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Es handelt sich hier um das dritte Gemeinschaftswerk von Regisseur Jim Sheridan und seinem Hauptdarsteller Daniel Day-Lewis und natürlich steht wieder Irland im Mittelpunkt, ähnlich wie in "Im Namen des Vaters" besonders der IRA-Konflikt.

Dabei greift Sheridan wieder zu dem Mittel ein schwieriges Thema an Hand einer kleinen privaten Geschichte zu verdeutlichen und schafft damit den Spagat zwischen einem nahezu dokumentarischen Abbild des Lebens in Belfast und einer romantischen Liebesgeschichte.

Im Mittelpunkt stehen dabei Danny Flynn (Daniel Day-Lewis) und Maggie (Emily Watson), die beide aus dem katholischen Teil Belfasts stammen.

Als Flynn vor 14 Jahren ins Gefängnis kam war er ein junger, talentierter Boxer und hatte eine Beziehung zu Maggie, der Tochter eines führenden IRA-Mitgliedes. Danny gehörte damals zur IRA und kam deshalb 14 Jahre ins Gefängnis. Als er jetzt entlassen wird ist er völlig isoliert, denn er hat während seiner Haft mit der IRA gebrochen.

Danny Flynn hätte damals als herausragender Boxer in seiner Heimat ein Idol sein können. Dadurch das er jetzt nicht mehr mit der IRA paktiert ,ist er - obwohl eine Belfaster Katholik - für die Einheimischen ein Feind. Es dauert natürlich nicht lange bis er Maggie wieder begegnet, die inzwischen mit einem - im Gefängnis befindlichen - IRA-Mitglied verheiratet ist und von diesem ein Kind hat. Es wird schnell deutlich, daß sich ihre Gefühle füreinander nicht geändert haben und sie nähern sich wieder an. Parallel beginnt Danny Flynn wieder zu boxen und hat auch bald wieder erste Kämpfe, außerdem baut er für die Jugendlichen ein Trainingszentrum auf, in dem beide Konfessionen Mitglied sein dürfen....

Sheridan gelingt es den Belfaster Alltag sehr genau zu beschreiben : da sind die heruntergekommenen Gebäude, die vielen Schutzwälle und Mauern, überall sind Personen, die die Gegend überwachen. Aber das Geniale an der Story ist, sie nur unter Katholiken spielen zu lassen. Die Protestanten - der eigentliche Feind - und natürlich die englischen Polizisten kommen nur am Rand vor.

Die Belfaster Katholiken leiden inzwischen selber unter den durch die IRA erzeugten Lebensverhältnissen. Sie lassen sich selbst keine Räume mehr - weder intakte Stadträume, noch Räume zur Freizeitgestaltung und schon gar nicht Räume zum Leben und Lieben. Alles ist den Anforderungen der IRA untergeordnet und wird streng von dieser überwacht. Und Jeder ,der sich nicht an diese Regeln hält , gerät in Lebensgefahr. Die IRA ist hier weder eine romantisch verklärte Revoluzzer-Truppe, noch eine Horde von Profikillern als die sie ja gerne in diversen Thrillern eingesetzt wird. Im Gegenteil, es handelt sich eher um Durchschnittstypen, die an ihre eigene Machterhaltung denken oder von verletztem Stolz geleitet werden.

Dabei gelingt es Sheridan einen durchgehend unterhaltenden Film zu machen, der auf Grund der ständigen Bedrohung durch die IRA auch äußerst spannend ist. Das ist vor allem dem glaubwürdigen Spiel Daniel Day-Lewis' und Emily Watson's zu verdanken, zwischen denen sich eine sehr schöne Liebesgeschichte entwickelt.

Aus diesem Gegensatz - auf der einen Seite die Liebe zwischen Danny und Maggie, auf der anderen Seite das Mißtrauen und die brutale Konsequenz der IRA-Mitglieder - entsteht eine Mischung, die sehr überzeugend ein auch emotional nach zu empfindendes Bild der Belfaster Lebensverhältnisse vermittelt.

Ich kann den Film nur sehr empfehlen, möchte aber kurz auf das Ende eingehen ohne Details zu verraten. Wenn man die gesamte Geschichte Revue passieren läßt und eben auch den realistischen Hintergrund betrachtet, der ja nicht schön zu deuten ist, kann das Ende nur eine Konsequenz haben....Sheridan hält sich nicht daran und beweist damit aus der heutigen Sicht einen gewissen Weitblick - für mich ist dieses Ende - wie realistisch man es auch empfinden mag - einfach notwendig (9/10).

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