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Mal wieder Lust auf einen knalligen Partystreifen? Aber kein Bock auf den Direct to DVD-Müll von heute und stattdessen lieber in den guten alten 80ern gestöbert? Na da passt "Blutweihe" ja wie die Faust aufs Auge.

Aber immer schön der Reihe nach: Die Story dreht sich um Studentin Kelly, die an gar mysteriösen Alpträumen leidet, welche anscheinend mit der Kindheit und ihren Eltern zu tun haben. Als ob das nicht ausreichen würde, muss Kelly noch die Aufnahmeprüfung in eine Studentenschaft überstehen. Als Mutprobe soll sie, zusammen mit zwei weiteren Anwärterinnen, in das Kaufhaus ihres Vaters einsteigen und dort die Uniform des Nachtwächters stehlen. Zu dumm nur, dass aus der nahe gelegenen Irrenanstalt ein psychopathischer Killer ausgebrochen ist, der Kelly und ihre Freundinnen anscheinend ganz oben auf seine Opferliste gesetzt hat...

Schon gut, schon gut. Es ist im Grunde ein handelsüblicher Slasher, mit dem man es hier zu tun bekommt. Überraschungen lassen sich denn auch an einer Hand abzählen. Aber immerhin bekommt man haargenau das, was man auch erwartet hat: Im guten wie im schlechten Sinne. Dass Filme dieses Subgenres über keine oscarreifen Drehbücher verfügen, dürfte wohl klar sein. Aber so haarsträubend wie hier sind die Dialoge wohl sonst nur in achtklassigen Videoproduktionen- und dieses Werk hier hat es doch glatt in die Kinos geschafft! Was die Figuren, pardon Schablonen, hier so von sich geben, ist schon allerhand Schwachsinn, wobei Daphne Zuniga und Vera Miles, die sich während des Drehs bestimmt gefragt hat, in was genau sie da eigentlich rein geraten ist, in Sachen Dummschwätzerei nach oben hin ausschwingen. Für unfreiwillige Komik ist demnach gesorgt- zumal auch wirklich kein Klischee ausgelassen wird: das reicht vom mehrfach eingesetzten Unwetter über das altbekannte Kindheitstrauma sowie die simple Regel Sex = Tod bis zur bemühten Auflösung. Dass "Blutweihe" Fans des Genres dennoch zufrieden stellen und sogar unterhalten kann, anstatt zum Rohrkrepierer zu werden, liegt daran, dass Regisseur Larry Stewart durchaus ein Händchen für diese Art von Filmen hat. So kommt denn gerade in der zweiten Hälfte auch ordentlich Spannung auf. Ganz zu schweigen vom Abwechslungsreichtum in Sachen "kreative Morde". Während sich der Bodycount in den ersten 45 Minuten noch zurückhaltend und vom Mordwerkzeug her recht einseitig gegeben hat, wird nun gemetzelt, was das Zeug hält. Was bedeutet, dass von den Studenten (außer Kelly und ihren beiden Freundinnen hat es nämlich auch noch die Vorsitzende der Studentenschaft samt männlichem Anhang inform von drei Vollpfosten in die Mall verschlagen) einer fieser über die Klinge springen darf als der andere. Der Slasherfreund ist dabei der Gewinner! Freilich funktioniert "Blutweihe" lediglich auf einer absolut sinnfreien Unterhaltungsschiene. Der Streifen ist purer Fun, durchsetzt mit jeder Menge nackter Haut und ebensoviel Blut- nicht mehr und nicht weniger. Hier gibt es kein selbstironisches Spiel mit den Genreregeln wie später in "Scream", noch hat der Streifen sich ein Beispiel an der Subtilität von Bob Clarkes "Black Christmas" oder John Carpenters "Halloween" genommen. Nein, "Blutweihe" ist durch und durch dumm- und in der ersten Hälfte auch noch arg bemüht. Doch dafür fehlt es später nicht an Drive. Schauspielerisch ist die Angelegenheit arg durchwachsen und positiv hervorheben kann man eigentlich niemanden so wirklich. Daphne Zuniga bekleckert sich bestimmt nicht mit Ruhm, sieht aber immerhin recht ansehnlich aus und konnte wenig später in Rob Reiners Komödien-Juwel "Der Volltreffer" zeigen, dass sie schauspielerisch doch nicht so unterirdisch ist wie sie hier mitunter agiert. Der Rest macht seine Sache kaum besser. Letzten Endes sind die Leistungen aber wenigstens annehmbar ausgefallen. Punkten kann der Film bei den Effekten, die zeigen, dass es nicht immer einen Tom Savini für gut dargebotenen Gore braucht.
Lange Rede, kurzer Sinn: "Blutweihe" ist nicht übel. Er ist alles andere als der Bodensatz des Genres, aber auch weit von den Highlights dieser Filmgattung entfernt. Da der Streifen aber über einen erstaunlich hohen Trashgehalt verfügt und zudem noch recht kurzweilig ausgefallen ist, dürften Fans hier doch recht gut aufgehoben sein. Als Partykracher ist das Teil jedenfalls der Hammer. Hat man es hier doch mit einem Slasher zu tun, der wirklich sämtliche Regeln des Genres in sich vereint (es gibt sogar den folgenreichen "Ich komm gleich wieder"-Spruch!), für reichhaltige Kommentare also wie geschaffen ist.
Also liebe Horrorfans: Freunde einsacken, genügend Alk bereithalten, vorzugsweise eine ungeschnittene Fassung dieses irgendwie doch recht charmanten Edel-Schunds organisieren und der Spaß kann losgehen.
Dafür gibt es 5 von 10 blutigen Messerstichen ohne Überlebensgarantie!

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