"Die Menschen werden wissen wollen wie es dazu gekommen ist."
Das bis zuletzt geheim gehaltene Gemeinschaftsprojekt von "Lost"-Macher J.J. Abrams, Regisseur Matt Reeves und Drehbuchautor Drew Goddard thematisiert den Angriff eines übergroßen Monsters auf New York und wirft den Zuschauer durch den bekannten "Blair Witch Project" Handkamera-Stil mitten rein ins Geschehen.
Jason Hawkins (Mike Vogel) und seine Freundin Lily Ford (Jessica Lucas) veranstalten eine Abschiedsparty für Jason's Bruder Rob (Michael Stahl-David), der eine lukrative Stellung in Japan angenommen hat. Als Erinnerung soll der gemeinsame Freund Hudson Platt (T. J. Miller) an diesem Abend Abschiedsnachrichten der Gäste aufnehmen, der die Gelegenheit nutzt sich an Marlena Diamond (Lizzy Caplan) ran zu machen. Rob's beste Freundin und verheimlichte Bettgefährtin Beth McIntyre (Odette Yustman) erscheint mit einem anderen Freund, wodurch es zwischen ihr und Rob zu einem Streit kommt und Beth die Party frühzeitig verlässt.
Kurze Zeit später erschüttert ein Erdbeben die Gegend. Eine gewaltige Explosion im Stadtzentrum lässt die Partygäste fluchtartig die Party verlassen, da im Fernsehen von einem Terroranschlag und Evakuierung die Rede ist. Aber draussen auf der Straße ist es auch nicht sicherer, denn dort schlägt plötzlich der Kopf der Freiheitsstatue ein, an der sich fremdartige Kratzspuren befinden. Rob, Jason, Lily, Hudson und Marlena folgen der flüchtenden Meute bis zur Brooklyn Bridge. Als aber ein Anruf von Beth und ihre Nachricht, dass sie im Haus eingeklemmt ist, Rob erreicht, beschließen sie ins Stadtinnere zurück zu kehren und sie zu retten.
Bereits zum Start wird dem Zuschauer durch eine Einblendung vorgespielt, es mit authentischem US-Regierungsmaterial zu tun zu haben. Was darauf folgt ist ein wagemutiges, filmisches Experiment, durch die bisher selten angewandte Methodik, amateurhafte Handkameraaufnahmen durchweg in einem Film zu benutzen.
Zu Beginn sieht man einen Handlungsstrang, von Rob Hawkins aufgenommen, mit seiner Freundin Beth die einen Nachmittag auf New Yorks Vergnügungshalbinsel Coney Island verbringen wollen. Kurz darauf wird diese einen Monat vorher angesiedelte Handlung durch die Aufnahme der Ereignisse auf Rob's Abschiedsparty unterbrochen bzw. überschrieben, was nebenbei sogar zur Sprache kommt. Auch im Laufe der weiteren Handlung unterbrechen immer wieder kleine Handlungsausschnitte von Rob und Beth die aktuellen Geschehnisse, was die amateurhafte Aufnahmequalität unterstreicht, sowie die Charaktere näher bringt.
Die ersten 17 Minuten befassen sich mit den Ereignissen auf der Party. Die Charaktere und ihre Beziehung zueinander wird vorgestellt, bleibt aber für die Verhältnisse und durch den Handkamerastil äußerst nichtssagend und ist für die Gesamtlaufzeit von gerade mal 80 Minuten zu lang geraten. Dafür kracht es darauf um so gewaltiger, denn ab dem ersten Beben und dem darauf spektakulär inszenierten Aufprall des Kopfes der Freiheitsstatue bleibt das Tempo immens hoch, und dies bis zum Ende des Spektakels.
Seinen Vorteil des inteniven Erlebnisses zieht "Cloverfield" aus der Handkameraperspektive, denn dadurch entsteht das Gefühl sich mitten im Geschehen zu befinden und mit den Charakteren mit zu agieren, ob gewollt oder ungewollt. Dies wird wohl auch der kritischste Punkt sein an dem sich die Geschmäcker scheiden werden, denn die verwackelte Optik und die nicht immer sofort nachvollziehbaren Geschehnisse sorgen für eine Menge Wirbel.
Wer sich darauf einlässt, erlebt das Ereignis des Monsterangriffes, dass häufig nur teilweise und schemenhaft aber zu späterem Zeitpunkt vollständig zu sehen ist, hautnah mit. Dabei punktet "Cloverfield" durch sein genial arrangiertes Chaos von einstürzenden Gebäuden, umgefallenen Autos, Staub und allgegenwärtiger Zerstörung.
Dabei bleibt der Plot um die Rettung der Freundin Beth und die Flucht vor dem Monster zum größten Teil bodenständig, was durch die glaubhaften Charaktere untermauert wird.
Brachiale Soundeffekte und exzellente Special Effects verstärken die düstere, klaustrophobische Atmosphäre, die teils heftige Darstellung und ein kompromisloser, abgerissener Schluss runden den Film ab.
Neben der ungewohnten Aufmachung geben Fehler in Details Grund zu Diskussion. Die einfach gehaltenen Figuren werden kaum bzw. wenig zweckmäßig vorgestellt.
Trotz bodenständiger Plot gibt es ein paar unglaubwürdige Abschnitte, beispielsweise ist die Kamera bei der Gegenwart des Militärs viel zu lange an, auch das Licht in der U-Bahn dürfte nicht mehr funktionieren.
Die Schauspieler sind zweckmäßig und die unbekannten Gesichter passen gut zu dem authentischen Thema. Dadurch ist allerdings nicht viel von diesen zu erwarten.
"Cloverfield" ist ein unglaublich intensives, authentisches und mitreißendes Monsterepos geworden. Temporeich und spannend erweist sich die recht kurze aber funktionale Monsterhatz. Die subtile Art der Aufmachung und stückchenweise Zuführung an Informationen verstärkt das Mittendrin-Gefühl. Die Detailfehler die bei dieser Art Film auftreten sind zu verschmerzen. Trotz dieser vielen Lobeshymnen bleibt "Cloverfield" vorwiegend ein Unterhaltungsfilm der seine losen Fäden zum Schluss nicht zusammen zieht und keine Erklärungen auf seine Geheimnisse gibt. Ob überhypt oder nicht darf jeder für sich entscheiden.
8 / 10