Review

Benny ist ein Jugendlicher aus gutem Hause. Da beide Elternteile berufstätig sind, muss sich Benny nach der Schule selbst zu beschäftigen wissen, was er dann hauptsächlich mit Gewaltvideos, Splatterfilmen und vorm Computer abhängen tut.
Eines Tages lernt Benny in seiner Stammvideothek ein gleichaltriges Mädchen kennen und lädt sie zu sich nach Hause ein. Daheim angekommen will zwischen den beiden dann aber irgendwie kein anständiges Gespräch entstehen, weswegen das Mädchen auch früh darauf drängt, wieder gehen zu dürfen.
Was soll ich sagen… Benny bringt das Mädchen – aus Übermut? aus Unbeholfenheit? aus Neugier? - mit einer Art Bolzenschussgerät (so ein Teil, mit dem man normal Schweinen den Todesstoß versetzt…) um, macht sauber und versteckt die Leiche dann im Schrank.
Anschließend geht er mit einem Freund, wie verabredet, auf ein Konzert, die Eltern sind das Wochenende über ja schließlich nicht da.
Als diese wieder daheim eintreffen, hat ihr Sohnemann ein Präsent für sie. Benny hatte nämlich während seiner Gewalttat zufällig die Kamera nebenbei laufen…
Nach kurzem Zaudern beschließen die Eltern kurzerhand, da es weder Zeugen, noch Vermisstenanzeige, noch Hinweise, die die Spur zu ihrem Sohn führen, die Leiche verschwinden zu lassen…

BENNY’S VIDEO ist quasi als Frühwerk des Münchners Michael Haneke zu verstehen und dürfte neben FUNNY GAMES und DIE KLAVIERSPIELERIN gewiss zu seinen bekanntesten Werken zählen.
Wie in eben genannten Filmen, geht’s auch hier extrem trist und verstörend zu. Der Tod – eine nebensächliche Begleiterscheinung. Mord – ein emotionslos ausgeführter Akt. Allein die Tatsache, dass ein Jugendlicher – Benny dürfte so um die 14 sein – in die Täterrolle schlüpft, geht ganz schön an die Nieren.
Und zugleich wissen wir, dass derartiger Scheiß gar nicht so fernab der Realität ist. Nein, Kinder oder Teenager, die zu Mördern werden - so etwas gibt’s wirklich (siehe Erfurt).
Die Kälte und Rohheit unseres Protagonisten wird hier klasse mittels des Weglassens jeglicher stimmungsverstärkenden Hintergrundmusik transferiert, was vor allem beim „Schlachtvorgang“, welchen wir als unbeteiligte Dritte aus dem starren, am Geschehen vorbeifokusierenden Blickwinkel der zufällig aufzeichnenden Handycam miterleben dürfen, seine volle Wirkung entfaltet.
Dass unser Mörder ferner ein ganz normaler Mensch - da er den ganzen Tag wahlweise vor der Glotze oder vorm PC abgammelt, kann ich wohl sagen, ein Mensch wie du und ich – zu sein scheint, und da er schlicht und ergreifend weder Reue, noch Einsicht hinsichtlich seines Verhaltens zeigt, lässt den Tritt in die Weichteile noch um einiges deftiger ausfallen und regt darüberhinaus auch heftigst zum Nachgrübeln an.
Dass dem Film und uns ein Happy End verwehrt bleibt, muss ich wohl gar nicht erst erwähnen, einer konkreten Aussage entzieht er sich aber ebenso, wenngleich eine harsche Kritik am System, in welchem Kinder zu kaltherzigen Maschinen großgezogen werden, die weder Werte, noch die Einzigartigkeit des Lebens kennen, ferner vielleicht nicht einmal das eigene Leben als solches registrieren, wer weiß... deutlich herüberklingt.

Fazit:
Wenn ein Streifen schon mit der Schlachtung eines Schweins in Close Up und Zeitlupe anfängt, dann kann er doch eigentlich nur saugut sein, oder!?
Von der Diabolik und dem schlechtem Bauchgefühl her zwar nicht gar so krass wie FUNNY GAMES, aber schon wirklich höllisch starker Tabak.
Gewiss kein Film für jedermann! Filmhasen, denen anspruchsvoll verpackte menschliche Abgründe zusagen, sollten sich den Streifen aber nicht entgehen lassen!

Details
Ähnliche Filme