Review

"Wenn es etwas gibt, dass Märchen uns lehren sollen, dann nicht dass Drachen existieren, sondern dass man sie besiegen kann."

Marc Caro ("Die Stadt der verlorenen Kinder") der bisher mit Jean-Pierre Jeunet ("Die Fabelhafte Welt der Amélie", "Alien - Die Wiedergeburt") zusammen arbeitete, betritt mit "Dante 01" Neuland und wagt sich erstmalig allein an eine Produktion.

Die um einen Vulkanplaneten kreisende Raumstation Dante 01 beherbergt sieben gefährliche Gefangene, die von drei Wachleuten sowie zwei Wissenschaftlern beaufsichtigt werden. Die Gefangenen haben freiwillig dieser Art Haft und einer ihrer selbst zugrunde liegenden Struktur, geleitet von dem kleinwüchsigen César (Dominique Pinon), zugewilligt, während die Wissenschaftler diverse Medikamente an ihnen testen. Mit einer Fähre wird die Besetzung um den Häftling Saint George (Lambert Wilson) und die Wissenschaftlerin Elisa (Linh Dan Pham) erweitert. Während Elisa durch eine recht kontroverse Sicht der Wissenschaft und einem neuen psychogenetisches Verfahren immer wieder mit Perséphone (Simona Maicanescu) aneinander gerät, ereignen sich mysteriöse Ereignisse unter den Gefangenen die scheinbar von Saint George ausgelöst werden.

Der düstere Science-Fiction-Thriller nimmt sich die Freiheit und bedient sich diverser Elemente aus "Alien 3", "2001 - Odyssee im Weltraum" und "Solaris". So beläuft die Handlung auf einer sehr psychologischen Sichtweise und setzt dem Zuschauer Themen wie die Aufgabe der Wissenschaft, dem Begriff der Menschlichkeit sowie religiösen Aspekten vor. Allerdings wird keines dieser Themen ausgebaut sondern nur leicht angeschnitten.
Da sich der Plot ansonsten nur sehr einfallslos mit den Alltagsgebräuchen und den mysteriösen Gegebenheiten unter den Gefangenen und den Wissenschaftlern beschäftigt, ist dieser äußerst spärlich ausgefallen. Erst im letzten Drittel, wo die Raumstation außer Kontrolle gerät, wirds ein wenig temporeicher. Das an "2001" angelehnte Ende kommt dann sehr plötzlich und lässt jede Menge Fragen offen.

Überzeugen kann die futuristische Mär am ehesten im Bereich des Settings. Dieses ist ausschließlich auf der spärlich eingerichteten Raumstation angesiedelt. Die grundlegend düster ausgefallenen Räume unterscheiden sich farblich in den Bereichen der Häftlinge und denen der Wissenschaftler. Beispielsweise fallen die Farbtöne in den Labors violett aus während die Räume der Gefangenen orange oder grün belichtet sind. Dies vermittelt einen interessanten, visuellen Ansatz der sich mit weitaus surrealeren Bildern ungewöhnlich fortsetzt. Letztere effektreiche Bilder sehen zwar gut aus, wiederholen sich aber oftmals und sind etwas zu knallig bunt geraten.
Die untermalten schrillen Soundeffekte unterstreichen die recht künstliche und steril geratene Aufmachung.

Ebenfalls auffallend ist die hohe Präsenz von religiösen sowie historischen Namen und Symbolen. Geradezu plakativ drückt sich der christliche Glaube durch die Figur des Saint George hervor, die wie der Messias selbst scheinbar Wunder vollbringen kann. Immer wieder drücken sich Kreuze in den Vordergrund, beispielsweise durch die kreuzförmig Station. In vielen Dialogen geht es inhaltlich um den Glauben verschiedener Religionen. Gesamt gesehen ist also die Bereitschaft sich mit religiösen Themen auseinander zu setzen hier Pflicht.

Lambert Wilson ("Matrix Reloaded", "Matrix Revolutions") mimt die Hauptfigur und ist als ständig orientierungsloser Häftling wohl der einzig sehenswerte Schauspieler. Dominique Pinon ("Alien - Die Wiedergeburt", "Die Fabelhafte Welt der Amélie") bleibt unter seinen gewöhnlichen Leistungen. Die restlichen Darsteller sind bestenfalls zweckmäßig, wobei das Charakterdesing allgemein sehr karg ausgefallen.

Technisch einwandfrei bleibt "Dante 01" hinter seinen Möglichkeiten. Ein großes Publikum wird diesem Science-Fiction-Thriller sicher verwehrt bleiben, aber selbst das kleine muss sich mit einem unvollständig wirkendem Werk zufrieden stellen. Die Bilder selbst sind innovativ, Spannung, Inhalt und einen unterhalsamen Wert sucht man aber vergeblich. Somit degradiert sich "Dante 01" und bildet bestenfalls ein Kunstwerk, das man sich kurz ansieht und schnell wieder vergisst.

3 / 10

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