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Jessica Alba spielt eine Violinistin, die seit einem Unfall in ihrer Kindheit blind ist, sich nun jedoch einer Hornhauttransplantation unterzieht, bei der ihr Sehvermögen wiederhergestellt werden soll. Nach der geglückten OP ist sie wieder in der Lage zu sehen, sieht jedoch auch übernatürliche Erscheinungen, tote und sterbende Menschen, weswegen sie nun versucht die Identität der Organspenderin herauszufinden, deren Hornhaut sie erhalten hat.

Dass Hollywoods Horror- und Mystery-Autoren seit "The Sixth Sense" im Grunde nichts Neues mehr eingefallen ist, belegen dutzende Beispiele, kein Wunder also, dass immer mehr Remakes zu japanischen Horrorfilmen den Weg in die Kinos finden. "The Eye" ist ein weiteres Produkt dieses Trends, das das Genre zwar keineswegs neu erfindet, aber durchaus positiv aus der Masse der Japan-Remakes herausstechen kann.

Die Regisseure David Moreau und Xavier Palud, die zuvor mit "Them" bereits einen Genrebeitrag geliefert hatten, bauen von Anfang an eine dichte Atmosphäre auf, die über weite Strecken besteht. Dabei sind vor allem die farblose, sterile Farbgebung, die vielen düsteren Einstellungen, die, tricktechnisch solide inszenierten Geistererscheinungen und die ordentlichen Schauspielerleistungen, sowie die ruhige, aber unheimliche Filmmusik gut gelungen, die die beklemmende Atmosphäre erzeugen. Moreau und Palud nutzen die Atmosphäre durchaus, um ein paar gezielte Schockeffekte einzubringen, die zum Teil ihre Wirkung nicht verfehlen, wobei es mitunter zu viele Schockmomente sind, die eingebracht werden, womit die Machart auf Dauer erste Verschleißerscheinungen zeigt, wobei der Unterhaltungswert unterm Strich auf jeden Fall zufrieden stellend ist, zumal das Erzähltempo hoch genug gehalten ist, dass der Film zu keinem Zeitpunkt in Leerlauf gerät.

Die Grundidee um das zelluläre Gedächtnis und die damit verbundenen Erfahrungen der Organspenderin, die sich wiederum auf die Empfängerin übertragen, ist zunächst einmal sehr gut und im Mittelteil nimmt der Film mit den Geistererscheinungen durchaus an Fahrt auf. Die Versuche, den Charakter der Hauptfigur zu vertiefen, die Versuche näher darauf einzugehen, was es für die Violinistin bedeutet, nicht sehen zu können, bzw. schließlich um den Preis der ständigen Angst ihr Augenlicht wiederzuerlangen sind nicht sonderlich vielschichtig, bauen aber nebenbei ein bisschen Dramatik auf und lassen die Hauptfigur ein wenig mehr Profil gewinnen. Die finale Auflösung ist nicht so ausgeklügelt und überraschend, wie man es von den Perlen des Genres kennt, erzeugt aber noch einmal ein wenig Spannung und beendet den Film, ohne, dass ein fader Nachgeschmack bestehen würde.

Jessica Alba hatte zuletzt mit "Awake" einmal mehr bewiesen, dass sie nicht unbedingt die beste Charakterdarstellerin ist, aber so blass wie zuletzt wirkt sie in "The Eye" nicht. Zunächst einmal hat sie die nötige Sympathie für ihre Rolle und spielt die Angstzustände ihrer Figur durchaus überzeugend, ohne, dass diese gekünstelt oder übertrieben wirken würden. Ansonsten ist ihre Darstellung solide und fehlerfrei und damit durchaus gelungen, auch wenn es ihr dann doch nicht ganz gelingt den Film, in dem sie die zentrale Rolle spielt, im Alleingang zu tragen, wenn über längere Strecken nicht gesprochen wird, da ihre mimischen Möglichkeiten auch hier eher begrenzt bleiben. Noch besser verkauft sich da der überaus charismatische Alessandro Nivola, der seine anfangs relativ suspekte Figur des unfreundlichen aber bemühten Psychologen hervorragend auf die Leinwand bringt und auch der restliche Cast ist ordentlich besetzt.

Fazit:
Echte Innovationen lässt "The Eye" leider vermissen, aber unterhaltsam ist der atmosphärische Mystery-Thriller mit seinem ordentlichen Cast und der guten Grundidee auf alle Fälle und baut temporär immer mal wieder Spannung auf.

69%

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