Bereits nach Millisekunden ist ersichtlich, dass es sich um eine Amateurproduktion, oder besser, einen Hobbyfilm handelt und da stellt sich mal wieder die Frage: Wie bewertet man einen Streifen, den man mit ein paar Kumpels, etwas Latex und Kunstblut wahrscheinlich mindestens genauso gut hinbekommen hätte?
Immerhin folgt dieser Erstling einem wohlbekannten Muster: Man setzte aufs Genre Zombie-Horror, da brauchst du wenig Handlung und kannst dich im Bereich Maske und Schmödder so richtig austoben. Und tatsächlich: Zumindest in diesem Punkt funktioniert er.
Handlungstechnisch bietet er hingegen millionenfach durchgekautes: Eine tödliche Infektion hat die Menschheit dahingerafft und aus den Infizierten wurden fleischrünstige Zombies. Vier Überlebende bahnen sich einen Weg durch Unterhölzer, Wald und leer stehende Gebäude, um einen angeblichen Zufluchtsort zu finden.
Das größte Problem stellt die enorme Laufzeit von 91 Minuten dar, was für einen Erstling ohne ausreichende Story schlicht zu lang ist, - da hätten es maximal 65 Minuten eher getan.
Das macht sich im Verlauf entsprechend negativ bemerkbar, da es zig redundante Szenen gibt, die weder Spannung erzeugen, noch für das Geschehen von Bedeutung sind.
Die Gruppe findet Dosensuppe, sie wird über dem Gaskocher erhitzt und gegessen, - eine solche Sequenz sollte, wenn denn nicht bedeutende Dialoge integriert werden, allenfalls 20 Sekunden in Anspruch nehmen, während sie hier fast anderthalb Minuten beansprucht.
Kurzum: Es fehlt das Gespür fürs Wesentliche. Immer wieder latschen die vier einfach nur durch die Gegend, ohne dass auch nur ansatzweise eine Gefahr in Verzug wäre.
So werden mehrfach leer stehende Gebäude inspiziert, während Zombieangriffe zu selten eingestreut werden. Die hingegen können sich größtenteils sehen lassen. Vielleicht nicht immer, was die Dramaturgie entsprechender Szenen betrifft, aber in Sachen Maske der Untoten und Bluteffekte wie Kopfschüsse, eine offene Leiche mit Maden drin oder auch dem Verzehr des eigenen, abgetrennten Beins.
Zudem treten die Untoten klassisch in Erscheinung: Torkelnd, wankend und schwer atmend.
Demgegenüber mangelt es jedoch an anderen Zutaten.
Da wären zunächst die Darsteller zu erwähnen, die größtenteils aus Laien bestehen. Die Dialoge wirken entsprechend hölzern und glaubhafte Verkörperungen essentieller Gefühlszustände, wie Panik oder Trauer sehen eben anders aus. Zumindest bemühen sich die Mimen mit Ernst bei der Sache zu bleiben.
Positiv stechen hier nur Sascha Fromm als Geistlicher und Martina Schölzhorn als dubiose, düstere Elena hervor (letztere bereits durch ungeheure Ausstrahlung und faszinierende Augen), - leider stehen beide nicht im Vordergrund und können jeweils nur für wenige Minuten überzeugen.
Handwerklich sind indes gute Ansätze auszumachen. Die Kamera ist um variable Positionen bemüht und wird überwiegend ruhig geführt, allerdings gelingt es oft nicht, den Lichteinfluss diverser Winkel zu berücksichtigen, woraufhin einige Szenen in komplett verschiedenen Lichtverhältnissen stehen, einige gar viel zu dunkel ausfallen.
Des Weiteren fällt der durchdachte Score positiv auf, gleiches gilt für die Sounduntermalung, die gut getimt ist. Leider findet sich aber auch hier ein absolutes No-Go: Es ist angeblich Endzeitstimmung, kaum Überlebende und dennoch hört man im Hintergrund deutlich Geräusche von Autos und Flugzeugen.
Das Debüt von Michael Effenberger leidet ergo unter vielen Mankos, die Amateurproduktionen häufig mitbringen, wobei die zahlreichen Laufzeitstrecker am negativsten ins Gewicht fallen. Neben unzähligen Regie-Fehlern ist es vor allem die inhaltsleere Geschichte an sich, die kaum Unterhaltungswert verbreitet und zu wenig Tempo bietet. Der Showdown, der sogar mit einem kleinen Twist aufwarten kann, zeigt wiederum, dass durchaus mehr drin gewesen wäre, was zukünftigen Projekten des Filmemachers deutlich zu wünschen ist.
Nur für knallhart eingefleischte Horror-Fans, denen diverse Mängel einer Amateurproduktion nicht weiter wichtig sind…
3 von 10