Review

Hongkong: Bei einem Flugzeugabsturz kommt Jeanny Ehemann ums Leben. Die Witwe, die es schon während ihrer Ehe mit der Treue nicht allzu ernst nahm, lebt nun mit der üppigen Erbschaft und ihren diversen Liebschaften in Saus und Braus. Plötzlich werden mehrere junge Damen von einem belederhandschuhten Unbekannten mit einem Rasiermesser umgebracht. Die Polizei tappt im Dunkeln…

DER MANN MIT DER TODESKRALLE... Ähm, DEM KARATESCHLAG ist ein kurioser Mix aus Eastern, Giallo und Schmuddelsex. Der Plot erinnert an Sergio Martinos DER SCHWANZ DES SKORPIONS. Die Krimi-Elemente des italienischen Frauenmörder-Genres sind zwar nur rudimentär erkennbar, aber dennoch enthalten. So würgt ein dubioser Lederjacken-Jockel nackige Weiber – der Zuschauer bekommt dies aus dessen Egoperspektive geboten. Des Weiteren spielt der Streifen das altbekannte „Wer ist der Killer“-Spiel mit multiplen Verdächtigen und Lösungsmodellen, die so schnell verworfen werden wie sie aufgestellt sind. Wer schlitzige Morde mit viel Kunstblut erwartet, ist jedoch auf dem Holzweg. Zwar killt der Killer mit einem Rasiermesser, der eigentliche Tötungsakt wird einem aber verwehrt und es schallt nur ein Frauenschrei aus dem Off.
Viel präsenter als die Frauenmörder-Thematik ist der Schmuddelerotik-Anteil. Großbusige Asiatinnen (ja, in der Tat!), die sich bei psychedelischem Rotlicht zu übelstem Pornogedudel ordentlich durchlöten lassen… Oder, was heißt „ordentlich“: das bumsfidele Treiben ist – aufgrund der haarigen Naturzensur und den etwas jämmerlich zuckenden Hüftkontraktionen – ungefähr so sexuell stimulierend wie Helge Schneider beim Hornhautraspeln oder Hämorrhoidensalbe.

Der Schmachtfetzen hat dennoch seine „Qualitäten“: Grobkörniges Bild mit Farbfehlern und Störelementen, vermutlich von einem völlig verstaubten Master, das man Jahrzehnte hinter der Heizung liegen hatte. Gefolgt von einer schrulligen Porno-Synchro und der vollen Breitseite an 70er-Jahre-Ästhetik, z.B. funky Discos, in denen sich Asiaten mit viel zu engen John-Travolta-Fummeln einen abstrampeln. Einer der Tatverdächtigen ganz nebenbei: ein blutjunger, aber dennoch schon ziemlich massiv gebauter Bolo Yeung (BLOODSPORT, GEBALLTE LADUNG) als buckeliger Gärtner oder Penner, der mit Hackebeil durch die Gegend läuft und Polizisten verdrischt. Welche Bedeutung seine Rolle nun genau für die Story hätte haben sollen, bleibt nebulös und unerschlossen.

„Ich bin zu Tränen gerührt, aber ich lach später drüber!“

Wer’s immer noch nicht geschnallt hat: Der Streifen ist Käse zum Quadrat, eine absolute Lachnummer und übelste Exploitation-Plörre, dass es sleaziger eigentlich kaum geht. Wer dies als Gütesiegel empfindet, kann getrost zugreifen. All diejenigen, die Story, Spannung, akkurate Schauspieler, Logik und den ganzen anderen überflüssigen Firlefanz für einen unterhaltsamen Filmabend benötigen, sollten aber tunlichst die Finger davon lassen.

Eastern: (+)(-)(-)(-)(-)
Giallo: (+)(+)(-)(-)(-)
Ungeiler Schmuddelsex: (+)(+)(+)(+)(-)

„Bevor ich dich umbringe, wollen wir uns noch ein bisschen vergnügen, na los!“

Fazit:
Völ. Lig. Ba. Na. Ne. Ulkiges Eastern-Giallo-Kuriosum. Bleibt nur die Frage offen, wer denn nun „der Mann mit dem Karateschlag“ hätte sein sollen…

Details