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Die Firma Matador Film, bekannt für die neue deutsche Todeskunst im Bereich Independent-Kino, liefert zurzeit in regelmäßigen Abständen mehr oder minder brauchbare Streifen ab.
Da ist es im Zuge der immer noch anhaltenden Folterporn-Welle wenig überraschend, dass sich für dieses Projekt gleich zwei junge Regisseure zusammentaten und ihr Talent in die Waagschale warfen, was sich stellenweise durchaus sehen lassen kann.

So soll man sich also die Münchner Unterwelt vorstellen: Wenn da am Wochenende drei Girlies ihren Fahrer verlieren und in der U-Bahn weit und breit niemand ist, kommt ein Landstreicher daher, der sich als Anführer einer kannibalistisch veranlagten Truppe entpuppt…

…und schon landet man in dunklen Kellerräumen an Ketten und darf froh sein, möglichst bald abzunippeln oder gar zu entkommen, denn das gibt der Streifen dummerweise früh zu Beginn preis, da er aus Sicht der Überlebenden rückblickend geschildert wird.
Wobei auch in der Hinsicht nicht das letzte Wort gesprochen ist und der eine oder andere Twist dankenswerterweise eingeschoben wurde.

Denn ansonsten hat man es hier mit einem waschechten Folterfilm zu tun, der nicht mit kranken und derben Szenen spart und den philosophisch angehauchten Wortführer in ein latent bedrohliches Licht rückt.
Da werden Finger abgeschnitten, Haut abgezogen und Eingeweide herausgenommen und es wird geschrieen wie am Spieß, - bildlich betrachtet ist man auch nicht weit davon entfernt.

Was die Sache effektiv aussehen lässt, ist neben der versierten, wenn auch zuweilen leicht wackeligen Kamera, die Riege der überraschend glaubhaften Darsteller.
Einer wie Anton Grünbach, der den selbstsicheren Wortführer der Kannibalen verkörpert, muss bereits über einige Erfahrung, zumindest im Theaterbereich verfügen, um so nuanciert mit Gesichtsausdrücken umzugehen. Aber auch die potentiellen Opfer wie Martina Schölzhorn und Anna Trageser können durchweg überzeugen.

Natürlich sind auch einige negative Aspekte zu erwähnen. Typische Fehler von Independent-Streifen fallen sogleich ins Auge oder ins Ohr, wie der teilweise schlechte Ton oder die zu schwache Ausleuchtung, die reichlich schlichte Gestaltung der Kulissen oder einige etwas zu steif gehaltene Dialoge.
Auch storytechnisch wird nicht allzu viel geboten. Über den Hintergrund der Blutrünstigen erfährt man lediglich Bruchstückhaftes und auch wenn Sozialkritik in vagen Ansätzen vorhanden ist, hätte man jene deutlich effizienter auf den Punkt bringen können.

Auf der anderen Seite will man spannende Gewaltszenen und eine dreckige Atmosphäre in den Fokus rücken, was durchaus gelingt.
Auch im Vorfeld gibt es stimmungsvolle Momente, etwa als man vor dem Landstreicher durch die U-Bahn Gänge flieht, weil man meint, Blut tropfe aus seinem Einkaufswagen.
Später kommt noch ein leichter „Saw“ – Einschlag hinzu, als zwei an den Rücken Gefesselte Fragen beantworten müssen, wobei jede falsche Antwort mit Leid für die andere quittiert wird.
Ja, fies ist das Treiben zuweilen schon.

Umso erfreulicher, dass den Jungs Walz/Effenberger ein grundsolider Beitrag gelungen ist, dem es zwar an Liebe zum Detail und innovativen Foltermethoden mangelt, im Gesamteindruck über die rund 80 Minuten jedoch funktioniert, und dass eben mit schlichten Mitteln.
Mit dem Cast, etwas mehr Zeit fürs Drehbuch und frischen Storyeinfällen ist da gewiss noch Einiges zu erwarten, denn die grobe Richtung stimmt bereits…
6 von 10

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