Snuff scheint in Argentinien ein Thema zu sein, denn bereits 1976 entstand „Big Snuff“, der seinerzeit riesige Diskussionen auslöste, weil man aus promotionstechnischen Gründen behauptete, echte Morde gefilmt zu haben. Mit vorliegendem Werk geht Regisseur Mariano Peralta jedoch einen entscheidenden Schritt weiter, denn phasenweise ist der Stoff nur schwer zu ertragen.
Eine Studentin versucht herauszufinden, was es mit einigen Snuff-Videos auf sich hat und gerät bald selbst in die Fänge eines skrupellosen Peinigers…
Offenbar geht es in diesem Bereich nicht ohne Tiertötungen, worauf auch hier leider nicht verzichtet wird, obgleich jene Szenen rein gar nichts mit dem eigentlichen Kern der Handlung zu tun haben. Über die Studentin erfahren wir nichts, sie bleibt so anonym wie die weiblichen Opfer im Keller des Sadisten, über dessen Beweggründe ebenfalls nichts zu erfahren ist. Anfangs gestaltet sich die Chose eher als fragmentartige Aneinanderreihung brutaler Momentaufnahmen, bis erstmal deutlich wird, wer die Studentin ist und bei wem sie sich über Themen wie Gewalt, Moral und filmische Freiheiten informiert, um mit ihrem Projekt voran zu kommen.
Die Hauptszenerie spielt sich in einem karg eingerichteten Keller ab, in dem der Vermummte mit allerlei Hilfsmitteln drastisch zu Werke geht, während die anderen fixierten Opfer hilflose Zeuginnen werden. Neben heraus getrennten Augapfel und nacheinander abgetrennten Fingern gibt es Faustschläge, eine Vergewaltigung, eine unsanfte Zahnbehandlung und ein besonders perfides Spiel mit einer Schwangeren.
Durch starke visuelle Verfremdungen, harte Schnitte und dunkle Winkel sind zwar keine glasklaren Szenen auszumachen, doch das Material langt aus, um sensiblen Zuschauern schlaflose Nächte zu bereiten.
Leider werden die Aspekte von Gewalt, Moral und vermeintlichem Sittenverfall nur vage thematisiert und angerissen. Nur in Ansätzen spricht der interviewte Medienexperte Hintergründe von Tabubrüchen an und die Wahrscheinlichkeit, ob Snuff wirklich existiert und vertrieben wird, oder ob es sich lediglich um einen Untergrund-Mythos handelt.
Somit bleibt der Stoff mehr oder minder unreflektiert im Raum stehen und obgleich dem Treiben eine Wendung auf den Weg gegeben wird, kommt nur selten Spannung auf, zumal die Machtverhältnisse unumstößlich festgelegt sind.
Insofern ist „Snuff 102“ nur ein weiterer provokanter Vertreter, der mit brutalen und kompromisslosen Einlagen Tabus zu brechen versucht, im Endeffekt allerdings kaum nachdenklich stimmt.
5 von 10