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Wer sich diese Badekappen mit Saugnäpfen ausgedacht hat, muss ein ziemlicher Fan von Kraken sein, denn Sinn ergeben diese Dinger doch nur, um beim Schwimmen am Beckenrand pecken zu bleiben und jämmerlich zu ertrinken.
Der Krake hingegen kommen diese Saugnäpfe recht praktisch entgegen, - sie wären zudem gute Drummer, da jeder der acht Arme mit einem Gehirn ausgestattet ist. Drei Herzen haben sie auch, aber das nur am Rande, um jetzt dazu überzuleiten, wie wenig dieses Exemplar von Tierhorror hergibt.

Fans des ohnehin anspruchslosen Genres dürften sich hingegen einigermaßen heimisch fühlen, da kaum ein Klischee und nicht ein Verlaufsmuster ausgelassen wurde.
Meistens spielt die Geschichte praktischerweise in einem kleinen Fischerdorf, in dem vorwiegend Rednecks hausen, dazu gibt es hier immerhin noch ein paar soziale Differenzen mit den Indios und als Heldenpaar serviert man die übliche Konstellation aus Cop und Wissenschaftler, - Katrina Cop, Dan Wissenschaftler.
Und beiden wird bis kurz vor Showdown mal wieder nicht geglaubt, dass drei Leichen in drei Tagen auf das Konto einen Bus-großen Mutanten gehen.

Leider macht sich das Weichtier ziemlich rar und krallt sich zunächst das obligatorische Knutschpaar auf dem See und ab und an mal einen Angler oder Touristen am Strand.
Zwischendurch liegt der Fokus leider mehr bei größtenteils unnötigen Dialogen der kaum skizzierten Charaktere.
Hier mal ein kritischer Fischer, der sich seiner Existenz bedroht fühlt, dort ein rachsüchtiger Indio, dann mal wieder Mutti von Copgirl, die sich endlich Enkel wünscht und nicht zuletzt die Auftraggeber des Wissenschaftlers, die butz den Schwanz einziehen, weil ihnen Augenzeugenberichte und verstümmelte Leichen für weitere Untersuchungen nicht ausreichen.

Immerhin geht der Erzählfluss konstant in Ordnung, nur bleiben im Verlauf die Angriffe des Wassermonsters zu unspektakulär, wenn auch nicht unblutig, mit offenen Gesichtswunden und abgerissenen Armen. Erst zum Finale beweist die Inszenierung ihr Potential und stellt eine ordentliche Hatz bei Regensturm in den Vordergrund, bei dem so manche Fischer über Bord gehen und Plan A nicht funktioniert.
Gerade während dieser finalen Minuten ärgert es ein wenig, dass nicht schon viel früher Action einsetzte und die Atmosphäre nicht gleich so treffend auf den Punkt kam.

Deutlich mehr Augenzwinkern hätte der Sache allerdings gut zu Gesicht gestanden und auch charmante Szenen wie nicht ernst zu nehmende Regeln übers Fischen bleiben rar.
Innovationen sucht man ergo vergeblich und auch sonst gibt man sich stark oberflächlich. Das Kindheitstrauma der Heldin wird nur kurz angerissen und über die Herkunft des Kraken schweigt man sich komplett aus, - im Zweifel ist der Klimawandel wieder schuld.

Ein Plus geht letztlich noch an die Gestaltung des Killerviehs selbst, da man fast komplett auf Szenen aus dem Rechner verzichtete. Zwar sieht man bis auf einen Moment lediglich die Tentakel, doch die sehen halbwegs echt aus und es wirkt durchaus glaubhaft, wenn diese während eines Zweikampfs mit dem Messer geritzt oder abgetrennt werden und Blut fließt.
Insofern auch geschickt, als dass man lange Zeit nur erahnen kann, wie groß der Krake sein mag und man mit der Darstellung des Kopfes nicht direkt ins Lächerliche abdriftet.

Am Ende kann der Showdown also nicht mehr ausbügeln, was zuvor mit zu wenig Action vergeigt wurde. Der Streifen zeugt insgesamt von Ideenarmut und einer Fülle Klischees, wobei das den eingefleischten Genre-Fan kaum stören dürfte.
Doofer Tierhorror, der währenddessen nicht langweilt, aber nicht so deutlich haften bleibt wie diese Badekappen…
4,5 von 10

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