"Midnight Meat Train" basiert auf einer Kurzgeschichte von Horrorautor Clive Barker (Hellraiser, Nightbreed), der hier auch als Produzent fungierte. Jeff Buhler, der sich schon durch "Insanitarium" einen Namen machen konnte, gelang es meisterlich aus Barkers Kurzgeschichte ein Screenplay für einen Spielfilm zu verfassen. Und Ryuhei Kitamura (Versus, Azumi) erweist sich hier als wahrer Könner, so erinnert die Chose in einigen Szenen an Christopher Smiths spannenden "Creep".

Der Fotograf Leon Kaufman (Bradley Cooper) hat einen Traum. Er will seine Heimatstadt New York mit der Kamera einfangen, wie sie wirklich ist. Doch Künstlerin Susan Hoff (Brooke Shields) rät ihm noch ein wenig weiter zu gehen und so arbeitet Leon ab sofort nur noch Nachts. Tatsächlich gelingt es ihm eine Prostituierte vor ein paar Gangstern zu retten, doch diese ist am nächsten Tag spurlos verschwunden. Leon beginnt in den endlosen U-Bahn Schächten mit der Suche und stößt bald auf den Fleischer Mahogany (Vinnie Jones). Leon beginnt ihn Tag und Nacht zu verfolgen und tatsächlich ist er für die zahlreichen Morde in der U-Bahn verantwortlich. Durch seine Neugier bringt Leon nicht nur sich selbst, sondern auch seine Verlobte Maya (Leslie Bibb) in Gefahr.

Die Geschichte um einen Serienkiller in der U-Bahn könnte eigentlich nicht vielversprechender sein. Auch wenn wir sehr früh wissen wer der Täter ist, so erfahren wir nicht warum, oder sollte ich besser sagen wozu. Wir haben hier den Fotografen Leon, ein ganz kleines Licht. Seine geschossenen Fotos versucht er zu verkaufen, was nicht so gut läuft, daher ist Leon immer knapp bei Kasse. Mit seiner Freundin Maya lebt er in einer kleinen Wohnung, sie arbeitet in einem Restaurant, somit haben die Beiden nicht gerade ein leichtes Leben in New York. Das ganze drum herum mag ein wenig gängig klingen und bis zum garstigen Finale hat "Midnight Meat Train" kaum Überraschungen zu bieten. Aber Kitamura zieht den Zuschauer durch seine geschaffene Atmosphäre in seinen Bann. Die Großstadt als krimineller Sumpf, die U-Bahn Schächte bedrohlich und kühl, auf visueller Ebene hat der Japaner einige Asse im Ärmel. So sind die Szenen in der U-Bahn stets in kühlem blau gehalten, so kommen die blutigen Morde noch drastischer zur Geltung. Leider findet hier CGI ins Geschehen, denn die graphischen Goreeffekte sind nur selten handmade. Doch dieser Faktor fällt kaum ins Gewicht, denn der Zuschauer ist beinahe geschockt, wie rabiat es hier zur Sache.

Fast schon menschenverachtend hält Kitamura voll drauf, wenn Mahogany mit seinem Fleischerhammer zuschlägt. Die Opfer werden dann kopfüber in der U-Bahn aufgehängt, somit ist der Titel schon einmal erklärt. Leon ist von dem Fleischer fasziniert und beginnt ihn zu verfolgen, so ist zum Beispiel die kleine Hetzjagd im Schlachthaus eine weitere Spannungsspitze. Aber Leon beginnt sich auch zu verändern, zuerst will ihm Maya nicht glauben, doch plötzlich ist auch sie in die Sache involviert. Die Spannung hält Kitamura durchweg auf hohem Niveau, auch wenn die finale Auflösung ein wenig enttäuschen mag. Doch dafür könnte das Ende nicht fieser sein und hinterlässt so einen bleibenden Eindruck beim Zuschauer.
Nach "Hangover" war ich mir nicht ganz sicher, ob Bradley Cooper (Fall 39, The A-Team) sich auch in einer ernsten Rolle gut machen würde, doch ich wurde eines besseren belehrt. Unschlagbar bleibt jedoch Vinnie Jones (Hell Ride, Die Todeskandidaten), für den diese Rolle wie geschaffen ist, er kann sogar größtenteils völlig auf Mimik und Gestik verzichten.

Eine blutige Schlachtplatte, optisch sehr beeindruckend und durchweg spannend umgesetzt. Erfreulich sind auch die überzeugenden Darsteller und die Geschichte zieht den Zuschauer in ihren Bann. Die finale Auflösung haut dann nicht vom Hocker, ist aber extrem fies. "Midnight Meat Train" gehört auf jeden Fall in eine Horrorsammlung.

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