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Kurt Russell macht sich ja erfreulich rar in Hollywood, aber wenn er denn mal dreht, ist nicht selten denkwürdiges Material dabei.
Auf der erfreulichen Seite der Denkwürdigkeit ist auch "Einsame Entscheidung" einzuordnen, der das Prädikat Actionfilm allerdings nur bedingt verdient. Vielmehr wird hier über weite Strecken ein intensiver Geiselnahmethriller geboten, während sich ein Spezialteam auf kompliziertem Weg in ein bereits fliegendes Flugzeug schmuggelt und den Gegenschlag plant, ehe eine Nervengasbombe auf US-Territorium zündet.

Im Zuge des 11.September kann man sich bei diesem Film durchaus so seine Gedanken machen, denn wenn ein Film Ideen geliefert haben könnte, warum nicht dieser? Entführtes Flugzeug, geheimer Plan, Selbstmordkommando aus dem Nahen Osten; ja, das kommt uns bekannt vor. Nur eben, daß hier die Guten siegen, wenn auch mit Verlusten.

Als spannende Unterhaltung funktioniert der Film jedoch bestens, denn anstelle von Dauergeballer setzt er mehr auf das Melken einer brisanten Situation bis zum letzten Tropfen und das mit allen Zutaten, die so dazugehören.
Als da wären: reichlich Rückschläge für das Rettungsteam, vom umgekommenen Leader (Steven Seagal verabschiedet sich schon nach einer knappen Dreiviertelstunde mit einer Großtat.) bis zum schwerstverletzten Bombenspezialisten. Natürlich gerät unser Held, der Taktiker mit einem anderen Zivilisten (Wissenschaftler) ebenfalls an Bord der Mühle und da ist die Kacke bald am Dampfen, denn der Selbstmordplan ist natürlich nicht allen bekannt, an Bord sitzt ein Sleeper mit Zünder, ein US-Marshall hat geheimerweise noch eine Wumme im Schuh und draußen kreisen schon die raketenbewehrten Abfangjäger.

Wenn man dem Film einen Vorwurf machen will, daß er mit dem Herauszögern ein wenig über das Ziel hinausschießt, immer neue Hindernisse auslegt und damit den Terroristenführer (ein superber David Suchet) einiges von seiner Wirkungskraft nimmt. Stets dauert es bis zur letzten Sekunde, ehe die Rettung naht und als der Sturm dann losbricht, übertreibt es das Skript, reißt das Flugzeug halb auf, gerät die Jagd auf den Sleeper zu einer unglaubwürdigen Einzelaktion, die Bombenentschärfung zu einer halben Lächerlichkeit und als finaler Zuckerguß muß unser Sportpilot den Brummer auch noch im Alleingang landen und bewerkstelligt das auf seinem Privatflugplatz.
Mit solchen Über-Eskapaden, die vielleicht "Die Hard"-Fans begeistern werden, beraubt der Streifen sich jedoch einer gewissen Thriller-Realitätsnähe und wird zum Jerry-Bruckheimer-Lookalike, was gar nicht nötig wäre, da das Team gut genug spielt, vor allem Russell und Halle Berry, die hier die mutige Saftschubse mimt.

Bis kurz vor Schluß kann der Film aber richtiggehend Angst machen, ehe es der große Rabatz wieder zum puren Filmoverdrive macht. Als spannender Beitrag zu beiden Genres Action und Thriller eine ungewöhnliche Alternative (7/10)

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