Tausende von notorischen Singles liegen seufzend auf ihren Sofas und unter den Bettdecken, heiratswillige Frauen kriegen leuchtende Augen und der weibliche Part romantisch gefärbter Eheleute erinnern sich mit Wohlbehagen - irgendwas muß ja dran sein an diesen wohlfeilen Romantikkomödien rund um die wahre Liebe und den wichtigsten Tag im Leben, daß das vornehmlich feminin gefärbte Publikum immer wieder auf dem Zahnfleisch geht (Männern geht es bei Action- und Horrorfilmen ja nicht selten anders!).
Doch die schönste, grundsolide Liebesphantasiestory muß auch ein bißchen Witz und Esprit mit sich führen, damit man eine ausgewogene Breitenwirkung spürt - so kann der Erfolg von "27 Dresses" wohl nur auf die Popularität der TV-Blondine Katherine Heigl zurückgeführt werden, die durch die Serie "Grey's Anatomy" zum Star geworden war.
Hier in ihrer ersten Starrolle eingesetzt (nicht geteilter Ruhm wie bei "Beim ersten Mal"), durfte sie endlich ganz oben auf dem Plakat allein glänzen und der Schotter klingelte zahlreich in des Produzenten Kasse - wobei man sich rückblickend fragen darf, warum.
Vielleicht ist es das Universelle dieser Geschichte, denn an sich hat es die Geschichte und all ihre Versatzstücke nicht nur schon oft genug gegeben (was ja nicht schlimm ist), sondern auch noch wesentlich besser und spritziger. Letzteres kann man von Anne Fletchers Film leider gar nicht behaupten, wohl aber, daß "mehr" nicht immer gleich "besser" ist.
Das Skript strotzt nur so von Zutaten aus den verschiedensten Richtungen, die hier munter gebündelt werden, hauptsächlich die mißverstandene und unerfüllte Liebe einer Frau bei gleichzeitigem Übersehen des Richtigen, gepaart mit dem Subgenre des Hochzeitsfilms, der meistens schon durch die Tatsache, eine Reihe von Kostümen, Ausstattungen, Feierlichkeiten und Acessoires zu zeigen, seine Existenzgrundlage beim weiblichen Publikum genießt.
Alles ist also drin: Jane (Heigl) ist Hochzeitsplanerin und 27fache Brautjungfer und damit recht zufrieden, schwärmt aber von einer nicht in Aussicht stehenden eigenen Hochzeit. Verschossen in ihren netten, aber unempfänglichen Chef, faßt sie sich just ein Herz, als ihre weniger talentierte, oberflächliche und hübschere Schwester auftaucht und den Angebeteten unter Vorspiegelung einiger falscher Tatsachen zum Altar führen will, bei dem Jane sie natürlich tatkräftig unterstützen soll/muß. Und dann natürlich "the real one", ein knuddeliger Hochzeitszyniker, der nebenbei auch noch der talentierteste Zeitungsschreiberling für das Brautboulevard in der Tageszeitung ist und die Bekanntschaft mit Jane für seinen Absprung zu grüneren Auen nutzen will.
Wer mit diesen Zutaten nicht schon von A bis Z weiß, wie der Film ablaufen und enden wird, muß wirklich selten Filme sehen, denn es kommt genau so, wie man es erwartet - und zwar ohne ein klein bißchen Abweichung oder Originalität.
Heigls defensive Schmachterei für ihren halb lebensuntüchtigen Chef führt dazu, daß sie mit zunehmenden Magenschmerzen der vorgetäuschten Bestimmung ihrer Schwester zuarbeitet. Ergo hat sie wenig mehr zu tun, als vier Fünftel des Films mit halb enttäuschter, halb entsetzter Miene dem Treiben zuzuschauen, während sie ihren passenden Galan übersieht. Der wird sowohl mit ihr als auch sie mit ihm warm, bis dann der Artikel über sie erscheint und irgendwann einmal der Kragen platzt, was die Hochzeit angeht.
"27 Dresses" ist somit wenig mehr als ein Versandhauskatalog der Hochzeitsindustrie, eingekleidet in eine belanglose RomCom mit wenig interessanten Figuren (alle mehr als abgenutzt) und ohne das kleinste Perlen von Champagner. Die Figuren sind nett, die Träumerei einem Dreitaschentücherabend angemessen, einige milde Jokes sind eingestreut und der Biss ist auf halben Weg komplett flöten gegangen. Sogar der Höhepunkt, auf dem Jane zur Gegenattacke schreitet, wirkt irgendwie soft abgerundet, bloß nicht zu fies und zu gemein, ein Groschenroman ist da aufregender. Der interessanteste Einfall des ganzen Films (vielleicht der einzige) ist dann übrigens eine Verlobungsparty im Gothicmilieu, die einen netten Background für die ganzen Entwicklungen bietet.
Falls man sich und seiner empfindlichen Seele oder Gefühlslandschaft also wirklich mal keinen echten Arg antun will und sich wegen kleinster Konflikte übermäßig emotional engagieren, ist dies der richtige Film, der seinen Star jedoch auf die falsche kreative Spur geführt hat: den der weichgespülten Hauptrolle in einer Reihe austauschbarer, harmloser Comedys fürs Herz, die sich durch das immer gleiche Gesicht irgendwann auch einmal totlaufen, weil sie eigentlich belanglos sind und irgendwann ein neues Gesicht her muß - schließlich tritt Miss Heigl hiermit ja selbst die Nachfolge von Jennifer Aniston an, die sich aus diesem Rollentypus nie richtig befreien konnte.
Also: Pralinen und Prosecco rein, Anspruch und tieferes Niveau raus und man hat einen fulminanten Abend zum Mitschmachten, hauptsache man kriegt das Übliche geliefert. Alle übrigen finden aber in der Filmgeschichte sicher etwas Romantisches, was weniger seicht, etwas überraschender und durch Witz und Tempo deutlich unterhaltsamer ist und nachhaltiger wirkt.
Ein braver Film, aber leider langweilig. (4/10)