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"Wir haben Diskriminierung zu einem automatischen Prozess entwickelt."

In naher Zukunft ist die Entwicklung so weit fortgeschritten, dass man das menschliche Erbgut auf Fehler hin untersuchen und diese noch vor der Geburt ausmerzen kann. Auf diese Weise entstand eine neue Unterschicht aus den Personen, die auf natürliche Art gezeugt wurden.
Vincent Freeman (Ethan Hawke) gehört zu den natürlich gezeugten, während sein Bruder Anton Freeman (Loren Dean) genetisch perfektioniert wurde. Für Vincent bedeutet dies ein Leben mit gehörigen Einschränkungen, was auch seinen Wunsch Raumfahrer zu werden betrifft. Durch einen Identitätswechsel mit dem im Rollstuhl sitzenden Sportler Jerome Eugene Morrow (Jude Law) aber gelingt es ihm die Sicherheitsrichtlinien der Raumfahrtorganisation Gattaca zu umgehen, dort eine längere Zeit zu arbeiten und eine romantische Beziehung zu seiner Kollegin Irene Cassini (Uma Thurman) aufzubauen.
Eine Woche vor dem einjährigen Aufenthalt auf dem Saturnmond Titan geschieht allerdings ein Mord, dessen polizeiliche Untersuchung Vincent's Scheinidentität gefährdet.

"Gattaca" ist Andrew Niccol's ("Lord of War", "In Time") erste Regiearbeit. Der für seine sozialkritischen Beiträge bekannte Regisseur legte bereits mit seinem ersten Film einen äußerst sehenswerten Beitrag zum Science-Fiction Genre vor. Erstmalig verwebt sein Film das Thema der modernen Gentechnik mit den gesellschaftlichen Auswirkungen in einer intelligenten Erzählung.

In der Welt von "Gattaca" werden Menschen nicht mehr nach Hautfarbe oder Nationalität unterschieden. Der genetische Code ist das Differenzierungsmerkmal, das die wissenschaftlich Ausgewählten von den natürlich Gezeugten und fehlerbehafteten unterscheidet. Letztere haben durch kontrollierende Instanzen keine Chance mehr angesehene Berufe auszuüben. Denn allein ein Vorstellungsgespräch in Form eines Bluttests offenbart Krankheitsmerkmale, körperliche Schwächen oder gar den Zeitpunkt des Todes.

Dieses Szenario beschreibt "Gattaca" zunächst erschreckend greifbar in Form alltäglicher Lebensumstände. Passend zu den sterilen, blaustichigen Bildern präsentiert der Film ein Gesellschaftsbild, geprägt von einer unmenschlichen Perfektion. Gefühlsarm und gleichförmig wandelt hier jedes austauschbare Individuum beinahe roboterhaft durch die Straßen und Büros. Inmitten der Protagonist, der sich stets achtsam seiner verräterischen Spuren, in Form von Schuppen, Haaren und anderen Körpermerkmalen, an den Sicherheitsvorkehrungen vorbei mogelt.
Diese sehr intensive Weltendarstellung baut der Film während der ersten Hälfte stückweise auf. Erst in der zweiten Hälfte geraten sanfte Thriller-Elemente in den Fokus und bremsen die Faszination des Films etwas aus. Denn die Spannungskurve ist durch stets schnell aufgelöstes Konfliktpotential eher gering.

Auch die schlichte Romanze zwischen Vincent und Irene bleibt oberflächlich. Hier fehlt es an Interaktion zwischen beiden Figuren, die eher zwischen der Zweckbeziehung von Vincent und Jerome stattfindet.
Neben ein paar Logiklücken fällt auch die sehr konstruierte Erzählweise auf, die die Dynamik sofort im Keim erstickt.

Hauptdarsteller Ethan Hawke ("Daybreakers", "Training Day") bietet eine überzeugende Leistung und hält den Film mühelos, wenn auch ohne Höhen. Ähnlich auch Jude Law ("Road to Perdition", "Sherlock Holmes"-Reihe), der sich in seinen Szenen in den Mittelpunkt stellt.
Durch nebensächlichere Rollen fallen Uma Thurman ("Pulp Fiction", "Kill Bill"-Reihe), Elias Koteas ("Turtles"-Reihe, "Let Me In") und Xander Berkeley ("96 Hours", "Air Force One") weniger auf.

Ein heikles Thema spricht "Gattaca" mit seiner Klassengesellschaft an und wickelt es intelligent ab. Auch wenn die Spannung kaum spürbar anzieht, und somit Längen entstehen, weiß die detaillierte, futuristische Weltendarstellung zu gefallen. Ein wenig störend ist da schon beinahe die Kriminalgeschichte, die Spannungen viel zu schnell wieder auflöst. Audiovisuell ist der angenehm ruhig inszenierte Science-Fiction Film aber stimmungsvoll gelungen.

8 / 10

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