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Kaum ein TV-Kommissar prägte die deutsche TV-Landschaft so nachhaltig wie Horst Schimanski, verkörpert von Götz George. Der impulsive Ermittler mit dem weichen Kern trat 1991 letztmalig in der Reihe Tatort auf, um 1997 in einem Spin-of der Marke „Schimanski“ innoffiziell als Polizist zu arbeiten. Die zweiten Folge „Blutsbrüder“ hebt sich deutlich von der herkömmlichen Polizeiarbeit ab.

Schimanski tingelt mit einem Hausboot durch Belgien, seine Freundin (Denise Virieux) will ihn mal wieder verlassen, da wird der ehemalige Hauptkommissar mit einem Auftrag konfrontiert: Schimanski soll den Versicherungsbetrüger Mandel (Christoph Waltz) vom belgischen Knast nach Deutschland geleiten, wo er als Kronzeuge gegen seinen ehemaligen Partner aussagen soll. Doch schon kurz nach Reiseantritt wird das ungleiche Duo verfolgt…

Christoph Waltz war zu jener Zeit ein Durchschnittsmime, der allenfalls mit der Hauptrolle in „König der letzten Tage“ von 1993 ein wenig Eindruck hinterlassen hatte und noch weit vom Oscargewinn entfernt war. Regisseur Hajo Gies, der bereits den ersten Schimanski 1981 inszenierte, hatte offenbar ein gutes Gespür für das Buddy-Gespann, denn das Geschehen ist voll und ganz auf George und Waltz abgestimmt und deutlich mehr Roadmovie denn Krimi.

Die Odyssee quer durch Belgien erinnert ein wenig an „Flucht in Ketten“, mal in Handschellen, mal Huckepack geht es zunächst mit dem Auto los, dann landet man im Zug und schließlich muss man zu Fuß weiter, um die Verfolger irgendwie fern zu halten. Interessant ist hierbei die Entwicklung der Figuren, denn zunächst geht Schimanski recht ruppig mit dem arrogant auftretenden Fahrgast um, doch als dieser sein wahres Motiv für ein frühzeitiges Verlassen des Knastes offenbart und die beiden Gemeinsamkeiten ihrer Heimat entdecken, raufen sich die Kerle zusammen.

So halten sich Situationskomik, melancholische Momente und die Aufklärung eines älteren Falles die Waage, während einige Rückblenden eher wenig bringen und allenfalls die Nachdenklichkeit des Momentes verstärken.
Und da es für nahezu jeden Schimanski eine Art Titelsong gab, ist bei einigen Rückblenden Chris Rea zu sehen, der in dem „Blue Cafe“, den gleichnamigen Song anspielt, welcher sich sehr gut der Grundstimmung anpasst.

Obgleich ab und an ein wenig Action einfließt (Autoverfolgung, unter Beschuss, verunglücktes und anschließend brennendes Fahrzeug) liegt der Fokus auf dem Abenteuer des ungleichen Gespanns, welches sich wunderbar ergänzt und für zahlreiche Schmunzler sorgt, zumal die Chemie zwischen George und Waltz absolut stimmig ist.
Ein ungewöhnlicher und vielleicht gerade deshalb ein außergewöhnlich guter Schimanski, der weniger vom eigentlichen Fall als von seinen Protagonisten und deren Stimmungen lebt.
8 von 10

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