Depesche= Telegramm des Todes?
Easternexploitation boomte richtig gut in den 70ern bis späten 80er Jahre und überschwappte regelrecht die deutschen Videotheken. Dabei divergierten die Titel ins Unermessliche, ähnelten sie doch arg. Und so musste man als Videothekarkunde höllisch aufpassen, nicht dieselbe Gurke zu erwischen, oder ein beliebtes Original, das sich vom Titel her ähnelte, aber nur die Schundversion war. Mit dem 1981 entstandenen "Depesche" was übersetzt (eiliges) Telegramm bedeutet, stiess man zwar auf die ewiggleiche Dutzendware aus Fernost, aber im Ganzen doch solide Actionkost ohne Verwechslungsgefahr.
Li Kuen Kong (nicht der Sohn von King Kong), der Neffe des alten Hafenbesitzers Li Tsu Nam, der zu Besuch kommt, wird schon bald in die Angelegenheiten krimineller Machenschaften und Geschäftsgebaren der Verbrechersyndikate Shanghais involviert. Näher, als ihm lieb ist; denn als sein Onkel von den Gangstern getötet wird, da er nicht einwilligt, seinen Hafen für Opiumgeschäfte freizugeben. Kong übt grausame Rache an den Bandenmitgliedern und deren Bossen und übermittelt quasi die Depesche des Todes.
Die plakative Werbesprücheklopferei verdeutlichts mal wieder: Werbung lässt uns die Zunge schnalzen, das erworbene Produkt hält jedoch nicht das Versprochene. Da prangern Sätze wie:"Ein Film, der harte Nerven erfordert", oder "Der härteste aller Kung Fu Filme!" Darauf sollte man sich als Endverbraucher nicht allzu viel einbilden, denn schon am Intro lässt der Aufmerksame erkennen,das hier ordentlich bei "Das Spiel des Todes" abgekupfert wurde. Infolgedessen lässt sich schon erahnen, was plotmässig folgt. Genau das, was in so gefühlt tausenden Chinaklonlingen ablief: Zack, bumm, hau, ooouhhhha....Ohhh yeah, da geht der Reissack auf Grundeis!
Nichtsdestoweniger lieferte Lin Chan Wai bedächtig ab, trotz dünnem Handlungsfaden und kargem Skript (Hongkong Produzenten gaben sich im allgemeinen nie mit anspruchsvollen Drehbüchern ab; im Vordergrund standen eher die ausgeprägten Kampfszenen). Das auch "Depesche des Todes" nicht vom handelsüblichen Mittelmass abhebt, zeigen unverblümt die 08/15 Dialoge, die hier pflegend gefrönt werden und das niedrig gehaltene Schauspielniveau aller Beteiligten, die zum Teil rumkaspern und die passablen Kampfkunstchoreografien zur Schau stellen.
Zum Erstaunen weniger, die sich neu im Easternsektor bewegen, gibt es wieder die gewohnt klischeebehafteten Figuren zu grundsätzlichen Choreofights, die jetzt keinen raushauen, aber erwartungsgemäss unterhalten. Geprägt durch landestypische Kulisse, die immergleichen Fratzen und einer unaufhörlichen Abfolge von Angriffsszenen, reiht sich auch dieses harte Spektakel in die ewig lange Ruhmeshalle chinesischer Stangenware. Und wie es in allen kostengünstigen Hongkong-Exports nicht zu vermeiden ist, bleibt der Handlungsfaden oft durch unglücklich abrupt hineingewetzte Kampfszenen oft auf der Wiese liegen. Es geht nix über unvermittelt einsetzende Actionszenen am laufenden Band auf Kosten der Logik. Aber dadurch, das dies Filmchen schnurstracksgerade von Dannen läuft, dürfte es nicht imho stören. Und so kann man dieses Stück Chinafilmgeschichte vollends genüsslich über sich ergehen lassen.
Nicht überschwänglich brutal, wie uns die Slogans prophezeien, aber Gewalt als solche,wird hier gut und gerne glorifiziert. Optisch ganz ansprechend, wenn auch sinnbildlich für seine Zeit und stellenweise mit leicht erhöhten Spanungsfrequenzen. Leider auch zu hektisch-lakonisch geschnitten, was einen ganz schön kirre machen kann. Trotzdem gewohnt härtere Hausmannskost auf Frühlingsrollenniveau.
Ist die Indizierung gerechtfertigt? FSK:18 würde hier völlig reichen. Bruce Lee Klassiker, die ebenfalls brutal inszeniert wurden, dieselbe Gangart treten, wurden bereits zum grössten Teil auf das blaue Siegel umgemünzt! Teilweise blutig und recht grob, aber Indizierung könnte gut und gern aufgehoben werden!