Katz und Maus modern!
„Lass mich dir von meinem Tag bis jetzt erzählen: Kaffeetrinken in Paris, Surfen auf den Malediven, [...] und dann sprang ich zurück für das Finalspiel der NBA - und das alles vor dem Mittagessen. Ich könnte so weitermachen, aber ich sage nur: I´m standing on top of the world!"
(David Rice)
Der junge britische Schauspieler Jamie Bell ist der breiten Masse vermutlich vor allem als das Tanztalent Billie Elliot bekannt und eher weniger als Darsteller in Clint Eastwoods Meisterwerk "Flags of our Fathers" (2006), oder als "Hallam Foe"(2007). Ähnliche verhält es sich mit Hayden Christensen. Bei diesem Namen denkt jeder zuerst an dessen medien- und massenwirksame Rolle als Anakin Skywalker bzw. Darth Vader aus "Star Wars - Episode I - III" und wohl kaum an Filme, wie etwa "Awake" oder "Das Haus am Meer". Desweiteren ist noch Samuel L. Jackson zu nennen; ein wahrlich schauspielerisches Schwergewicht, welches schon so lange in diesem Business meist mehr- aber in letzer Zeit auch weniger erfolgreich tätig ist, dass es hier den Rahmen sprengen würde, alle großen Filme aufzuzählen. Nachhaltig spielte sich Jackson jedoch weniger als Jules Winfield ("Pulp Fiction", 1994) oder als Lazarus Woods ("Black Snake Moan", 2007) in das Gedächtnis, bzw, Erinnerungsvermögen der Zuschauer als vielmehr als cooler, knallharter und abgebrühter „Shaft" (2000). Welche Art bzw. Qualität von Film entstehen kann, wenn man nun dieses bunte Trio - Billie Elliot, Anakin Skywalker und Shaft - zusammen mit noch einigen anderen Schauspielern z.B. Diane Lane, Rachel Bilson oder Max Thieriot in ein Filmstudio sperrt, lässt sich bereits durch bereit erwähntes, äußerst reißerisches und plakatives Zitat erahnen. Das groß angekündigte Produkt dieses Zusammenwirkens nennt sich „Jumper" und ist eine US-amerikanischen Science Fiction - Thriller nach den Regieanweisungen von Doug Liman (Produzent der Bourne Trilogie) von der man sich vielleicht vieles erhofft hat, aber nachdem die ersten Geschmacksverstärker verklungen sind, nur noch eher ein langweiliger, schaler Beigeschmack übrig bleibt. Der Film basiert - wie es in letzter Zeit gehäuft der Trend bei Filmen (Die Geheimnisse der Spiderwicks, die Welle, Harry Potter) ist - ebenfalls auf einer Romanvorlage. Der Science Fiction Autor Steven Gould hat bereits 1992 den gleichnamigen Roman veröffentlicht.
Zugegeben, die Anfangssequenz macht durchaus Lust auf mehr. Man sieht den Protagonisten David Rice (Christensen) auf der Spitze eines hochaufragenden Felsen in einer heißen Wüste stehen als ob ihm im wahrsten Sinne des Wortes die Welt zu Füßen liegen würde und er sie mit seiner Coolness abkühlen könnte. Er möchte dem Betrachter uns (siehe Zitat) von seinen bisherigen Erfahrungen dieses Tages erzählt. Eingefangen mit einem 360 Grad halsbrecherischen Kamerflug und untermalt mit einer 60er/70er Jahre Shaft - Gedächtnis Soundtrack, der einem wirklich erst einemal vom Sitz bläst, möchte der große Held uns, dem gemeinen Betrachter, erst einmal von seinen bisherigen Erfahrungen diesen Tages (siehe Zitat) erzählen. Ja, einen reißerischen bzw. mitreissenderen Einstieg hätte man für "Jumper" kaum finden können. Bereits hier spiegelt sich das Tempo der Bourne-Filme wieder und lässt die Handschrift von Doug Liman erkennen - leider war dies bisher nur der erste Schluck, bzw. die ersten Sekunden des Films. Und leider, kann der Anfang nicht diese Tempo und dieses Niveau leider nicht halten. Es ist als ob man einen billgen Wein vom Discounter - der durchaus auch Schmackhaft sein kann - mit einem erlesenen Tropfen vom Weinhändler um die Ecke vergleicht. Bei Billigweinen wird der oft gute, erste Eindruck oftmals durch einen faden, stechenden Beigeschmack getrübt - wie eben auch bei "Jumper". Wäre diese Film ein Qualitätswein von einem ausgesuchten Weingut, hätte der Tropfen, bzw. Film sein Aroma bzw seinen ersten verheissungsvollen und vielversprechenden Eindruck, seine gute Qualität und sein Tempo halten könnnen oder gar noch steigern - dieser Fall tritt , meines Erachtens, jedoch micht ein.
Man erfährt desweiteren, dass David nicht immer so war, sonder er auch einmal eine „normale Person" gewesen ist. Er stammt aus einer - für heutige Verhältnisse - typischen und normalen „Familie" die eher zu sozialen Unterschicht gehört. Die Mutter hat den Vater (gespielt von Michael Rooker), bei welchen er aufgewachsen ist, zugunsten eines anderen verlassen, als der kleine David (als Jugendlicher dargestelt von Max Thieriot) fünf Jahre alt war, eben normal, so wie das Leben eben spielt. Damit ist aber sobald Schluss, als er bemerkt, dass er über aussergewöhnliche Fähigkeiten besitzt. Er kann sich an jeden Ort der Welt teleportieren, indem er seine Gedanken benuntzt, auch wenn er zumindest anfangas noch nicht weiß, wie es genau funktioniert und er umso überraschter ist, als er sich nach einem Sturz in einen eiskalten, zugefrorenen See plötzlich in der örtlichen Bibliothek wiederfindet: „Und da wurde es mir bewusst, diese Dinge, geschehen einfach so. Sie könnten mich befreien. Und wenn sie (seine Mutter) weglaufen konnte, dann kann ich es auch." (Tiefgründig, oder?) Klingt irgendwie an eine Mischung aus „Raumschiff Enterprise" und „Zurück in die Zukunft". Nachdem dies nun geklärt ist, beginnt nun nach etwa acht Minuten der eigentliche Film. Wie man als jugendlicher eben so ist, findet David ziemlich schnell Gefallen daran, sich an die verschiedensten Ort zu beamen (Hamburger Essen im Klappstuhl auf dem Kopf der Sphinx in Ägypten). Er lässt seine Kindheit und Schulzeit, wie auch seine Freundin Millie Harris (Rachel Bilson) hinter sich um fortan in den daraufolgenden acht Jahren (mittlerweile gespielt von Hayden Christensen) in Saus und Braus zu leben. Er fühlt sich immer mehr, als kleiner Gott, dem die Welt zu Füßen liegt. Mittlerweile lebt er - wenn er nicht gerade die entlegensten Orte besucht - in New York, finanziert durch Geld, welches er von den örtlichen Banken gestohlen hat. Dies ist ja kein Problem, durch seine Gedanken, kann er sich an jeden Ort und zu jeder Uhrzeit teleportieren. Doch das Bild ändert sich schlagartig, als er eines abends nach Hause kommt, und dort auf Roland Cox (endlich: Samuel L. Jackson) trifft, der, wie sich herausstellt, seit acht Jahren versucht, David ausfindig zu machen. Dessen eigentliche Aufgabe bestand eigentlich darin, einen mysteriösen Bankraub (wer das wohl war?) aufzuklären. Er gehört zur Grupper der Paladin, dem Gegenspieler der sog. Jumper. Jackson ist durch seine Austrahlung (und seine weiß, oder silbermetallic gefärbten Haare) und coole, ja zum Teil wirklich abgebrühte Präsenz wirklich ein wahres Highlight des Fillms, auch wenn er handlungsbedingt sein wahres Können nicht zur Gänze ausspielen kann.
Jackson bzw. Cox verwendet eine Reihe von ausgewählter Techniken, um, wie es sich für einen Paladin gehört, den Jumper David an der Ausführung seiner ungewöhnlichen Fähigkeiten zu hindern Dabei versucht er auch, ihn zu töten. David gelingt jedoch die Flucht. Diese Actionszenen sind durchaus sehenswert, wenngleich sie auch nichts bahnbrechendes Neues bieten. Während David versucht, seine Jugendfreundin Millie Harris wiederzufinden, was auch gelingt, begegnet er auch wieder Mark Kobold (Teddy Dunn). Er war in der Kindheit nicht sein Jugendfeind, sondern auch dafür verantwortlich, dass David in den See gestürzt ist. Es kommt wieder zu handgreiflichen Auseinandersetzungen. In einem Kampf teleportiert sich David mit Mark in denjenigen Banktresor, den er vor acht Jahren ausgeraubt hat. Während ihm noch rechtzeitig die Flucht gelingt, bleibt Mark zurück. Während dieser von Cox im Gefängnis befragt wird, begibt sich David mit Millie auf eine Reise nach Rom. Keine Sorge, die Story die mittlerweile schon etwas durchsichtig und wirr erscheint, wird noch verwirrender.
Als David und Millie in Rom gerade das Kolosseum besichtigt (ein bischen Kultur muss ja sein), trifft er auf einen anderen jungen Jumper. Nun trifft man endlich auch auf Griffin alias Jamie Bell, der auch seit geraumer Zeit, David aufzufinden, seit er ihn in einer Londoner Bar bemerkt hat. Auch hier lassen sich die Paladin mit deren Anführer Cox nicht lange auf sich warten. Von Griffin lernt David von dem jahrtausenlangen „Krieg" zwischen den Jumper und den Paladins. Er erzählt ihm auch von seiner Mission, soviele Paladins wie möglich auzuspüren und zu töten. Ohne jegliche Höhepunkte setzt sich die Handlung bis zum Ende fort, von einem Ort zum anderen. Der vermeintliche „Höhepunkt" ist, als man gegen Ende des Film erfährt, dass auch Davids Mutter (Diane Lane) eine Paladin ist und die Familie auch deshalb damals verlassen. Man möchte es nicht glauben, es gibt auch noch sentimentale Momente, indem sie ihm versichert, dass sie ihn liebt, und ihm deshalb (großzügigerweiße) auch einen Vorsprung gewährt. Es gibt so einige inhaltlich logische Aussetzer in "Jumper" und die Story ist an sich auch nichts Neues: ein Katz und Maus - Spiel zwischen den Jumper und den Paladin.
Trotz einiger spannender, mitreißender und kurzweilige Szenen wirkt der Film wie schon mal dagewesen. Einige Momente sind durchaus reißerisch und auch äußerst actiongeladen. Dennoch erinnert einen "Jumper" eher an einen Abklatsch von bereits Bekanntem, wie ein nochmals aufgebrühter Kaffee oder um wieder beim Wein zu bleiben, wie eine Flasche von gutem Wein, die man über Nacht offen und halb leer im Kühlschrank deponiert hat, um sie am nächsten Tag wieder zu trinken. Das schmeckt auch nicht, auch wenn das erste Glas am Vortag überaus gut war. Mag auch das Etikett eines Weines noch so ansprechend sein, wenn der Inhalt einfach lieblos (nicht lieblich) hergestellt wurde und minderwertiges Rohmaterial verwendet wurde, ist der Gesamteindruck - ob der ansprechenden Optik - dennoch miserable. Ähnlich verhält es sich auch bei Jumper. Die schauspielerische Leistung, vor allem der drei männlichen Hauptdarsteller ist zwar im Großen und Ganzen O.K. (viel Raum zur freien Entfaltung und zum Zeigen der eigenen Variabilität und des eigenen Facettenreichtums bleibt ob der hohen Geschwindigkeit der Story leider nicht), zu ihren Paraderollen werden sie diese aus Jumper jedoch nicht zählen können. Wie gesagt, die schauspielerische Leistung der Protagonisten ist eher durchschnittlich, wenn überhaupt (Samuel L. Jackson besitzt eben ein von Natur aus faszinierendes Charisma), geschliffene, tiefgreifende Dialoge vermisst man schmerzlich und auch der Soundtrack haut den Zuschauer (abgesehen von der wirkungsvollen Anfangssequenz) nicht vom Hocker.
"Jumper" wirkt so kalt, gefühlslos und vergänglich von Doug Liman in Szene gesetzt, dass man den Film am Besten so schnell vergisst, wie einen mießen Discountwein. Es gibt, wie so oft, zwei sehr gegensätzliche Pole, wenn man so will die Guten (Jackson, Paladins) und die Bösen (Christensen, Jumper) - oder umgekehrt, so genau kann man das nicht auseinander halten. Auch Teleportation - neudeustch jumping - gab es auch schon bei Raumschiff Enterprise („Beam me up, Scotty") - zu Jumper kann man also sagen, „im Westen nichts Neues". Alles wirkt so auf cool, spannend un mitreißend getrimmt, auch bedingt durch das in der Anfangssequenz angeschlagene mörderische Tempo, dass dem Film dadurch jeglich Tiefe (Katz und Maus gab es auch scon immer) verloren geht. Durch dieses absolut Gewollte, wirkt der 88-minütige Film, ob manchen gelungen und origenellen Szenen dennoch langatmig, langweilig, zum Teil durch dieses lieb- und herzlose Runtergespiele der Handlung ja zum Teil sogar nervend, weshalb der Betrachter Jumper emotional auch vollkommen kalt lässt.
(3 / 10 Punkten)