Man befindet sich in einer "nicht allzu fernen Zukunft" - So heißt es gleich zu Anfang. Die Menschen leben in einer Welt, gekennzeichnet von Perfektionismus, denn in dieser Zeit werden Eizellen nur noch künstlich befruchtet. Es kommen nur noch Wunschkinder - Ideale - zur Welt. Fiktion oder bald schon Wirklichkeit?
Von der wissenschaftlichen Seite her betrachtet, muss man wohl sagen, dass dies nicht unmöglich ist. Das Problem ist aber, dass man mit dem idealen Menschen auf die Grenzen der Ethik stößt. In "Gattaca" spielt diese Frage keine Rolle mehr, denn hier wurden die Grenzen bereits überschritten. Interessant ist dabei die Welt, die der Film uns zeigt. Sollte es wirklich das Ziel der Menschheit sein, solch eine Gesellschaft zu formen? Dabei zeigt "Gattaca" sogar nur eine Übergangsform, denn es gibt hier auch noch natürlich gezeugte Menschen, die allerdings an unterster Stelle der Gesellschaft stehen. Eine Minderheit, die die Drecksarbeit leisten darf.
Die Story über den noch natürlich gezeugten Vincent, der durch Tricks es trotzdem schafft, in den Reihen der Perfekten unentdeckt zu arbeiten, weicht allerdings ein wenig von der Thematik der Gentechnik ab und stellt viel mehr einen Sieg über den Perfektionismus dar. Charakteristisch dafür ist das "Feigling-Spiel", das Vincent eines Tages gegen seinen genetisch optimal ausgerüsteten Bruder gewann. Eine nicht viel minder interessante Person ist jedoch auch Jerome Eugene Morrow, der als Wunschkind ein unglückliches Leben führt. Durch einen Unfall nun an den Rollstuhl gefesselt nützen ihm seine perfekten Gene überhaupt nichts. "Glücklichsein" steckt nämlich nicht in den Genen. Das Ende macht uns dies nur allzu deutlich.
Die Inszenierung dieser "nicht allzu fernen Zukunft" ist rundum gelungen. Alles wirkt sehr steril; das leicht orange Bild trägt viel dazu bei. Gefühle scheinen keine große Rolle mehr zu spielen. Überhaupt legt man auf den Menschen an sich nicht mehr so viel Wert, denn wie sonst schafft es Vincent, der sich für Jerome ausgibt, unerkannt zu bleiben, obwohl er ihm eigentlich kaum ähnelt?
Die Schauspieler, allen voran Ethan Hawke und Jude Law, überzeugen in ihren Rollen ungemein und wirken optimal besetzt, nur Uma Thurman bleibt ein wenig blass. Etwas zu bemängeln ist auch die Spannung, die leider nicht immer gegeben ist.
Ob die gezeichnete Welt und deren Gesellschaft in "Gattaca" negativ, womit die Intention des Regisseurs sicherlich wohl eher getroffen wäre, oder vielleicht sogar positiv zu werten ist, bleibt jedem selbst überlassen. Sicherlich ist dieser Film noch Fiktion, aber es liegt an den Menschen selbst, ob das so bleiben soll. Letztendlich stellt sich auch die Frage: Gentechnik - Segen oder Fluch?