Vom schwarzmagischen Regen in die Science Fiction - Traufe: Sharon, die einzige kompetente der Klischeegestalten aus "Island of the living Dead" hat nach ihrer wundersamen Rettung aus der Schiffbrüchigkeit ihre Reputation bei einer Befragung zu den Geschehnissen ordentlich gegen die Wand gepfeffert. Ein Angebot, der Privatarmee der ominösen Tyler Corporation als Beraterin bei der Untersuchung eines verlassenen Laborkomplexes beizustehen, kommt der seelisch lädierten jungen Dame dabei gerade Recht, zumal der Aufenthalt in einem buddhistischen Kloster keine Besserung in Sachen inneren Frieden brachte und nunmehr der Punkt erreich ist, an dem man gezielte Retraumatisierung schon mal leicht mit Konfrontationstherapie verwechseln kann. Auf der Insel selber hat Sharon zunächst nichts anderes zu tun, als von einem sicheren Panzerwagen aus Anweisungen durch den Funk zu säuseln, bis die Scheiße den Siedepunkt überschreitet und Madame höchstselbst in die zombieverseuchten Flure vorprescht, immer vorwärts in Richtung Karthasis.
Na, wer hat den Beschiss erkannt? Das gehört zu Mattei dazu, aber in vielen Filmen vermengt der Meister des Plagiats zumindest zwei oder mehr Drehbücher zu seinem patentierten Filmgulasch, während hier fast ausschließlich "Aliens" als alleiniger Drehbuchrohstoff herhält. Lediglich eine späte Einstellung erinnert an den herzlichen Alienempfang am Ende von "Xtro" und das (ACHTUNG: SPOILER) im Hintergrund die Fäden ziehende böse Telepathengehirn aus so gut wie jedem zweiten 50er - Sci - Fi - Horrorfilm bricht mit der James Cameron - Originalformel, die ansonsten fast Einstellung für Einstellung eingehalten wird. Im Übrigen in deutlich wertigeren, wenn auch weniger abwechslungsreichen Kulissen als im Vorgänger, aber insgesamt sieht das hier schon eher nach Filmset und weniger nach der Deiters - Resterampe aus. Die Farbenpracht der Insel aus dem Vorgänger mussten dafür auf der Strecke bleiben, aber immerhin zu Gunsten realistischerer Kostüme.
Wenn man sich einer Sache aber durchaus sicher sein kann, dann ist es, dass auch dieser Film den unseligen Schauspielgeist Franco Garufalos in sich trägt, vertreten durch eine Horde nichtssagender Typen, die ihrem Aussehen nach aus der nächsterbärmlichsten Studentenverbindung eines US - Billigheimercolleges gecastet wurden. Die (vorwiegend) Herren und eine obligatorisches Vasqez - Ersatzdame bekommen selten dumme Textzeilen in den Mund gestopft, die sie mit geballtem thespischen Unvermögen den Kamera speien dürfen. Bei einem der Herren war ich mir im Übrigen nicht sicher, ob es sich um einen der beiden Protagonistenbrudies aus "Nightmare Beach" handelte. Wenn ja ist das ein netter Italofanbonus wie der geklaute "Ghosthouse" - Score während einer von Sharons Halluzinationen und einem Stillshot, der wirkt wie aus "Hell of the living Dead" geklaut (der Fabrikkomplex bei der Stürmung des Strandes). Apropos: dieses unterfangen wird musikalisch vom Entrance Theme der Wrestlinglegende Bill Goldberg untermalt. Mich wundert, dass die WWE, der die Rechte am alten WCW - Stoff gehören, Matteis Nachlassverwalter bisher nicht verklagt hat.
Eine knallbunte Abschiedsparty hat Herr Mattei sich hier selbst geschmissen: Zombieföten im "Basket Case" - Belial - Stil, riesige Abtreibungsmaschinen zur Zombierohstoffgewinnung und eierköpfige Reißzahnmutanten, die dem Wahnsinn eines hyperintelligenten Monsterhirnes erliegen! Meine Scheiße, heilige Fresse! Oder so ähnlich... Ich hatte wieder mal mehr Spaß als beabsichtigt an diesem Film. Leider war der verdiente Ruhestand dem kurz vor der Veröffentlichung verstorbene Mattei nicht vergönnt, aber der Abschied kam mit dem erlösenden Knall. Trotz Digitalbildkotze und Rotz - CGI ist das hier ein amüsanter Vertreter später italienischer Exploitationkunst.
Und auch hier: Danke, Bruno! Dein Platz im Olymp des italienischen Kinos mag eine Nische sein, aber dafür eine äußerst gemütliche mit guter Gesellschaft und nahe der Theke. Prost!