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"Jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen oder tatsächlichen Ereignissen sind GEWOLLT" - mit diesen eingeblendeten Worten beginnt Regisseur Costa-Cavras seinen Film "Z" , dessen Entstehungsgeschichte im Jahr 1969 diese Aussage noch zusätzlich verdeutlicht. Es war schwierig, die Finanzierung für den Film aufzubringen, da verschiedene Geldgeber aus Angst zurücktraten und die vielen prominenten Schauspieler mit Yves Montand, Jean-Louis Trintignant und Irene Papas an der Spitze den Film erst ermöglichten, indem sie auf ihre Gage verzichteten.

Costa-Cavras spielt in seinem Film deutlich auf die Ereignisse in seinem Heimatland Griechenland an, die 1963 mit einem vertuschten Mord an einem prominenten Oppositionellen begannen und im Jahr 1967 zu einem Militärputsch führten, in dessen Folge tausende Griechen inhaftiert und ermordet wurden. Doch Costa-Cavras verzichtet auf eine genaue Ortsangabe, denn er drehte "Z" als ein allgemeingültiges Beispiel für die Vernichtung von Bürgerrechten unter dem Deckmäntelchen, den Staat vor Feinden schützen zu wollen, um damit die Übernahme der Macht durch einige Wenige zu rechtfertigen.

Trotz dieser Verallgemeinerung spürt man die Wucht der damaligen realen Ereignisse, denn Costa-Cavras Wut ist jede Sekunde im Film zu spüren. Dieser beginnt mit einer Vorlesung in einem Hörsaal, indem sich größtenteils uniformierte Männer aufhalten. Der General (Pierre Dux) hält eine flammende Rede darüber, daß Ereignisse und "kranke Einflussnahmen", die den gesunden Staat und dessen Volkswillen stören können, schon im Keim erstickt werden müssen. Als Zuschauer glaubt man sich bei einer militärischen Versammlung reaktionärer Offiziere zu befinden, stattdessen handelt es sich hier um die ortsansässigen Polizeioffiziere und der General betont zuletzt noch, daß es darum geht die Grundrechte der Demokratie zu verteidigen...

Szenenwechsel - wir sehen einige Männern bei der Organisation einer politischen Veranstaltung. Trotz der Plakate und Parolen ist eine exakte Zuordnung der Partei in Links und Rechts nicht möglich. Auch das ist von Costa-Cavras so gewollt, der übliche Klischees und damit auch Sympathien oder Antipathien beim Zuseher vermeiden will. Offensichtlich ist es aber, daß es sich um eine Oppositionspartei handelt, die dazu noch für Abrüstung plädiert und damit der Regierung ein Dorn im Auge ist. Die Organisatoren für die große Kundgebung am Abend bekommen Probleme, da man ihnen die zugesagte Halle nicht gibt und eine Open-Air-Veranstaltung als Provokation gilt.

Die Polizei, die ja nach außen hin eine solche Veranstaltung unterstützt, vermittelt einen Saal, der viel zu klein ist. Zusätzlich nimmt sie Morddrohungen, die gegen den Hauptredner und charismatischen Oppositionsführer (Yves Montand) für den Abend kolpoltiert werden, nicht ernst. Als die Veranstaltung beginnt, hat sich eine gefährliche Stimmung verbreitet. Da der Saal bei weitem nicht alle Anhänger fasst, befinden sich viele Menschen außerhalb des Hauses und hören die Rede durch große Lautsprecher mit. Die Polizei schickt heimlich einen rechtsradikalen Schlägertrupp los, der nicht nur für Unruhen sorgen soll, sondern es gezielt auf den Oppositionsführer abgesehen hat.

Costa-Cavras macht kein Geheimnis aus den Ereignissen und schildert die Geschehnisse mit erschreckender Direktheit. Die Prügelszenen werden in ihrer Brutalität und der darin verborgenen Niedertracht genauestens gezeigt. Die Schläger, die einen exakten Plan haben und entsprechend skrupelos vorgehen, treffen auf Menschen, die friedlich demonstrieren wollen und die der ihnen entgegengebrachten Gewalt hilflos gegenüberstehen.

Dabei teilt sich der zweistündige Film in fast gleichwertige Hälften. Die erste Stunde gilt den Unruhen innerhalb der Stadt bis zu dem als Unfall getarnten Anschlag auf den Oppositionsführer, die zweite gilt der Verfolgung der Täter, bei der dann ein junger Richter (Jean-Louis Trintignant) aktiv werden soll, um im Namen des Staates den Fall aufzuklären. Costa-Cavras interessiert sich kaum für Namen, sondern stellt uns eine Unmenge an Polizisten, Politikern, Aufrührern, Journalisten, Zeugen und Staatsanwälten vor. Trotzdem bleibt sein Film klar strukturiert, die einzelnen Personen sind dank der herausragenden Schauspielerleistungen jederzeit wiedererkennbar und charakterlich nachvollziehbar und der Film bleibt trotz seines hohen Tempos und der häufigen Schnitte immer schlüssig.

"Z" ist als politischer Film, der sich direkt und voller polemischer Wut nur diesem einen Thema widmet und auf private Storys fast gänzlich verzichtet, in dieser Formsprache exemplarisch für das Genre. Die wenigen Szenen, die unter der Bevölkerung spielen oder die trauernde Ehefrau (Irene Papas) des ermordeten Abgeordneten zeigen, sind fast beiläufig geschildert, ohne das daraus emotionales Kapital geschlagen wird. Einzig die Angst, in die fast Jeder angesichts der Allmacht des Staates verfällt, wird so von Costa-Cavras anschaulich gemacht.

Fazit : Costa-Cavras gelingt mit "Z" ein politischer Film, der so voller Wut und Tempo ist, daß er trotz oder wegen der hohen Sprachlastigkeit jederzeit fesselt und kurzweilig wirkt. Durch eine geniale Schnitttechnik gelingt es ihm, die große Menge der handelnden Personen und die vielen kleinen Szenen zu einem schlüssigen Ganzen zusammenzufügen.

Durch diese Konstellation entstand ein zeitloses, exemplarisches Werk, daß in seiner Konsequenz, die komplexen Mechanismen der Unterdrückung eines Volkes aufschlüsseln zu wollen, einmalig geblieben ist (10/10).

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