Wie soll man Die Letzte Festung am besten beschreiben? Gute-Nacht-Phantasien für pansionierte US-Militärs? Nur teilweise. Denn trotz triefendem Patriotismus gegen Ende entpuppt sich der Film ansonsten als recht passabler Knastthriller mit einer Hand voll bekannter Gesichter. Aufgrund der Handlung, Action und Darsteller kann Die Letzte Festung durchaus Laune machen.
Jahrelang leistete Gerneral Irwin (Robert Redford) seinem Land treue Dienste. Sowohl in Vietnam als auch im Golfkrieg machte er sich verdient und genoss beim Militär höchstes Ansehen. Aufgrund eines Disziplinarvergehens wird er verurteilt, eine zehnjährige Haftstrafe im Militärgefängnis abzusitzen. Zunächst genießt er noch die uneingeschränkte Achtung des sadistisch veranlagten Gefängnisleiters Colonel Winter (James Gandolfini). Doch schon bald kann Irwin seine Augen nicht länger vor dessen rigorosen und menschenverachtenden Methoden verschließen. Die Häftlinge um ihn herum setzten große Hoffnung in den degradierten General und ernennen ihn heimlich zu ihrem neuen Vorgesetzten. Seite an Seite stellen sie sich ihrem Widersacher, um den brutalen Haftbedingungen ein Ende zu setzen. Von nun an ist Winter jedes Mittel recht, Irwin zu stürzen. Im Kampf um die Führung stehen sich die Zwei schließlich als bittere Feinde gegenüber. Es entfacht ein gnadenloser Krieg, der nicht ohne Opfer überstanden wird...
Wie sein Kollege Michael Douglas mit The Sentinel versucht auch Robert Redford (Spy Game) im fortgeschrittenen Alter sich nochmal als Actiondarsteller zu beweisen. Das macht er an sich nicht schlecht und schlebt sich auch an massenweise Steinen einen Wolf. Um Realismus ins Spiel zu bringen bestand Redford nämlich auf echte Steine. Ob es in Wirklichkeit genauso viele Steine waren wie im Film mag allerdings bezweifelt werden. Ansonsten schwingt Redford patriotisch angehauchte Reden und erzählt munter viele Kriegsgeschichten. Sein Gegenpart wird von James Gandolfini (True Romance) gespielt, der ein wirklich dreistes Arschloch abgibt. Auf Ungehorsam lässt er immer skrupellosere Strafen folgen und nimmt auch den Tod eines Häftlings in Kauf. Hin und wieder schaut mal Delroy Lindo (Broken Arrow) nach dem Rechten, und auch Mark Ruffolo (Windtalkers) macht seine Sache nicht schlecht. Nebendarsteller wie Clifton Collins Jr. (Mindhunters) und Steve Burton (Cyber-Tracker) agieren routiniert.
Bezüglich der Erstürmung der Gefängnisanlage haben sich Irwin und seine Jungs recht originelle Sachen einfallen lassen. Da wird sich mal rasch ein Katapult zusammen gezimmert, Wasserwerfer werden als Harpunen umfunktioniert und Tabletts müssen als Schilde herhalten. Von der Inszinierung her ist die Action recht temporeich und imposant geraten, so, dass im Showdown kaum Langeweile aufkommt. Aber auch Winters Leute haben den Finger recht schnell am Abzug der Gummiwumme. Ab und zu mal eine Explosion sorgt dann auch noch was für die nötige Abwechslung. Was die Handlung betrifft so gestaltet sich Die Letzte Festung in vereinzelten bereichen oftmals klischeehaft, kann aber dennoch ordentlich unterhalten. Nachdem Irwin Winters schon ungewollt bei seiner Ankunft ans Bein pinkelt, lässt sich der Knastlord bei weiteren Frechheiten immer derbere Scherze einfallen. Den Knackis nur einen Basketball in die Runde zu werfen oder einen salutierenden Häftling im Regen stehen zu lassen sind da noch die harmlosesten Methoden. Gerne wird auch mal von der Knarre mit Gummigeschossen Gebrauch gemacht, um den Insassen zu zeigen, wo der Hammer hängt. Dank Irwins Bemühungen geht das im Laufe der Zeit aber immer mehr nach hinten los, was einen toten Knacki und eine anschließende Revolte zu Folge hat. Wie gesagt ist auch das Finale keineswegs schlecht geraten. Lediglich das mit Patriotismus überzuckerte Ende stößt da etwas sauer auf. Dass Irwin in die Ewigen Jagdgründe befördert wird mag nicht der schlimmste Einfall sein, doch bei der Inszenierung sind Regisseur Rod Lurie (Rufmord) anscheinend die Stars & Stibes-Pferdchen durchgegangen. Und nach Irwins Ableben ist dann auch schnell Sense, weshalb man über die weiteren Verbleibe von Winters, der Anstalt und der Knackis im Unklaren bleibt. Auch bezüglich der Musikuntermalung wird oftmals die patriotische Fahne geschwungen, aber immer noch halb so wild. Was die Location angeht, so wurde die Anstalt richtig in Szene gesetzt und die Sets machen auch mächtig was her.
Unterm Strich macht das einen brauchbaren Actionthriller mit unnötigem Patriotismus- und Pathoseinsatz. Und Redford kann nochmal beweißen, dass eine fähiger Schauspieler ist, auch wenn es mit dem körperlichen Einsatz nur ansatzweise funktioniert hat.