Ja, ich gebe es zu, ich bin Steven Seagal Fan und bin im Jahr 1996 nur wegen ihm in diesen Film ins Kino gegangen. Man kann sich also meine Enttäuschung vorstellen als der gute Steven nach der Hälfte der Filmdauer den Löffel abgibt (auch wenn es äußert Heldenmütig passiert). Trotzdem war ich wohl so enttäuscht das ich den Film seither nicht mehr angesehen habe, bis er mir neulich in der Videothek förmlich ins Gesicht gesprungen ist. Und siehe da, der Film entpuppt sich als ein exzellenter Thriller der von der ersten Minute an die Spannung auf einem konstant hohen Level halten kann und dank einer klaustrophobischen Location, guter Darsteller und dem gekonnten und gezielten Einsatz von Action ein absolutes Highlight des Genres darstellt.
Die Story ist dabei heute aktueller als je zuvor und die Autoren wären wohl recht ungläubig gewesen, hätte man ihnen 1996 erzählt wie nahe an der Realität der Film zu Beginn des 2. Jahrtausends seien würde. Doch zu Beginn gibt es erst einmal eine großartige Actionszene, die Steven Seagal als Anführer einer Special Forces Truppe zeigt, die in bester Counterstrike Manier ein Haus entert und dort auf der Suche nach einem gefährlichen Giftgas ist.
Das befindet sich, aber neben einer Gruppe Terroristen bereits in einem Linienflugzeug auf dem Weg in die USA, wo mit dem Gift die gesamte Ostküste ausgerottet werden soll. Dank einer neu entwickelten Technik gelingt es dem Militär eine Gruppe Soldaten an Bord des bereits über dem Atlantik fliegenden Jumbos zu bringen. Mit bei der Gruppe auch ein Computerexperte und der Held des Films, David Grant, der als Terrorexperte mit an Bord ist, nach dem Tod es Anführers der Truppe, aber mehr und mehr in die Rolle des Leaders wächst und letztlich nicht nur die Ostküste sondern auch die Menschen an Bord rettet.
Bis es aber soweit ist präsentiert Regisseur Stuart Baird Spannungskino vom Feinsten. Dazu braucht er keine Actionszenen, es reicht die packende Story und die Ausweglosigkeit und der Zeitdruck unter dem die Soldaten stehen. Man fiebert von der ersten Minute an mit, die Story packt einen wirklichperfekt und hält ihr hohes Spannungsniveau über die gesamten 2 Stunden absolut konstant. Immer wieder gibt es Wendungen und Unwegbarkeiten, die die Arbeit des Teams erschweren, sei es ein Schläfer unter den Passagieren oder eine mehrfach gesicherte Zündvorrichtung an der Giftgasbombe. Alles wirkt keineswegs überzogen oder übertrieben sondern bewegt sich stets auf einem relativ realistischem Level. Erst am Ende, wenn Hobbypilot Grat mal eben mit Hilfe von Halle Berry, die hier als Stewardess dabei ist, den Jumbo landet verliert der Film etwas von seiner Atmosphäre. Bis dahin aber ist das hier sicherlich ganz großes Kino und zählt zum spannendsten was im Bereich des Flugzeugentführungsfilms in den 90ern gedreht wurde.
Die Darsteller tragen einen großen Teil dazu bei, das man sich hier bestens unterhalten fühlt und auch noch gehörig mitfiebert. Steven Seagal spielt den Anführer der Eingreiftruppe überzeugend und kann insbesondere in der Actionsequenz am Anfang voll überzeugen. Sein Abgang schmerzt mich als Fan natürlich auch heute noch, aber was soll es, es bringt die Story voran. ;-)
Kurt Russel spielt hier erfreulicherweise einmal nicht den Helden vom Dienst sondern muss sich mehr oder weniger als Bürohengst in einer Extremsituation beweisen. Erfreulich das er sich auch für solche Rollen begeistern konnte, und das er sie überzeugend spielen kann, zeigt er hier eindrucksvoll.
Neben der schon erwähnten Halle Berry, sind es insbesondere Olivier Platt und David Suchet die dem Film ihren Stempel aufdrücken. Suchet als Anführer der Terroristen, der sowohl bedrohlich als auch den latent wahnsinnig daher kommt und die Rolle des Terroristen Klischeefrei und sehr eigenständig anlegt. Oliver Platt überzeugt als Computerexperte der mehr oder weniger unfreiwillig dazu verdonnert wird die Bombe außer Gefecht zu setzen.
Der Film spielt zu gut 3/4 in der Enge des Jumbojets und bezieht hieraus auch einen nicht unbedeutenden Anteil seiner Spannung und Atmosphäre. Braid fängt die Enge und Ausweglosigkeit der Soldaten in packende Bilder und kann auch hin und wieder mit einer außergewöhnlichen Kameraeinstellung überraschen. Ansonsten ist das alles sehr routiniert gedreht und lässt keine Wünsche offen. Die Effekte der Flugzeuge, die zum Großteil Modelle sind, wirkt zwar inzwischen etwas angestaubt aber wer will dem Film das ernsthaft ankreiden.
"einsame Entscheidung" ist einer der Filme die selten genannt werde, wenn es um erstklassige Thriller aus den 90ern geht und das völlig zu unrecht. Bietet er doch alles was ein Thriller benötigt und kann zu dem noch mit einer bestens aufgelegten Besetzung aufwarten. Einzig der etwas aufgesetzt und übertrieben wirkende Schluss schmälert das Gesamtergebnis etwas. Trotzdem sollte man als Genrefan durchaus mehr als nur einen Blick riskieren, auch wenn der geneigte Steven Seagal Fan nicht mit einer 2 stündigen Performance seines Lieblings- "Schauspielers" belohnt wird. 7von 10 Punkten.