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Mit „Die Bourne Identität“ und „Mr. & Mrs. Smith“ hatte sich Doug Liman als versierter Regisseur für Actionstoffe erwiesen, doch deren Qualitäten kann sein neuester Film „Jumper“ nicht mal ansatzweise erreichen.
David Rice (Hayden Christensen) ist ein so genannter Jumper, der sich durch seinen Willen überall teleportieren will. Seitdem er sein Talent in der Kindheit entdeckte hat er es verfeinert und macht jetzt einen auf Lebemann – Knete wird bei Teleportationen in Banktresore herangeschafft. Das Prinzip hat man schnell verstanden, der Film walzt die Chose aber schon in den Anfangsminuten reichlich aus, während Davids Alibivorgeschichte doch reichlich kurz kommt.
Jedoch muss David feststellen, dass er nicht der einzige ist, der diese Fähigkeiten besitzt; Griffin (Jamie Bell) hat sie z.B. auch. Und es gibt so genannte Paladine, unter der Führung von Roland (Samuel L. Jackson), die Paladine jagen und töten…

„Jumper“ geht keine 90 Minuten mit Abspann, hat aber Probleme selbst diese knappe Laufzeit zu füllen. Bis Paladine und damit Schwierigkeiten auftauchen ist schon ein Großteil des Films vorbei und anfangs hinken die Buben dem Jumper eh auf lahmste Weise hinterher. Jedoch kann „Jumper“ auch nie so wirklich Spannung aufbauen, da hilft auch die Einführung von Davids Jugendliebe Millie (Rachel Bilson) nicht so wirklich, da „Jumper“ kaum glaubhaft rüberbringt, warum sich der sonst so amoralisch handelnde junge Mann auf einmal so um sie sorgt. Von Logiklücken ganz zu schweigen, z.B. wie sich die Paladine finanzieren und wo sie ihre Waffen herhaben, warum man seine ersten Jump-Übungen mitten in einem vollbesetzten Park vollführt oder warum Banken keinerlei Überwachungskameras in ihren Tresoren haben.
Doch die Unmengen an Logikschwächen sind nicht das Hauptproblem von „Jumper“, sondern vielmehr die Unfähigkeit sämtliche Charaktere mit Profil zu unterfüttern. David haute die Mutti im Kindesalter ab (darauf wird wenigstens noch eingegangen) und der Papa war ein Alki, das muss als Klischee-Erklärung für den Lebensstil reichen. Noch profilloser ist Fiesling Roland, der Jumper aus Fanatismus tötet, und auch Griffin kommt nur wenig detailliert als Roland daher: er killt Paladine, weil diese seine Eltern ermordeten. Von Millie ganz zu schweigen, deren einzige Aufgaben es sind den Helden anzuschmachten und in Gefahr zu geraten. Zudem sind alle männlichen Rollen grundweg unsympathisch, wobei man bei David noch nicht mal die Faszination des Lebens jenseits gesellschaftlich-moralischer Grenzen ausschlachten kann.
So kriecht sich die Minimalplotte auf Konflikte und den Showdown zu, doch vernünftige Action bietet „Jumper“ auch nicht. Sprünge durch Zeit und Raum sind nette Arbeit der Trickspezialisten, aber nicht wirklich spektakulär anzuschauen und nur gelegentlich wird dann mal gegeneinander gekämpft. Diese Konfrontationen gehen aber in einem Stakkato schneller Schnitte und vollkommen unübersichtlicher Wackelkamera unter, was die Leistungen sämtlicher am Film beteiligter Stuntleute noch direkt drei Nummern schmälert.

So lassen sich nur wenig positive Aspekte in diesem absolut seelenlosen Spektakel finden, dem man jede Sekunde anmerkt, dass weder Regisseur Doug Liman noch Drehbuchautor David S. Goyer auch nur einen Tropfen Herzblut in das Projekt investiert haben. Tricktechnisch ist die Chose auf der Höhe der Zeit, aber setzt auch keine neuen Maßstäbe und allenfalls die Vielzahl exotischer Locations fällt auf – viele bleiben jedoch ungenutzt, da die Jumper nur wenige Sekunden dort verweilen, um dem Zuschauer ein paar nette Bilder zu liefern.
Darstellerisch fällt „Jumper“ auch nicht aus dem Gesamtbild. Hayden Christensen fällt als Grinsebacke mit Minimalmimik auf und Rachel Bilson ist gerade noch dazu imstande ihre Rolle als weibliche Staffage auszufüllen. Jamie Bell gibt den Jumper mit psychologischem Knacks auf Autopilot und Samuel L. Jackson verwendet hier einfach einen seiner Gesichtsausdrücke aus „Zimmer 1408“ weiter – diesen allerdings den ganzen Film über. Lediglich toll sind Michael Rooker und Diane Lane als Helden der Hauptfigur, bekommen aber nur schätzungsweise drei kurze Szenen pro Nase serviert.

Unterm Strich ist „Jumper“ seelenloses Popcornkino und Möchtegernaction der untersten Kajüte. Zwar mit genug Kompetenz gemacht, aber ohne Begeisterung, ohne spannenden Plot und ohne vernünftige Schauwerte, denn die Action geht in der hektischen Inszenierung unter – wenige Pluspunkte wie das Mitwirken von Michael Rooker und Diane Lane retten das Teil vor dem Totalsausfall.

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