Der Meister des Independent-Films gibt mit "Gridlock'd" einen weiteren Beweis dafür, dass in ihm wohl einer der besten, jungen Schauspieler steckt, die derzeit über den Erdboden wandern. Die Rede ist von Tim Roth, der schon mit "Die Legende des Ozeanpianisten", "Little Odessa" und "Unter Brüdern" gezeigt hat, zu welch grandiosen, ja fast schon genialen und phänomenalen Leistungen er fähig ist. In Anbetracht, dass es sich bei Roth noch wirklich um einen verhältnismäßig sehr jungen Schauspieler handelt, ist nicht auszudenken, was noch einmal aus diesem Genie wird.
Wie ihr wohl bereits gelesen und bemerkt habt, ich bin ein Riesenfan von Tim Roth, aber das völlig zurecht. Wieder einmal liefert er eine solch sympathische und mitfühlende Leistung, dass es eine wahre Freude ist, ihn beim Schauspielern zuzusehen. In "Gridlock'd" spielt er den drogenabhänhigen, HIV-positiven Stretch, der mit seinem besten Kumpel Spoon, verkörpert von Tupac Shakur, so wirklich alles teilt, was zu teilen ist. Auch Wohnung, Drogen und sogar Frauen. Der Film beginnt kurz vor dem Wechsel ins neue Jahr und die gemeinsame Freundin der Beiden, Cookie ihr Name, erscheint leblos auf dem Bildschirm. Tot ist sie nicht, aber immerhin ins Koma gefallen, da sie, was der Zuschauer zunächst nicht weiß, aber nach und nach in Rückblendungen erzählt wird, zum ersten Mal gekokst und ihr das nicht unbedingt wohl getan hat. Somit bringen die beiden Kumpels das Mädchen ins Krankenhaus. Anschließend und auch aus dem Grund, dass Cookie wegen der Drogen im Koma liegt, schließen Stretch und Spoon das Abkommen, ab dem neuen Jahr clean zu sein. Das entpuppt sich aber als schwerer als gedacht.
Wer meint, es mit "Gridlock'd" mit einer Drogenkomödie zu tun zu haben, liegt hier völlig falsch. Der Film wartet zwar mit der ein oder anderen lustigen Szene auf, ist aber nicht unbedingt in das Genre der Komödie einzuordnen, da das Ganze teilweise auch tragische Züge annimmt. Es wird einfach das normale und wahre Leben ohne irgendwelche Klischees und ohne Kitsch wiedergegeben. Mal haben die beiden unzertrennlichen Kumpels Pech ohne Ende, ein paar Sekunden später werden sie aber geradezu vom Glück verfolgt. Das Alles scheint, zugegeben, auch ein wenig extrem zu sein, also genau so im Leben wird sich das Erlebnis der Beiden wohl nie abspielen, aber das ist ja allgemein im Independent-Genre bekannt, das die eigentliche Aussage des Films gern in Extremen darstellt, das beste Beispiel dafür ist wohl das kleine Meisterwerk "Bobby G.". Alles ist teilweise auch ein wenig naiv, aber stets in der Nähe der Realität, wenn nicht sogar verdammt nachvollziehbar.
Ihr seht und lest, ich bin wieder einma total begeistert von einem Film, der hauptsächlich von der ehrlichen Story und den teils fast schon routinierten (Tim Roth), teils aber auch überraschend (Tupac Shakur) guten Schauspielerleistungen getragen wird. Nicht der Aspekt, dass Drogen im Mittelpunkt stehen, macht den Film so unterhaltsam, sondern einfach die schonungslose Aufdeckung des wahren Lebens. Vondie Curtis-Hall, der Regisseur, hat aber bei seinem Debüt nicht darauf verzichtet, das amerikanische System und die amerikanische Gesellschaft vollkommen auf die Schippe zu nehmen. Sei es der Schwarz-Weiß-Konflikt (der natürlich nicht nur in den USA besteht) oder auch die Tatsache, dass es Drogenabhängige verdammt schwer haben, einen Entzug zu "genießen". Nicht nur der eigene Körper macht ihnen nämlich manchmal einen Strich durch die Rechnung, sondern auch die staatlichen Instanzen, wie in "Gridlock'd" bestens gezeigt wird.
Leute, die auf Filme wie "Menace II Society" stehen, können natürlich zweifelsohne diesen Film konsumieren, sollten aber keinesfalls Parallelen schließen, denn wie gesagt, Alles geht ein wenig lustiger und aufklärender vonstatten, ohne die Qualität eines "Menace II Society" mindern zu wollen, den ich persönlich auch für einen großartigen Film halte. "Gridlock'd" ist eine Art Dokumentation über zwei Drogenabhängige, der Film spielt an nur 2 Tagen, die versuchen, von der Sucht loszukommen, bis hin zum versöhnlichen, grandiosen und positiv stimmenden Ende. Ein weiteres kleines Independent-Meisterwerk. 10/10 Punkte