Review

Harte Mauern und Männer

Der Knastfilm, Männer hinter Gittern, Ungerechtigkeiten zwischen Straftätern, Soldaten mit Sünden, Gangster unter sich… „The Last Castle“ ist ein völlig solider Sonntagnachmittags- oder Feiertagsfilm. Geerdet von Schauspiellegenden mit Charisma, Ruhe und Kraft, nicht ohne etwas Leerlauf bei satten zwei Stunden+ Laufzeit, die eher triste Farbpalette kann über die Zeit auch nerven. Aber insgesamt ein hartgekochtes und eisiges Actiondrama hinter schwedischen Gardinen über einen legendären General, der in einem ebenso legendären Militärgefängnis landet und sich dort nicht nur einordnen und eingewöhnen muss, sondern vor allem mit der unmenschlichen Führung Probleme bekommt…

Graue Wände ohne Ende

„Die letzte Festung“ profitiert von seinen Stars. Ich glaube, wären anstatt Redford und Gandolfini durchschnittliche Mimen am Start, dann würde dieses graue Knastkammerspiel ganz schnell zur Geduldsprobe oder sogar einem Reinfall. Aber durch deren Gravitas und Charakter hält der Film seine Anspannung und Klasse dauerhaft hoch genug. Das ist kein Kompliment für Schreiber oder Regie. Aber es gibt nunmal Talent und Starpower in full effect - und die wird hier sichtbar, manchmal sogar spürbar. Es werden im Grunde meist nur ikonische Versatzstücke verwurstet und modernisiert, etwa aus „Papillon“, „The Great Escape“, „Cool Hand Luke“ oder „The Longest Yard“. Aber hier und da gibt’s eigene Gewürze, Redford verleiht dem Ganzen unheimlich Würde und dem Kameramann muss man auch mal ein Kompliment machen, die Bildsprache spielt weit über dem, was eigentlich sichtbar ist und aufgenommen wird. Matschig, grau, rau - und doch nie ganz ohne Schönheit. Clifton Collins Jr. ist als stotternder und über den authentischen General staunender Insasse ein weiteres Highlight. Ansonsten gibt’s Schmerzen, Standhaftigkeit und Machtspielchen, fehlgeleitete Männlichkeit und echte Menschlichkeit. In den besten Momenten durchaus intensiv und stattlich. Und im letzten Drittel sogar ein ausgewachsenes Kriegs- und Belagerungs- und Schlachtengemälde. 

Vielleicht gut in Kombo mit „Spy Game“

Fazit: ein B-Actioner im Herzen, ein Qualitätsfilm im Anschein?! „The Last Castle“ ist einer der unterschätzteren Knastfilme. Nicht fehlerfrei. Mit u.a. Redford, Gandolfini und Ruffalo spektakulär besetzt. Trotz ein paar Längen ganz und gar keine schlechte Zeit. 

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