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"Bücher sind Abenteuer. Man findet in ihnen Mord, findet Chaos, Leidenschaft... Sie lieben jeden, der sie aufschlägt."

Alljährlich bittet New Line Cinema zur gemeinschaftlichen, fantastischen Weihnachtsgeschichte. 2008 war dies die Verfilmung von Cornelia Funkes  "Tintenherz", dem Auftakt der international erfolgreichen Reihe um Abenteuer, Fantasy und einer Coming-of-Age-Geschichte.

Durch Mo Flocharts (Brendan Fraser) besondere Gabe werden beim vorlesen aus Büchern dessen Figuren ins Leben zu erweckt. Als er sich dessen Gabe noch nicht bewusst ist, liest er seiner Tochter Meggie (Eliza Bennett) aus dem fantastischen Roman Tintenherz vor. Dadurch bringt er Figuren, wie den Gaukler Staubfinger (Paul Bettany) und den Bösewicht Capricorn (Andy Serkis) versehentlich in seine Welt und liest im Gegenzug seine Frau Resa (Sienna Guillory) in das Buch hinein.
Jahre später ist Mo immer noch auf der Suche nach einem Exemplar des seltenen Romans Tintenherz, um seine Frau daraus wieder heraus zu lesen. Die Figuren die er erweckt hat haben sich mittlerweile der realen Welt angepasst und suchen nach Mo. Capricorn hat im Sinn noch weitere Figuren aus Tintenherz heraus zu lesen, beispielsweise den mächtigen "Schatten", um die wirkliche Welt zu unterjochen.

Zu Beginn wird der Zuschauer mit Ereignissen erschlagen. Der Wurf mitten in die Geschichte erweist sich als verwirrend, zumindest für diejenigen, die keinerlei Vorkenntnisse mitbringen. Mit der Zeit lösen sich die rätselhaften Ereignisse und ergeben ein Bild, als sinnvoll erweist sich dieses allerdings nicht.
Vielfach fallen Löcher in der inneren Logik auf, die die Handlung völligst unglaubhaft macht. Sicher ist die Tragweite von Realismus bei fantastischer Literatur zumindest teilweise außer Kraft gesetzt, bei einer Mischung von Fantastik und realer Kulisse sollte man sich allerdings um glaubhafte Randbedingungen bemühen, oder diese erläutern. "Tintenherz" gibt sich da wenig Mühe, persische Figuren die aus Büchern gelesen werden können sich also verständlich ausdrücken. Ebenso scheinen sich die Figuren nicht ihren Möglichkeiten bewusst zu sein. Statt sich effektiven Hilfsmitteln zu bedienen, gehen sie einer kompromisslosen Lösung aus dem Weg. Zumindest bis kurz vor dem Ende des Films.

Was sich neu und innovativ anhört, war im Grunde schon mehrfach auf der Leinwand zu sehen. Die Idee literarische Werke lebendig werden zu lassen benutzt beispielsweise Walt Disneys parallel produziertes "Bedtime Stories". Allerdings auf auf amüsantere Weise, denn der in "Tintenherz" angewandte Humor zündet nur selten.
Michael Ende hat das mehr oder weniger gleiche Thema bereits mit "Die unendliche Geschichte" reflektiert, John McTiernan ging sogar noch einen Schritt weiter und belebte Leinwandfiguren in der Actionparodie "Last Action Hero".

Rein technisch ist "Tintenherz" natürlich eine amtliche Hollywood-Produktion ohne Mängel. Die Effekte sind toll aber leider rar gesät.
Das moderne Märchen hat definitiv seine Momente und zu Beginn dringt eine tolle Atmosphäre durch. Dies reicht aber nicht um über den ganzen Film zu unterhalten. Immer wieder fallen holprige Stellen auf, es fehlt zuweilen an magischen Momenten. Und hier liegt das grundlegende Problem. Als Fantasy-Film mangelt es "Tintenherz" vor allem an Phantasie. Viele Kleinigkeiten sind einfach zu modern geraten.
Durch die Verlagerung der Handlung in die reale Welt und der Einbindung der fantastischen Figuren in diese kommt einfach kein episches Gefühl einer Märchenwelt auf. Zudem sind mittelalterliche Figuren die elektrisches Licht benutzen und Auto fahren für manch einen Zuschauer sicher gewöhnungsbedürftig. Blass und einseitig fällt das Charakterdesign aus, im Grunde lieblos, denn durch etwas mehr Feintuning hätte man hier sicher flexiblere Figuren erstellen können.

Obwohl sich die Darsteller sichtbar Mühe geben gegen das belanglose Drehbuch und ihre eintönigen Figuren vorzugehen, müssen sie sich am Ende der uninspirierten Inszenierung fügen. Während Andy Serkis ("Prestige - Die Meister der Magie"), Eliza Bennett ("Eine zauberhafte Nanny"), Paul Bettany ("The Da Vinci Code - Sakrileg", "Firewall") und Sienna Guillory ("Eragon", "Resident Evil: Apocalypse") zumindest das beste daraus machen verhält sich Brendan Fraser ("Die Mumie", "Journey to the Center of the Earth 3D") äußerst unauffällig. Vermutlich sind ihm nur noch Rollen wie die des leichtfertigen Helden in den Mumien Filmen zugange. Oscarpreisträgerin Helen Mirren ("Das Vermächtnis des geheimen Buches", "Die Queen") verfällt ihrer extremen Spielfreude und wirkt dadurch eher peinlich als erhaben.

Einmal mehr versinkt die Verfilmung einer erfolgreichen Buchreihe in der Masse besserer Konkurrenzfilme. Nach wie vor ist klar, dass Peter Jacksons "Herr der Ringe"-Saga wohl noch eine Weile länger unangefochten das Genre anführt und sich weit von der Konkurrenz abhebt.
"Tintenherz" kann sich im Grunde gar nicht behaupten. Zu lückenhaft ist die wenig ereignisreiche Geschichte erzählt, zu unplausibel und unglaubwürdig die Handlung. Das Charakterdesign hängt durch, Spannung oder Dramatik kommt nur selten zum Vorschein, ganz zu schweigen von einer epischen Welt. Bestenfalls die Effekte, ein paar atmosphärische Momente und ein gelungenes Finale retten den Film vor dem Totalausfall.

3 / 10

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