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Jessica Alba ist ein Augenschmaus – Grund genug für amerikanische Produzenten trotz sinkender Boxoffice-Zahlen immer noch asiatische Horror-Erfolge der letzten Jahre durch die Remake-Mühle zu jagen.
Natürlich will aber auch diese junge Dame nicht immer nur auf ihr Äußeres reduziert werden und deswegen ist sogar die obligatorische Duschszene im US-Remake auch ungewöhnlich wenig zeigefreudig geraten.

Alba will es dramatisch und schauspielerisch gelungen und deswegen stürzt sie sich ordentlich in die Rolle der blinden Konzertviolonistin, die nach einer Hornhauttransplantation etwas mehr sehen kann, als sie eigentlich wollte. Die Pang Brothers hatten damit 2002 einen veritablen Hit gelandet (auch wenn der Ruf des Films größer ist, als das fertige Ergebnis) und nun durften sich die Macher von „Them“, David Moreau und Xavier Palud, an dem Stoff versuchen – aber nicht immer sind zwei Regisseure besser als einer.

Besonders viel verändert hat man an der Asia-Vorlage nichts, der Grundplot ist derselbe geblieben, allerdings hat man die Einführung im Krankenhaus behutsam verkürzt und stattdessen mehr Wert auf das Leben mit funktionierenden Augen gelegt. Ergo folgt hier bald auf Geistererscheinung stets die Kontraposition durch den beratenden Augentrainer (dargestellt von einem spröden Alessandro Nivola), der sozusagen den zweifelnden Scully zu Albas Mulder gibt.

Offenbar galt die Devise, Alba immer schön ins rechte Licht zu rücken und so ist sie dann auch ständig im Fokus der Kamera – so etwas nötigt den Filmemachern natürlich ab, stets auf Aktion zu setzen. Folglich brennen die Franzosen ein Feuerwerk an Geisterspuk in ununterbrochener Folge ab, gemäß des Drehbuchs des wahrlich nicht sonderlich begabten David Gutierrez („Rise“, „Gothika“), doch bedeutet „mehr“ natürlich im seltensten Fall auch immer „besser“.

Tatsächlich erscheint das, was Alba zustößt, im Gegensatz zum Original nämlich schon nach dem ersten Auftreten mehr als offensichtlich, der Zuschauer ahnt schon recht früh, daß ihr allein weniger Gefahr droht, stattdessen sie eher eine Aufgabe zu erfüllen hat, die Parallelen zu „The Sixth Sense“ aufweist.
Das Skript rudert natürlich über eine Stunde fleißig vor und zurück, während das Publikum schon im Chor fordert, der Hornhautherkunft auf die Spur zu kommen.

An den Effekten ist dabei wenig zu mäkeln, aber das Dauerfeuer an Spukgestalten und die dröhnende Horrormusik lassen Atmosphäre eigentlich eher selten aufkommen und das wenig nuancierte Schauspieltalent Albas ist auch nicht eben dazu angetan, sich um das Schicksal der Protagonistin zu ängstigen. Dabei hat das Original durchaus so seine Momente, die aber viel unaufdringlicher und daher wirksamer gesetzt werden – die beabsichtigte Wirkung wird hier einfach laut herausgebrüllt, um dann aber das Offensichtliche gleich wieder zu ignorieren.

Auch am Ende wurde der Grünstift angesetzt, das Erlöserende des Originals wurde durch eine halbwegs ordentliche, wenn auch wieder weithin erwartbare Wendung ersetzt, doch da der Showdown eh wieder Hand in Hand mit Filmen wie „Final Destination“ und „Mothman Chronicles“ durch die Lande wandelt, sollte der Genrefan sich die Aufregung eigentlich sparen.

Ergo ein eher falsch besetzter, nicht unsolider, aber aufgrund der Versatzstücke, unnötiger US-Horror-Neubelag, den man besser gleich als DVD-Premiere eingelagert hätte, wenn der große Name nicht einige Startmilliönchen versprochen hätte. 31 sind es allein in den Staaten geworden, insofern können dort alle zufrieden sein, hier wird der Name jedoch nicht so viele treue Seelen anlocken lassen. Und Mrs.Alba wünscht man sich nicht mehr Einsatz an breitester Front, sondern einfach mehr Feinarbeit in der figürlichen Detailzeichnung. Ein besseres Drehbuch könnte da natürlich auch helfen. (5/10)

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