Wie oft wurde die Story jetzt eigentlich schon verfilmt?
Ausgrabungen in alten Archiven fördern natürlich immer zutage, daß dieser oder ähnlicher Käse schon des öfteren von Hollywood konsumentenfreundlich recycelt wurde.
Das ist aber noch kein ausreichender Grund, bei 103.Neuauflage in jubulöse Euphorie auszubrechen, sofern das fertige Ergebnis nicht auf eine halbwegs originelle oder innovative Art und Weise präsentiert wird.
Ergo werde ich das auch nicht tun.
Wir haben es hier also mit der garantiert neuwertigen Story vom armen Jungen zu tun, der seine natürlichen Talente in der Not dank eines faustischen Paktes mit dem Teufel (in disguise, of course) für eine Sache (in diesem Fall „Blackjack“) einsetzt. Welche, schockschwerenot, ihn dann anschließend doch glatt so korrumpiert, daß er seine klischeehaften Nerdfreunde nicht mehr im Forscherclub aufsucht. Natürlich will er noch ein knackig Mägdelein knuffeln (so als Ex-Nerd natürlich verständlich) und als er dann mal verliert und auf die Kacke haut, ziehen ihm sein fieser Prof, seine Exfreunde und ein von der Arbeitslosigkeit bedrohter Casinosicherheitsmann den Hosenboden lang.
Ich weiß nicht so recht, was an diesem Film enttäuschender ist, die Reizlosigkeit oder die Vorhersehbarkeit.
Nahezu jeden Handlungsdreh kann sich der denkende Mensch (homo sapiens – überall, außer im Kino, bisweilen), bereits Meilen im Voraus denken und es kommt dann alles auch immer genauso, wie man es erwartet hat, ein einziges Abhaken von der großen Strichliste aus dem Melodrama-Baukasten für reizüberflutete Teenager. Nichts, aber auch gar nichts, hebt diesen Film von den Dutzenden von DVD-Premieren ab, die jede Woche neu in die Regale kommen. Allenfalls Kevin Spacey.
Ja, der hat sich ja jetzt öfters mal auf Nebenrollen verlegt und darf den großen Mephisto geben, den Studi-Verführer, der sich am Ende (möööööörder überraschend) als geldgeiles Arschloch entpuppt. Onkel Kevin, auf der Suche nach neuem Oscarmaterial, sondert hier einige Oneliner ab, hat aber sonst nur Standards zu liefern, die sonst Christopher Walken am Wochenende immer abdreht (den wiederum Spacey 1A nachmachen kann).
Laurence Fishburnes launiger Casinoschläger hat da übrigens auch nicht viel mehr zu bieten als eine vermutliche Vertragserfüllung, fällt jetzt aber nicht extrem unangenehm auf.
Womit wir schon am zweiten Hauptpunkt dieses Monuments des Scheiterns sind: die durchgängige Geschmacksneutralität nahezu aller darstellerischen Elemente.
Da hätten wir zunächst Jim Sturgess als Mathegenie, ein tv-erprobtes Beliebigkeits-Käsekuchengesicht, dessen permanente filmische Weinerlichkeit nur noch von seiner aufgesetzt fehlbesetzten Coolness in späteren Szenen übertroffen wird. Als geschlechtliches Gegenstück fungiert Kate „B-Film-Blondine“ Bosworth, die immer dann gecastet wird, wenn alle anderen möglichen Darstellerinnen, die gut im Bikini aussehen, schon abgesagt haben. Bosworth hat stets die Wärme eine gut gelagerten Stücks Holz und schaffte es tatsächlich, den letzten Supermanfilm fast im Alleingang zu versenken. Bosworth trägt in den meisten Szenen eine Frisur zur Schau, die offenbar ein Blinder mit einem Fleischerbeil geschnitten hat und muß mit Platitüden nerven.
Die weiteren Gastrollen gehen an halbwegs bekannte Gesichter aus gängigen Teeniefilmen (Disturbia, Eurotrip, Cloverfield) und haben so typische Funktionen wie Witzbold oder Teilzeitgegenspieler.
Das wäre aber ggf. noch zu ertragen gewesen, wenn das Thema des Films denn noch irgendwelche optischen Reize zur Schau gestellt hätte, doch auch da wird über die komplette Filmlänge nie auch nur ein Fäßchen aufgemacht. „Blackjack“ ist nun mal kein besonders spannendes Spiel und filmisch auch nicht so ergiebig wie etwa Poker oder Maumau (wo man immerhin gegeneinander spielt) und dementsprechend wird auch reichlich mit Kameratricks gearbeitet oder einen Kartenzählcode, den man eh nicht kapiert und der auch im Nachhinein reichlich egal ist.
Stattdessen reicht man uns reichlich schicke, aber antiseptische Bilder vom Sündenpfuhl Las Vegas als Gegentum zum drööögen Uni-Alltag und hängt der Moraltragödie auch noch ein extrascharfes, total unerwartetes und absolut realistisches Ende an, so daß die Bösen bestraft werden und die Guten ihre Lektion gelernt haben, alles eingefaßt in die garantiert noch dagewesensten Dialoge seit Beverly Hills die Postleitzahl 90210 zugesprochen wurde.
Fazit: ein öder Modellbaukäse, der brav aus allen zu erwartenden Elementen zusammen gebaut wurde, die generell dem anspruchsarmen Durchschnittszuschauer die Socken ausziehen, weil es daheim keine Nachos mit Käsesauce zu ihrer Soap gibt. Daß solche Gurken sogar von dem recht kontrovers ankommenden Tom Cruise schon besser zu sehen waren („Cocktail“, „Die Farbe des Geldes“) stimmt da schon bedenklich. Und als Spielerfilm ist „21“ eine glatte Niete, es hätte sich auch um Mikado, Flaschendrehen oder Kirchenbingo handeln können. Ein schön doofes Kunstprodukt, das von der Kritik dann auch pflichtschuldigst begraben wurde, von der MTV-Generation aber kurzfristig umarmt werden wird, was ja die Kinokassen ein wenig freut. Wer gern Filme mit Substanz oder Innovationen oder auch nur einem Hauch von Spritzigkeit sieht, wende sich aber anderen Programmbeiträgen zu. (3/10)