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Die durch einen Unfall mehrerer mit Giftmüll beladener Lastwagen verursachten Explosionen bringen Teile des Holland Tunnels, der unter dem Hudson River New York und New Jersey miteinander verbindet, zum Einsturz und blockieren zudem auch an beiden Enden die Ein- und Ausfahrten. Kit Latura, der ehemalige Leiter des städtischen Emergency Medical Services, der vor einigen Jahren nach einem Einsatz, bei dem mehrere seiner Mitarbeiter ums Leben kamen, in Ungnade gefallen ist und seinen Job verloren hat, versucht nun auf eigene Faust in den Tunnel hinabzusteigen und die verschütteten Überlebenden zu retten, bevor den Leuten auch noch die restliche Decke auf den Kopf fällt oder ihnen das steigende Wasser und giftige Dämpfe den Garaus machen... Dem Action-Fach an sich bleibt Sylvester Stallone mit "Daylight" zwar treu, aber dennoch stellt das Ganze eine Abkehr von seinem gewohnten Rollen-Typus dar, denn anders als noch zuvor in "Demolition Man", "Cliffhanger", "The Specialist" und "Assassins - Die Killer" zieht er hier nicht gegen irgendwelche menschlichen Antagonisten ins Feld, sondern versucht stattdessen, als Retter in der Not ein Katastrophen-Szenario im Stil des 70er Jahre-Bombast-Kinos der Marke "Erdbeben" zu händeln. Nun ja, das Ergebnis ist mit "durchwachsen" noch schmeichelhaft umschrieben, denn während der Zuschauer in Sachen Effekte und betriebenem Aufwand durchaus noch zufriedengestellt wird (auch wenn das Ganze alleine schon aufgrund der Prämisse und des eingeschränkten Handlungs-Ortes nicht wirklich mit anderen 90er Jahre-Vertretern dieser Sparte wie "Twister" oder "Volcano" mithalten kann), können einem die unweigerlich mit dem beackerten Terrain verbundenen Klischees und der mit der ganz groben Kelle aufgetragene Pathos dieses Mal doch so richtig heftig auf dem Magen schlagen. Ziemlich schade ist es auch, dass mit dem Unfall im Tunnel das beeindruckendste Set-Piece da direkt ganz am Anfang verballert wird und man sich zum Ende hin in Sachen Spektakel nicht mehr wirklich steigern kann, was den Schluss fast ebenso antiklimaktisch wirken lässt, wie damals bei dem öden "Die Höllenfahrt der Poseidon". Rob Cohen inszeniert derweil alle Szenen ziemlich hart auf seinen Star hin und ist zweifellos auch in der Lage, diesen lauwarmen Aufguss von bereits (viel zu) oft Gesehenem auf einem soliden handwerklichen Level ins Ziel zu bringen, lässt dabei allerdings auch jeden Anflug einer eigenen Handschrift vollkommen vermissen... und letztendlich hätte man sich dann doch einen Filmemacher am Set gewünscht, der das alles mit ein wenig mehr Pepp und Esprit runtergekurbelt hätte. So mangelt es "Daylight" unterm Strich - neben den bereits genannten Mankos - halt doch ziemlich arg an eigenem Profil und Charakter, was die Angelegenheit leider ein wenig vergessenswert erscheinen lässt. Fazit: Keiner von Slys Besten, aber zum Glück kam dann im Jahr darauf ja "Copland", der seinen dramatischen und schauspielerischen Ambitionen eher gerecht geworden ist.

5/10

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