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In 80 Tagen um die Welt? Darüber kann David Rice (Hayden Christensen) nur schmunzeln: Er besucht Rom, London und Rio und ist zum Mittagessen wieder zurück. David Rice ist nämlich ein "Jumper"; der junge Springinsfeld kann sich von einem Ort zum nächsten teleportieren. Warum? Das weiß niemand so recht...

Rückblende: Der junge David ist ein Verlierer-Typ aller erste Sorte und schenkt seiner Schulliebe Millie (Rachel Bilson) einen in einer Schneekugel garnierten Eifelturm - schließlich möchte die kleine Dame später einmal um die gesamte Welt reisen. Doch just in diesem Moment zerstört der Klischée-Bully die herzerwärmende Idylle und pfeffert den zarten Liebesbeweis auf einen zugefrorenen Fluß. Und was macht Loser-David? Der begibt sich aufs Glatteis, um das Geschenk, das es wohl in jedem Ein-Euro-Shop in Massen zu erstehen gibt, zu bergen - und bricht natürlich ein. Nach einem kurzen Überlebenskampf findet er sich in der örtlichen Bibliothek wieder...

So entdeckt David seine Fähigkeit zur Teleportation - obwohl später erwähnt wird, dass er sich schon im zarten Alter von 5 Jahren weggebeamt hat. Anstatt sich bei der Schule zu melden und sein Wohlergehen mitzuteilen, entschließt sich der Teenager zur Flucht aus seinem sozial gestörten Umfeld. Die Mutter hat die Familie früh im Stich gelassen, Vater ist ein Säufer - Klar, irgendwo müssen die Gründe für das verkorkste Selbstbewusstsein des Sprößlings liegen. Warum und nach welchem Prinzip das "Jumpen" funktioniert wird hingegen nicht geklärt...aber egal, hauptsache der Protagonist kann jetzt ungestört Banken ausrauben und Frauen aus aller Welt abschleppen.

Das ist die Ausgangslage des Filmchens - erzählt in ein paar Sätzen. Dabei wurde die Erzählung noch ein wenig ausgeschmückt...schon nach den ersten zwanzig Minuten ahnt der Betrachter, dass der Plot auf einem Kassenbon Asyl finden könnte. Und wahrscheinlich bräuchte man noch nicht mal extra klein schreiben, vielmehr folgt auch nicht. Obwohl...vielleicht sollte man noch die Reißbrett-Romanze, die sich zwischen den Jugendfreunden "entwickelt", erwähnen. Und vielleicht noch die Tatsache, dass es die bösen Paladine gibt, die den Jumpen ans Leder wollen. Irgendwie verständlich, wenn man bedenkt, dass mir so ein Jumper in die Bude hoppsen und sich meine DVD-Sammlung unter den Nagel reißen könnte...Aber wer diese Paladine sind und wer die Geldgeber für halsbrecherische Reisen um den Globus und eine beeindruckenden Technik für die Jumper-Jagd sind, das soll niemanden interessieren. Naja, hauptsache die Paladine machen ihren Job.

Kein Wunder, dass der Stoff gerademal für 88 Minuten Film reicht, wobei diese 88 Minuten noch viel zu lang sind. Denn im Endeffekt kommt nicht viel herum, als eine zwar hübsch anzusehende, aber uninspirierte Sightseeingtour rund um den Erdball, die schon nach den ersten Szenen langweilt. Dazwischen ein wenig belangloses Geplänkel hier und ein paar pseudocoole Sprüche da, vorgetragen von überforderten Jungschauspielern und unmotivierten Altherren. Hayden Christensen hat das Charisma einer Fleischwurst und ist mit dem ein und dem selben Gesichtsausdruck nicht fähig, einen schnöden No-Brainer zu tragen. Blöder Weise wird er dann noch von einem als punkigen Jumper mit "No Future"-Attitüde agierenden Jamie Bell in nur zehn Minuten an die Wand gespielt. Rachel Bilson ist zwar nett anzusehen, mehr als der zickig-moralische Zeigefinger in der Opferrolle darf sie jedoch nicht sein. Und Ober-Paladin Samuel L. Jackson sollte sich mal wieder um ein vernünftiges Engagement kümmern, damit er nicht mehr lustlos durch zweit- und drittklassiges Popcornkino stapfen muss.

Am Ende der unsäglich langen 88 Minuten beschleicht einem das Gefühl, dass - trotz simpler Story - zumindest ein halbwegs ansehnlicher Streifen hätte entstehen können. Denn die Macher von "Jumper" machen so einiges eklatant falsch. Der Spannungsbogen wird einfach mal unter den Teppich gekehrt, die Zusammenstellung der Charaktere erfolgt nach dem Baukastenprinzip, Logiklöcher werden nicht geflickt. Denn die eingangs aufgekommenen Fragen erhalten Gesellschaft. Wieso wird der Oberfiesling zum Schluss nur im Grand Canyon ausgesetzt (der mächtige Paladin-Geheimbund wird ihn dort bestimmt nicht finden können..)? Warum macht es Jamie Bell nichts aus, in einem Strommast in Tschtschenien festzuhängen? Was hat der Plot um Davids Mutter zu bedeuten, die ebenfalls zu den Paladinen angehört, aber nur 2 Minuten im Film auftaucht? Aufklärung wird wohl nur eine Fortsetzung leisten können. Hoffen wir, dass es nicht soweit kommt und dass das Publikum diesen Schummel-"Blockbuster" an den Kinokassen abstraft. (2,5/10 Punkten)

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