Review

Gesamtbesprechung

Xena, die Kriegerprinzessin. Nachdem die gleichartige Herkules-Serie mit Muskelheld Kevin Sorbo bei der Zuschauerschaft gut angekommen war, wollte man die Gunst der Stunde nutzen und überlegte seitens der Macher, wie sich noch weiter Kapital aus dem Stoff schlagen ließe. Und da Einfallsreichtum nun offenkundig nicht zum erklärten Repartoir der Verantwortlichen gehörte, griff man zu einem der ältesten filmischen Taschenspielertrick überhaupt um dieses zu erreichen: Man besetzte die männlichen Hauptrollen einfach auf weiblich um und arbeitete im gleichen Stiefel weiter. Xena war gebohren. Und, oh Überraschung: Nicht nur in den Charakteren, auch in der Grundkonzeption gleicht die Serie ihrem Vorgängerprojekt auf's Haar: Ein mit übermenschlichen Kampffertigkeiten ausgetattete Hauptfigur (Herkules/Xena) kämpft sich in Begleitung eines treuen Freundes (Iäolaus/Gabrielle) durch die monster- und götterlastige Welt des fiktiven Altertums.

So weit so mittelprächtig. Nur das mir schon hier die ersten Zweifel an der Klasse der Reihe kamen. Nun habe selbst ich als Action-Fan grundsätzlich ein gespaltenes Verhältnis zur Zunft der "Battle-Chicks". Ich finde es schlicht und ergreifend surreal, wenn eine Frau als Kriegerfigur auftritt. Der physische Konflikt ist in der Realität nun nicht unbedingt das Steckenpferd der holden Weiblichkeit. Noch mehr befremdet es mich aber, wenn die fragliche Amazone dann auch noch etwa Streichholzdicke Arme hat und trotzdem all die Götter, Ungetüme und Schurken scheinbar mühelos die Kauleiste aus dem Gesicht grätscht. Wäre sie nun eine Art Halbgöttin wie Vorläufer Herkules... Gut, dann könnte man das mit viel Gutwill noch als gegeben abhaken. Aber nein, Xena ist einfach nur ein Mensch. Allerdings einer, der trotz (nach der Muskulatur zu urteilen) recht überschaubaren zu erwartenden Kraftreserven, meterweite Sprünge aus dem Stand hinlegen, und X-fach-Saltos so selbstverständlich durchführen kann wie unsereins das Schuhezubinden. Wir sind also mit einer aus nicht näher geklärten Gründen superstarken Kampfhenne konfrontiert, die der Schwerkraft trotzt und von Profession her Heerführerin ist (Und die Armee möchte ich sehen die sich im patriarchalen System des Altertums ernstlich von einer Frau hätte kommandieren lassen). Aber gut, ich bin ja nicht so... Ich schaue der Braut einfach lange genug in den Ausschnitt, bis genug Blut aus dem Gehirn abgezogen wurde um diese Unstimmigkeiten vorrübergehend zu vergessen. Besehen wir uns also die übrige Machart der Reihe...

Wir befinden uns hier also zumeist im antiken Griechenland. Na ja, zumindest in dem, was die Macher der Serie dafür halten. Denn es ist schon auffällig, wie sauber und geordnet in diesem Altertum alles ist. Obwohl die Leute ihren unrat damals auf die Strasse kippten, ist nicht ein Fleck auf den makellosen Gassen von Xenas Welt. Auch die Kleidung sämtlicher Akteure strahlt wie frisch vom weißen Riesen persönlich gestriegelt und trotzdem sich die Erfindung der Zahnbürste noch ein paar Jahrhunderte hinziehen dürfte präsentieren uns sämtliche Charaktere ein tadelloses Perlweisgrinsen. Wem das an Unrealismus noch nicht langt, der darf staunend beobachten wie es Xena unter Anderen in Locations wie eine altgriechische Disco (!) verschlägt, in dem man die Lichtreflexe einer Discokugel auf dem Boden sehen kann. Fortschrittlich, fortschrittlich! Und solcherleidings ist keineswegs die Ausnahme. Derartige Blödfug-Events gehören zu allem Überfluß zum achselzuckenden Standardrepartoire der Reihe. Und genau da hört's für mich auf, lustig oder trashig zu sein, sondern wirkt einfach nur noch miserabel und man muß schon ein mehr als gesundes Maß an Unwissen und/oder ignoranz mitbringen, um diese fauxpas allesamt übersehen zu können und zu wollen.

Und da eine Zuschauerschaft, die deratige Eigenschaften mitbringt, geistig nicht überbeansprucht werden will, arbeitet man auch sonst mit einer fast comichaften Simplizität. Die Charaktere sind Gute wie Böse allesamt eindimensionale Klischees mit derart ins grenzenlose übersteigerten Charaktereigenschaften (und entsprechendem Gebahren), dass mir die Teletubbies dagegengehalten wie eine subtile und vielschichtige Literaturverfilmung erscheinen. Als Beispiel sei an dieser Stelle nur der Slapstick-30er-Jahrefilm-verdächtig dämliche Sideshow "Jocksa" angemerkt, der schon ob seiner Aufmachung eine fast unerträgliche Erscheinung ist, bei deren Verhalten und Auftreten in mir umgehend der Wunsch wach wird, ihn alleine dafür stante pede zu erwürgen.

Die Kampfchoreographien bei Xena spotten des Weiteren jeder Beschreibung und das "Wire-Team" mußte wohl jedesmal Überstunden schieben, wenn sich die Protagonistin wieder einmal mit schrillem Hallali in die Lüfte erhebt und levitierend sowie strampelnderweise von einem Gegner zum nächsten gondelt, um ihm die Grütze aus der Birne zu kloppen. Aber immerhin: Gentlemen sind die (zumeist strohblöden) Alltagsgegner,. Bleiben sie doch stets brav solange an Ort und Stelle, bis die dunkelhaarige Amazone ihr gebärfreudiges Becken in ihre Richtung schwingt und sie nach Strich und Faden vermöbelt. Und damit wären wir auch wieder bei einer der amüsantesten oder wahlweise verzweiflungserweckendsten Begebenheiten der Serie. Irgendwann wurde Lucy "Xena" Lawless natürlich schwanger (wie das nunmal so ist). "Gut", mochte nun jeder denken, "Damit hat sich's: Aus ist's mit Xena..." - Ha! Weit gefehlt! Auch Kurz vor dem "Werfen" stakste Lucy noch mit praller Babyplautze vor die Kamera, schlug Salti und vermöbelte statisch agierende Finsterlinge. Und mit diesem absurden Bild vor dem geistigen Auge will ich nun auch schließen, denn so etwas ist zweifelsohne der Gipfel der Dreistigkeit und Leuten, die eine so hahnebüchene Klamotte von einer Sendung noch ernstnehmen können, denen g'hört's einfach nicht anders.

Und wenn sie nicht gestorben ist, dann fliegt sie noch heute... - Obwohl: Genaugenommen ist sie in der Serie schon einmal gestorben, nur um dann... - Argh! Diese Kopfschmerzen setzen wieder ein! Ich brauch' jetzt ersteinmal n' Bier, um diese schwachsinnige Serie wieder zu vergessen. Oder ich schalte wahlweise auf Standbild und schaue einfach wieder lange genug auf Lucy's Dekollette, bis genügend Blut aus meinem Hirn in andere Regionen abgezogen wird, um diesen "Wahnsinn in Tüten" von einer Serie zu vergessen. - Ja, ich glaube so werd' ich's machen. Und wer weiß... Vielleicht liegt gerade in diesem letzteren Rezept ja auch der Schlüssel zum jahrelangen Erfolg dieser Reihe begründet...

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