Review

Hollywood ist immer auf der Suche nach dem nächsten großen Blockbusterding.
Gerade jetzt, wo so viele große Filmtrilogien ihren Abschluß gefunden haben und es nicht sicher ist, ob eine weitere Fortsetzung noch möglich wird oder sinnvoll erscheint, muß frisches Material her.

„Jumper“ erschien da wohl wie ein vielversprechendes Konzept. Jugendliche Teleporter, gejagt von einer mysteriösen Geheimorganisation, das versprach sowohl viele Spezialeffekte wie auch den Einsatz von potentiellen jugendlichen Stars, was sich an den Kinokassen in eine Menge Teenagertaschengeld umsetzen läßt.
Also plante man nach den Roman von Steven Gould gleich mal flott eine Trilogie und setzte vermeintlich erfahrenes Personal daran: Regisseur Doug Liman ist seit „Die Bourne Identität“ und „Mr. Und Mrs. Smith“ ein actionversierter Regisseur und David S.Goyer als Drehbuchautor hatte seine Pfoten in gut der Hälfte aller Comicverfilmungen der letzten Dekade.

Doch Letzteres würde auch erklären, daß er mit seinen Schreibkollegen das Skript offenbar auf die Schnelle in einem Stehimbiss auf einer Lunchserviette niederschrieb und es danach auch nicht mehr besonders viele Erweiterungen erfuhr.

„Jumper“ ist nämlich modernes Popcornkino in seiner schlimmsten Form: flach, inhaltsleer, auf bloßen Effekt angelegt – wie geschaffen für ein gut 13-16jähriges Zielpublikum und alle übrigen, die in dieser intellektuellen Altersklasse frei- oder unfreiwillig verharren.

Der Plot ist papierdünn, die dramatische Einleitung allein (Mäuschenteenager entdeckt beim Einbruch ins Eis seine Teleporterfähigkeiten und beginnt dank marodem Elternhaus sein Glück in Banktresoren zu versuchen) ist schon ein abgegriffener Standard, der zwar generell dazu angetan ist, feuchte Pubertätsträume (männlich) anzuregen, aber kaum in die Kategorie „spektakulär“ einzuordnen ist.

In der Folge gerät der Film zu einem großen Reisebildband Marke „Schaut mal, wohin auf diesem Planeten wir das Kamerateam alles geschickt haben“, denn ausgiebig wird exotischen Schauplätzen gefrönt, womit aber die Story an sich noch lange nicht in Gang kommt.

Zu dem Fertiggericht gehören in der Folge noch: ein weiterer Springer jungen Alters; die heimliche Jugendliebe, die erobert sein will; die bösen bösen Paladine (in Personalunion dargestellt von einem auf Autopilot chargierenden Samuel Jackson, der seinen Kopf offenbar ohne Angabe von Gründen morgens in Talcumpuder gewälzt hat) und für ganz Doofe ein Mysterium um das verschwundene Mütterlein.

Wer da jetzt auf eine Art Star Wars-Story a la Skywalker gesetzt hat (immerhin spielt Hayden Christensen die Hauptrolle, gibt es einen Mentoren, einen düsteren Bösewicht und „Paladin“ kann man irre witzig mit „Padawan“ verwechseln), wird enttäuscht – der Plot gibt einfach nichts her außer extremen Leerlauf oder totaler Hektik.

Reizarm und überraschungslos wickelt sich der 3-Sätze-Stoff in gerade mal 88 Minuten mit einer Trägheit ab, die Filmen von Eric Rohmer ganz neue Dynamik verleiht. Ständig wird gesprungen und gehopst, Sightseeing im Zeitraffer, nur zu erzählen haben die Macher nichts. Weder wird auf Ursache noch auf Wirkung des Teleportierens eingegangen, Motivationen scheren die Autoren offenbar einen rechten Dreck, stattdessen gibt es Pappdeckeldialoge ohne Ende.

Da paßt es ganz gut, daß die Darsteller in diesem Kanon entsprechende Leistungen zu verantworten haben: Christensen spielt auch Jahre nach Episode 2 immer noch wie ein gut geöltes Stück Holz; Rachel Bilson sieht zwar einigermaßen aus, salbadert aber ständig nur nerviges Zeugs, das von der Story ablenkt; Jackson ist offensichtlich gelangweilt und Jamie Bell, traditionell der ambitionierteste Darsteller, muß dermaßen hibbelig jede Szene zerwuseln, als hätte man ihm sein Ritalin vorenthalten.

Spannungsmomente oder echte Höhepunkte kommen da dann auch so gut wie gar nicht auf, rein mechanisch das ganze Geschehen, nur die Tricks sind überaus ansprechend, doch der Joke des Springens und Irgendwas-Mitnehmens, was sich als Waffe eignet, nutzt sich mit der Zeit auch ab.
Fakt ist, dem fertigen Produkt fehlt so ziemlich alles, aber vor allem der rechte Biss.
Zu wenig Hintergrund wird geliefert, um eine echte Bedrohung überhaupt aufkommen zu lassen und die paar roten Heringe für einen eventuellen zweiten Teil, lassen einen auch nicht vor Erregung erzittern.
Und wenn der Gute am Ende den Bösen (der immerhin den Daddy gemeuchelt hat) pazifistisch rating-gerecht nicht umbringt, sondern in der Wildnis aussetzt, dann kann der Zuschauer ob dieser Zahnlosigkeit eigentlich nur noch hämisch kichern.

Ein paar Anschmachter oder Anspruchslose werden sich dann doch wohl noch ins Kino verirren, vorzugsweise unterhalb der Twen-Jahre, aber ob der Film angesichts des eher mäßigen US-Einspiels tatsächlich in drei Jahren fortgesetzt wird, darf mit Fug und Recht angezweifelt werden. In Deutschland wird dieses Teil im Mittelfeld versacken – und damit ist er eigentlich noch gut bedient. (3,5/10)

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