Geschlechterk(r)ampf
Die Hammer Studios haben über ihre Hochzeit zwar mehrere „Jekyll & Hyde“-Verfilmungen auf die Beine gestellt, doch diese alleinstehende Geschlechternummer ist mit Abstand die interessanteste und beste aller… Ein echtes Unikum, das wunderbar mit Klischees der Geschlechter, des Slashergenres, des Gothic Horrors spielt - und dabei über nur etwas über 95 Minuten dieser klassischen Story einen echten Adrenalinshot und eine Frischzellenkur verpasst, die ihrer Zeit sogar voraus war! Erzählt wird von einem besessenen Wissenschaftler im viktorianischem London, der die menschliche Sterblichkeit mit gepimpten weiblichen Hormonen verlängern oder gar ganz aufheben will. Doch sein gewagter Selbsttest hat mörderische und psychologisch zerstörerische Konsequenzen - und hat eine echte Mordsdame im Gepäck…
Transmutationen leicht gemacht
Wenn mich in Zukunft jemand fragt, ob ich einen Geheimtipp im Hammer Studios-Portfolio habe, kann ich nun guten Gewissens „Dr. Jekyll & Sister Hyde“ empfehlen und meiner Liste hinzufügen. Der goofy Titel sollte absolut niemanden von dessen Qualität und Sichtung abhalten! Hier gibt’s ein gotisches London, in dem man den Nebel fast schneiden kann. Bodyhorror, der die psychologische Ebene locker überschreitet. Die Verwandlungen sind verdammt clever getrickst. Das Finale ist konsequent und stark. Es gibt Horror genauso wie Augenzwinkern, Tabus en masse und ein pervers gutes Spiel mit den Identitäten und Sensibilitäten. Von Frauen wie von Männern. Immer wenn man denkt, man hätte von dieser altmodischen Geschichte schon jegliche Facette gesehen, dann kommt „Dr. Jekyll & Sister Hyde“ mit einer neuen Idee um die Ecke, dann zaubert er ein neues Kleid aus dem Ofen, dann schlitzt er köstlich eine neue Dirne auf. Jack the Ripper wird verwurstet. Madame Beswick leidet unter einem akuten Fall der Hotness. Und die Hammer Studios springen hier ein ums andere Mal über ihren eher angestaubten Schatten - egal ob dieser einen Dreitagebart oder verführerische Rundungen hat…
Fazit: eine der unterhaltsamsten Versionen des dualen Mythos und eines der schönsten Kleinode im Hammer Studios-Katalog. Clever, komplex, vielseitig. Geschlechterübergreifend gut.