Bei der OVA Black Magic M-66 handelt es sich um die erste Anime-Umsetzung eines Manga von Masamune Shirow, der im Westen insbesondere wegen seines Ghost in the Shell zu Bekanntheit gekommen ist. Dabei hatte er hierzu nur den Manga verfasst, während der Kinofilm unter Mamoru Oshii entstanden ist.
Auch wenn er inzwischen unter anderem seinen großen Hit Appleseed gezeichnet hatte, ist es nur konsequent die Shirow-Animes mit dem Manga zu beginnen, mit dem der damalige Kunststudent mit dem richtigen Namen Masanori Ôta im Februar 1983 über das Fanzine Atlas seine Karriere als Mangaka begründet hatte. Mit dem ursprünglichen Werk hat die Black Magic M-66 Adaption allerdings kaum noch etwas gemein.
Bei einem Absturz werden zwei Kampfroboter des Typs M-66 unkontrolliert freigesetzt. Das Militär ist in Alarmbereitschaft. Die burschikose Reporterin Sybel schnappt eine Funkmitteilung auf, die sie zur Unfallstelle fahren lässt. Es stellt sich heraus, daß Dr. Slade ein Programm in die M-66 Einheiten eingespielt hat, welches einen Jagdbefehl simuliert. Aus diesem Grunde haben sich die Kampfroboter nicht nach ihren Direktiven in den Erdboden eingegraben, sondern bedrohen nun das Leben der Teenagerin Feris, die Enkelin des M-66 Designers Professor Matthews.
Obschon man dem nur 48-minütigen Black Magic M-66 seine knappe Spielzeit anmerkt, so zeichnet sich doch auch hier das in Masamune Shirows Hauptwerken präsente Element der unkontrollierbaren Technik ab. Wenn die Protagonistin Sybel mit einer Duschszene vorgestellt wird oder Flugzeuge aus einer bestimmten Perspektive wie ein fast erigierter Penis aussehen, so mag es sich um Stillistiken handeln, die sich der Zeichner aus seinen erotischen Artworks (siehe z.B. Intron Depot) beibehalten hat.
Da sich Black Magic M-66 nun allerdings nur um die Bedrohung durch die Kampfroboter dreht, kann man sich den Verlauf am ehesten artverwandt mit Terminator vorstellen. Zwar wird die erste M-66 Einheit relativ früh ausgeschaltet, doch wird hierbei die Ernsthaftigkeit der Situation verdeutlicht, in der zahlreiche Soldaten ihr Leben lassen müssen. Die Androiden sind nämlich so programmiert, daß sie nicht unbeschadet in Feindeshand gelangen können. Da sie sich nun im Einsatz befinden, zerstört sich der eingekreiste Roboter von selbst und sorgt durch eine Vielzahl von Schrapnells und einen Gasaustritt für eine Woge der Verwüstung.
Der zweite Kampfroboter hingegen hetzt Feris, der er dank eines Anrufbeantworters in die Stadt folgt. Klingt nach Zerstörung? Die gibt es am Ende von Black Magic M-66 auch. Sybel versucht Feris zu beschützen und so werden die beiden durch die Kampfhandlungen zwischen Militär und M-66 ordentlich durchgeschüttelt. Wirklich spannend wird es, als sich die beiden Mädels mit dem Kampfroboter in einem Fahrstuhl befinden und nur eine Art Spule, die den M-66 kurzzeitig ablenken kann, für den lebenswichtigen Abstand in der klaustrophobischen Szene sorgt.
Abgesehen von den beinharten Masamune Shirow Fans wird die Zielgruppe für die durchaus einigermaßen gelungene OVA Black Magic M-66 sicher nicht größer. Das liegt zum einen daran, daß die 80er dank der durch den Terminator geschürten Nachfrage nach Killer-Androiden ein wesentlich fruchtbarerer Grund für einen Roboter waren, der in Erfüllung seiner Pflicht trotz aller Angriffe immer und immer wieder aufsteht. Sicher gab es auch seinerzeit schon größer angelegte Science-Fiction Spektakel im Anime-Bereich, jedoch war die Konkurrenz für Black Magic M-66 auf dem westlichen Markt deutlich weniger ausgeprägt, als Manga Entertainment 1995 das diesem Review zu Grunde liegende US-Tape veröffentlichten.
Tatsächlich war die englische Synchronisation durch Animaze hierbei sogar überraschend gut, was angesichts der kultig-trashigen Synchro für die 1988er Appleseed OVA nicht selbstverständlich ist.
Während Black Magic M-66 es nie nach Deutschland geschafft hat, gab es im neuen Jahrtausend eine RC-1 DVD von Manga Entertainment, die ebenfalls den englischen Dub enthält. Zwar erschien in England eine DVD von Revelation Films, die sogar als Double Feature die knuffige Plastic Little OVA an Bord hat, jedoch ist diese Scheibe kaum einer VHS würdig, worüber der japanische Originalton mit fest eingebrannten Untertiteln nicht hinwegtäuscht. Hoffnung gibt hingegen das junge US-Label Maiden Japan, das mit Fernsehserien wie Vampire Princess Miyu, Patlabor und New Dominion Tank Police ein paar echt scharfe Titel für westliche Animefans der frühen Stunde im Programm hat. Im Sommer 2013 erschien bei Maiden Japan nun eine Black Magic M-66 DVD, die zwar noch weniger Bonus enthält als die vorherige US-Scheibe, aber dafür statt des Dubs nun die japanische Originalsynchronisation mit englischen Untertiteln enthält.
Obwohl ich selber ausgesprochener Fan von 80er Cyborg-Action bin, stelle ich mir dennoch die Frage, ob ich Black Magic M-66 noch einmal im Original sehen muß, denn die hektisch aufgebaute OVA ist eben trotz einiger echt toller Szenen erzählerisch nicht unbedingt mit vielen Kniffen gesegnet. Im Vergleich zum Manga etwa wird nicht einmal erwähnt, ob die Geschichte auch auf dem vorzeitlichen Planeten Venus spielt, oder einfach auf einer futuristischen Erde abläuft. Etwas mehr von dem generischen, jedoch fetzigen 80er J-Pop aus den Endcredits (das von Masamichi Amano arrangierte und von Yûki Kitahara gesungene “Finally“) hätte ebenfalls helfen können. Wer Bubblegum Crisis kennt, weiß, worauf ich hinaus will.
Auch wenn die Animationen aus dem Studio AIC, die so manchen Klassiker bearbeitet haben und im Westen vor allem durch Inspector Gadget bekannt sein dürften, spätestens mit heutigen Augen relativ grobschlächtig ausfallen, so bildet Black Magic M-66 doch vor allem die ersten Gehversuche des damals noch als Lehrer arbeitenden Masamune Shirow im Anime-Business ab, der sich den Regiestuhl mit Hiroyuki Kitakubo (Blood: The Last Vampire, Golden Boy, Roujin Z) teilte und sowohl Storyboard als auch Drehbuch beisteuerte.
Man macht sicher nichts falsch mit dieser OVA, welche die einzige Regiearbeit Masamune Shirows geblieben ist, sollte sich aber der Umstände bewusst sein und nicht etwas mit Ghost in the Shell vergleichbares erwarten, mit dem man den Mangaka bei uns zumeist assoziiert.