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Wer hat nicht schon einmal davon geträumt in Windeseile an entfernte Orte zu reisen oder sich aus einer unangenehmen Situation einfach wegzubeamen? Das eine solche übernatürliche Gabe gleichzeitig Fluch und Segen sein kann muss der Titelprotagonist David, gespielt von Anakin Skywalker Jungdarsteller Hayden Christensen, in dem durchgestylten Actionfilmchen „Jumper“ am eigenen Leib erfahren.

Unter der Leitung des erfahrenen Actionregisseurs Doug Liman, welcher sich als souveräner Handwerker erwiesen hat und mit Genrehits wie „Mr. & Mrs. Smith“ und „Die Bourne Identität“ zwei nennenswerte Erfolge verbuchen konnte, wurde der Film letztlich realisiert. Rückendeckung erhielt Liman unter anderem von Comic-Schreiberling David S. Goyer, unter anderem verantwortlich für die Blade-Trilogie, wobei er „Blade Trinity“ sogar selbst inszenieren durfte.

Das „Jumper“ trotz des hochkarätigen Casts vor und hinter Kamera ein ziemlich zweischneidiges Schwert bleibt und bei vielen älteren Kinogängern für Ernüchterung sorgen dürfte, hat zahlreiche Gründe die zu großen Teilen auf das unausgegorene Skript zurückzuführen sind. Der Grundgedanke mit „Jumper“ eine Art neue Trilogie zu schaffen die in die Fußstapfen der populären Comicverfilmungen tritt ist gutgemeint, zeigt aber auch wie die gierig die Geldmaschinerie in Hollywood betrieben wird. Solange Comicverfilmungen und ähnlich gestaltete Filme Geld abwerfen wird auch nicht davor zurückgeschreckt jedes noch so halbgare Skript auszuschlachten und filmisch zu verwerten.

Bei „Jumper“ ist genau das eben der Fall, denn die Geschichte wirkt nicht nur unausgeglichen sondern regelrecht doof. Die Idee mit dem Switchen von Ort zu Ort ist für sich genommen eine gute Idee, bringt aber wenig wenn man darum keine vernünftige Geschichte bastelt. Einen Film nur auf häufige Locationwechsel zu reduzieren und den Zuschauer mit immer wieder neuen visuellen Reizen zu überfluten zeigt aber welche Zielgruppe hier angesprochen werden soll, nämlich weit unter der Volljährigkeit. Das zeigt sich auch bei der Wahl des Hauptdarstellers. Christensen ist alles andere als ein talentierter Darsteller und verkörpert eher den naiven Jungen von Nebenan, den Liebling aller Schwiegermütter. Im kitschigen Star Wars Universum ging das noch so leidlich in Ordnung, kam teilweise sogar annähernd überzeugend rüber (siehe Star Wars Episode 3: Die Rache der Sith). Hayden Christensen gewinnt im ganzen Film kein Profil und bleibt völlig blass. Ob das nun an seinen begrenzten schauspielerischen Qualitäten oder dem dümmlichen Skript liegt sei einmal dahingestellt.

Samuel L. Jackson mit weißgefärbter Mähne spielt gewohnt souverän den Bösewicht, nicht mehr und nicht weniger. Der Ausnahmedarsteller verkauft sich deutlich unter Wert, was wohl auch an seinem Charakter liegen mag der kein besonderes Charisma besitzt und bis zum Schluß austauschbar bleibt.

Wie naiv „Jumper“ letztlich ist zeigt sich an der dominierenden Love-Story, welche einen Großteil der Handlung für sich einnimmt. Wie in einer Highschool-Klamotte wird hier teilweise auf dem Niveau pubertierender Kids der verflossenen Jugendliebe hinter getrauert und natürlich alle Hebel in Bewegung gesetzt um ihr Herz zu bewegen. Zu dumm nur das sie die Tricks irgendwann durchschaut, ein Happy End ist, wie sollte es anders sein, aber dennoch garantiert – eine schöne süße Hollywoodwelt eben.

Was sich aber weitaus fataler auswirkt ist der komplett fehlender geschichtliche Unterbau. Der Zuschauer wird die gesamt Zeit über im Unklaren gelassen woher die Kräfte der Jumper eigentlich kommen und wie man sie bekommt. Die Geheimorganisation der Paladine ist ein vergleichbares Mysterium, da es sich zwar nicht um eine offizielle Behörde handelt, die technische Ausstattung und das Personal in allen Winkeln der Welt, aber durchaus mit den Geheimdiensten konkurrieren könnte. Das Mininum an Handlung beschränkt sich bestenfalls auf die bereits erwähnte einfältige Liebesgeschichte, einem zweiten Jumper dessen Absichten nicht klar zu durchschauen sind und eben die Hatz über alle Kontinente. Eben auf den blitzschnellen Wechsel zwischen den Schauplätzen baut der Film über weite Strecken. Die visuellen Eindrücke sind zwar durchaus nett gemacht, nutzen sich aber mit der Zeit ab und verlieren ihren Reiz.

In punkto Action hinterlässt „Jumper“ dann zwar einen etwas besseren Eindruck, der fade Beigeschmack bleibt aber dennoch erhalten. Der Showdown zwischen Jumpern und dem bösen Oberpaladin Samuel L. Jackson gehört zu den wenigen wirklich gelungenen Momenten die der Film aufbieten kann, insgesamt aber zu wenig um nachträglich bleibenden Eindruck zu hinterlassen. In Zeiten wo Effektorgien wie „Transformers“ das Maß aller Dinge im jugendgerechten Blockbusterkino sind, sieht „Jumper“ vergleichsweise armselig aus.

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