Laura Ingalls Wilder gehört zu den bekanntesten Kinderbuchautoren überhaupt. Ihre Bücher, die über ihr Leben mit ihrer Famlie berichten, dienten als Vorlage zur langlebigen und mehrfach Emmy-preisgekrönten Familienserie "Unsere kleine Farm" (1974-1983).
Um 1880 siedeln sich die Ingalls im kleinen Städtchen Walnut Grove, im Norden der USA, an. Das (Über-)Leben in dieser Zeit war keineswegs einfach. Armut, Seuchen, Missernten und die Eisenbahn machten aus jedem Jahr ein Abenteuer für Ingalls und ihre Nachbarn ...
Executive Producer Michael Landon erschuf mit "Unsere kleine Farm" eine der erfolgreichsten Serien - und eine der Besten!
Die literarische Vorlage wurde selbstverständlich fernsehtauglich aufbereitet und abgeändert. Einen Spannungsbogen wie in den einzelnen Episoden findet man in den Büchern nicht. Trotzdem schildert die Serie auf realistische Weise das Farmerdasein in diesen schweren Zeiten aus der Sicht der anfangs noch kleinen Laura.
Witz, Spannung und Dramatik halten sich durch alle 9 Staffeln (von denen bisher leider nur 2 hierzulande auf DVD erschienen sind) die Waage. Die Geschichten fesseln oder amüsieren fast immer. Dazu tragen vor allem die ausgezeichneten Darsteller bei.
Michael Landon dürfte vielen aus "Bonanza" oder als "Engel auf Erden" bekannt sein. Er spielt Charles Ingalls, den wohl liebe- und verständnisvollsten Menschen auf Gottes weiter Erde. Überhaupt ist die ganze Familie Ingalls in ihrer Solidarität und Güte überzeichnet bis zum Gehtnichtmehr. Doch sympatisch bleiben die Figuren trotzdem.
Das eigentliche Salz in der Suppe sind die vielen Nebencharaktere. Angefangen bei den Olesons, die das einzige Geschäft in Walnut Grove betreiben. Mit ihrer Comedy-Performance haben Richard Bull und Katherine MacGregor als ungleiches Ehepaar die Lacher auf ihrer Seite. Lieb gewonnen habe ich im Verlaufe der Serie auch Kevin Hagen als Dr. Baker oder Victor French als Mr. Edwards, den Freund der Ingalls. French, der im wahren Leben tatsächlich eng mit Landon befreundet war, spielte später an dessen Seite in "Ein Engel auf Erden".
"Unsere kleine Farm" bietet für Filmfans zahlreiche Gaststars, die das Ansehen zum Vergnügen machen. Ernest Borgnine, Louis Gossett Jr., Madeleine Stowe, Shannen Doherty, Johnny Cash und "Malcolm mittendrin"-Erfinder Linwood Boomer sind nur einige der vielen bekannten Gesichter.
Nachdem fast die komplette Serie um Charles Ingalls herum aufgebaut wurde, wartete die neunte Staffel schließlich mit einer großen Veränderung im Konzept auf. Wie das Leben so spielt, mussten die Ingalls ihr Heim verlassen und nur Tochter Laura (inzwischen längst eine Frau und verheiratet) blieb in Walnut Grove zurück. Dieser Change währte lediglich 19 Folgen und drei Serienspecials lang, in denen sich Michael Landon hier und da immerhin ein Cameo genehmigte.
Die Produktion zu "Unsere kleine Farm" wurde zum Glück nicht einfach eingestellt und der Zuschauer "hängen gelassen". Das Special "Das Ende von Walnut Grove" führt die Serie würdig zu einem Abschluss, in dem es den Untergang des Städtchens auf äußerst packend schildert.
Wer auf Schicksalsschläge, Dramatik und humorvolle Storys steht, die obendrein das wahre Leben schrieb, dürfte an "Unsere kleine Farm" nicht vorbeikommen. Selbst nach mehr als 30 Jahren wirkt hier nichts angestaubt oder altbacken. Zwar wird manchmal zu gezwungen auf die Tränendrüse gedrückt, doch das schmälert nicht den Spaß an dieser grandiosen Reise in die Vergangenheit. So war der Wilde Westen wirklich! 10/10 Punkten.