Bereits in „Brubaker“ probte Robert Redford den Aufstand gegen einen herrischen Gefängnisdirektor, dort freiwillig, hier gezwungenermaßen.
Durch eine Fehleinschätzung schickte General Eugene Irwin (Robert Reford) bei einem Einsatz acht Männer in den Tod und wurde zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Man verlegt ihn ins Gefängnis von Colonel Winter (James Gandolfini), wo Irwin seine Strafe in Ruhe absitzen will. Jedoch macht er sich durch eine ungeschickte Bemerkung den Gefängnisdirektor schnell zum Feind, der sowieso ein Schleimer wie aus dem Buche ist: Nach oben buckeln, nach unten treten.
Doch Winter führt ein eisernes Regime, manipuliert die Gefangenen und hetzt sie gegeneinander auf. Sogar Tote nimmt er dabei in Kauf, lässt dies jedoch immer wie Unfälle aussehen. Als Winter auch Irwin auf die Pelle rückt, sorgt dieser für Widerstand…
Das Duell zwischen Gefängnisdirektor und Häftling ist ein nicht allzu neuer Plot, wenn man an Filme wie „Lock Up“ denkt, aber auch noch nicht so ausgelutscht. Problematisch nur, dass bei „Die letzte Leistung“ alle Charaktere Stereotypen bleiben. Winter ist der herrische Schleimer, die Wachen Sadisten oder Fehlgeleitete, die ihren Fehler am Ende erkennen, und die Gefangenen sind wandelnde Klischees vom mürrischen Muskelprotz bis zum naiven Simpel. Leider bleibt auch Irwin flach, Ansätze seine Persönlichkeit zu vertiefen (Szene mit seiner Tochter usw.) bleiben im Keim stecken und so bleibt er die meiste Zeit über Vorzeigesoldat.
Dabei hat Regisseur Rod Lurie durchaus erzählerisches Talent. Trotz der nicht unbedingt kurzen Länge hat „Die letzte Festung“ kaum wirkliche Durchhänger, auch wenn die Story etwas vor sich hinplätschert. Dass der Konflikt am Ende eskalieren muss, ist von Anfang an klar und bis dahin sind es die üblichen Stationen: Gegenseitige Provokationen von General und Gefängnisdirektor, drakonische Strafen für die Guten und das obligatorische Ausscheiden eines Sympathieträgers. Immerhin erzählt Lurie die Plotte mit viel Drive und hält das Tempo hoch.
Leider hat „Die letzte Festung“ einige eklatante Mängel, angefangen bei Logiklücken. Wie können die Gefangenen ihren Aufstand so gut unbemerkt vorbereiten, ja sogar ein Katapult bauen, das einwandfrei funktioniert? Doch darüber mag man teilweise noch hinwegsehen, was bei dem üblen Pathos nicht mehr funktioniert. Die Männer kennen Irwin kaum, doch bejubeln die Absolvierung seiner Arbeitsstrafe wie sonst was. Irwin schwingt sowieso stets vor Pathos triefende Reden, feiert dabei wahre Loblieder auf militärische Disziplin ab. Die Krönung ist der pathetische Schluss, der immerhin noch eine kleine Überraschung bereithält.
Erste Sahne hingegen ist die Action, wenngleich dieses sich fast ausschließlich auf den Showdown beschränkt. Der ist dafür ausgiebig und bringt Revolte in knalliger Form: Zerstörung von Wachtürmen, Kämpfe zwischen Wärtern und Gefangenen, Explosionen, ja sogar einen abstürzenden und sich formschön überschlagenden Helikopter. Inszenatorisch ist das Gebotene wirklich top und entschädigt zumindest teilweise für Klischees und Pathos.
Robert Redford hat zwar schon besser gespielt, ist aber als störrischer General überzeugend und in einigen Szenen ist es eine wahre Freude ihm zuzusehen. Vor allem die Dispute mit James Gandolfini sind klasse, wobei dieser so gut es gegen die furchtbare Eindimensionalität seiner Rolle kämpft. In einer Nebenrolle liefert Delroy Lindo gewohnt gute Qualität ab, der Rest ist eher unscheinbar.
Technisch wunderbar, vor allem in den Actionszenen sehr gelungen, doch trotzdem nur Mittelmaß. Den Standardplot spult „Die letzte Festung“ recht gut ab, das Pathos ist aber stellenweise unerträglich und auch die Menge an Klischees und Logikfehlern ist nicht gerade zuträglich.