Nachdem sich Jim Carrey zuerst als reiner Kaspar und Fratzenschneider einen Namen gemacht hatte, ging er mit „Der Dummschwätzer“ auf die etwas familienfreundlichere Schiene.
Flechter Reede (Jim Carrey) ist, wie der Originaltitel „Liar, Liar“ bereits besagt, ein Lügenbaron. Seine Fälle gewinnt er durch dreiste Verdrehungen der Wahrheit, was ihm sogar beruflichen Aufstieg verspricht, im Familienleben führte diese Eigenschaft jedoch zum Abstieg: Ehefrau Audrey (Maura Tierney) ließ sich scheiden, Sohnemann Max (Justin Cooper) liebt Daddy noch, wird aber durch Lügen und Vertröstungen immer wieder enttäuscht. Da ist er also, der fiese, zu läuternde Mensch des Familienfilms, fehlt nur noch der Trouble, der den besseren Mann aus ihm macht.
Als Fletcher mit fadenscheiniger Entschuldigung nicht zur Geburtstagsparty seines Sohnes kommt, hat dieser nur einen Wunsch: Papi soll einen Tag nicht lügen können. Dieser geht in Erfüllung, doch Flechter hat ausgerechnet dann einen wichtigen Fall...
Jim Carreys Komik mag man wohl nur sehr subjektiv beurteilen können und für meine Begriffe übertreibt er in „Der Dummschwätzer“ teilweise zu sehr mit grimassieren, auch wenn die Körperbeherrschung des Mannes einfach bewundernswert ist. Doch trotzdem sind Carreys Comedy-Einlagen mal wieder das Highlight des Films, z.B. wenn Flechter den Stinkstiefeln im Büro sagt, was er wirklich von ihnen hält, oder den Flughafen auf ganz eigene Weise infiltriert. Die Gags sind ordentlich getimt, von der Frequenz her aber niedriger als in manch anderem Carrey-Werk, weniger derb, aber die eine oder andere Frontalattacke aufs Zwerchfell hätte man schon gern gesehen.
Eingebettet ist das Ganze im Gegensatz zu Werken wie „Ace Ventura“ oder „Dumm und dümmer“ sogar in eine echte Story, denn nach den jüngsten Eskapaden des Lügenbarons denkt Audrey daran ihren biederen Freund Jerry (Cary Elwes) zu ehelichen und mitsamt Sohn wegzuziehen. So wird der Tag beruflich und familiär zur Bewährungsprobe, wenngleich am guten Ende nie Zweifel besteht. Der Weg dahin ist das Ziel, nicht wirklich originell, aber mit der einen oder anderen netten Idee, z.B. wie Flechter ohne Lüge im Gericht bestehen kann.
Problematisch ist jedoch der Familienpart des Films, wenn „Der Dummschwätzer“ vom Prädikat reizend zum Prädikat Brechreiz schwenkt. Der ständige „Och, was bin ich niedlich“-Blick von Max schlägt bereits auf den Magen, das märchenhafte Happy End ist so zuckersüß, dass einem endgültig schlecht wird und die Wandlung Fletchers zum besseren Menschen wird auch mit dem Holzhammer präsentiert. Es sind nur einige Passagen in der „Der Dummschwätzer“, die sind jedoch wirklich übelster Kitsch und schmälern das Vergnügen am Film leider ungemein.
Dabei zeigt Jim Carrey in dem Film, dass er mehr kann als nur kaspern, was er darauf auch eindrucksvoll in „Die Truman Show“ bewies. In den Familienszenen hält er sich angenehm zurück, um dann in den Klamaukparts zu gewohnter Hochform aufzulaufen, wenngleich er gelegentlich übers Ziel hinausschießt. Edelsupport sind Maura Tierney, Cary Elwes, Jennifer Tilly, Swoosie Kurtz und Mitch Ryan. Schlimm ist jedoch Justin Cooper, der seine nervige Blagenrolle dann auch mit nur zwei Gesichtsausdrücken (freudig-zuckersüß, traurig-mitleidheischend) noch weniger erträglich macht.
Jim Carreys Komik ist es, die „Der Dummschwätzer“ noch knapp über den Durchschnitt hebt. Tom Shadyacs Film hat zwar etwas mehr Story als die üblichen Carrey-Blödelfilme, knallt dem Zuschauer dann aber Familienwerte mit dermaßen viel Kitsch und Zuckerguss vor den Latz, dass einem schlecht werden kann. Nett, aber Carrey sehe ich dann doch lieber unter Farrelly-Fuchtel blödeln.