"Winner, Winner, Chicken Dinner!"
"21" basiert lose auf dem journalistischen Sachbuch "Bringing Down the House" von Ben Mezrich. Dieses beschreibt die Aktivitäten eines MIT Blackjack Teams welches von 1979 an bis heute durch Kartenzählen Unsummen in diversen Casinos erspielte.
Im MIT, dem Massachusetts Institute of Technology in Cambridge, trifft sich nach den Vorlesungen eine handvoll Studenten um sich dem beliebten Glücksspiel Black-Jack zu widmen. Unter der Anleitung von Professor Micky Rosa (Kevin Spacey) spielen diese nach einem System des Kartenzählens um ihre Gewinnchancen drastisch zu erhöhen. Durch einen Ausfall versucht Professor Rosa den vielversprechenden Außenseiter Ben Campbell (Jim Sturgess) für seine Gruppe zu akquirieren, der sich zunächst sträubt, obwohl er 300.000 Dollar für ein ersehntes Studium in Harvard benötigt. Die hübsche Jill Taylor (Kate Bosworth) die ebenfalls in der Gruppe mitspielt, und für die sich Ben schon länger interessiert, schafft es aber schließlich ihn zu überreden, doch an den Spieleabenden und Ausflügen an Wochenenden nach Las Vegas und dem Besuch dortiger Casinos, teilzunehmen. Anfangs läuft es gut und die Gruppe nimmt ein Casino nach dem anderen aus. Doch das spielen steigt Ben schnell zu Kopf. Und dann ist da noch der Casino-Beobachter Cole Williams (Laurence Fishburne) der nicht viel von dem indirekten Betrug des Kartenzählens hält und schnell ein Auge auf Ben wirft.
Faszination Spiel, so in etwa könnte man "21" in zwei Worten zusammenfassen. Schon immer wurde dem Glücksspiel der wesentliche menschliche Faktor der Unterschätzung sowie Suchtmöglichkeiten oder gar Verrohung und psychische Veränderung nachgesagt. Der Film behandelt diese Themen, allerdings nur am Rande ohne Stellung dazu zu nehmen.
Im Vordergrund steht die unterhaltsame Geschichte der Studenten sowie des leitenden Professors, ihrem normalen Leben in der Uni und den im Kontext stehenden Wochenendbesuchen in Las Vegas und dieser völlig anderen Lebensweise.
Von Beginn an präsentiert der bisher noch recht frische Regisseur Robert Luketic eine intelligente Aufmachung sowie geniale Dialoge unter den Protagonisten. Immer wieder bieten sich die Figuren, besonders die des Professors und seinem anfänglichem Schützling Ben, wortgewandte Duelle die ein erstaunen hervorrufen oder ein andermal den Zuschauer schmunzeln lassen. Die Faszination und Spannung geht anfangs von dem Kartenspiel und der Methodik des Kartenzählens aus. Diese wird vom Ablauf detailliert veranschaulicht, aber nie vollständig aufgeklärt. So fragt man sich, wie die Zahlen und das Spielen selbst im Zusammenhang steht.
Der Mittelteil bietet diverse Subplots die den Plot ungewollt in die Länge strecken und nicht wirklich der Geschichte oder den Figuren zu Gute kommt. Abschnitte über Ben's Freundeskreis und dessen Vernachlässigung sind nur sekundär von Nutzem. Dazu gehört auch die vorhersehbare Beziehung zwischen Ben und Jill, die glücklicherweise nur am Rande behandelt wird.
Erst im letzten Drittel, wo der bisher so gelungene Coup nicht mehr ganz so glatt läuft, wird es etwas temporeicher, inclusive gut platzierter Wendungen.
Passend zur modernen Atmosphäre, dem Lichtgewitter der Casinos und dessen glamoröser Welt gibt es einen mainstreamlastigen Soundtrack auf die Ohren.
Die zurückhaltende Situationskomik unterstreicht die lockere Unterhaltsamkeit von "21".
Standardkost gibt es in dem Bereich des Storytelling, denn genau genommen ist nichts von dem gesehenen neu. Der von Anfang an als Außenseiter gesehene Ben durchläuft eine Phase des Ruhms, verirrt sich darin und verändert sich, lässt alte Wünsche hinter sich und fällt sobald in ein tiefes Loch. Natürlich rafft er sich aus diesem wieder auf und wendet nebenbei die Situation zu seinen Gunsten - Ende gut, alles gut. Dies ist natürlich alles andere als neu oder innovativ für ein Drama dieser Klasse.
Der etwas maue Schluss enttäuscht, da die vorhergehenden, intelligenten Verstrickungen doch so viel mehr hätten erwarten können.
Durchaus positiv ist die Wahl der Schauspieler. Die Nachwuchsdarsteller sind solide und vermitteln ihre Figuren eindringlich, allen voran Jim Sturgess und Hollywood Sternchen Kate Bosworth ("Superman Returns"). Kevin Spacey spielt diese aber mühelos an die Wand, und liefert nach seiner genialen Verkörperung des Lex Luthor in "Superman Returns" den wandlungsfähigen, charmanten aber ebenso eigensinnigen Professor erneut grandios. Etwas hinterher hinkt Laurence Fishburne ("Matrix"-Trilogie) der eine etwas ungeliebte Rolle übernimmt.
"21" kann durch den Glücksspielfaktor gerade zu Beginn sehr fesseln, ist durchweg unterhaltsam, flacht aber ansonsten etwas ab und bietet nur Durschnittskost. Durch seine Charaktere und einen gewohnt guten Kevin Spacey bleibt der Anschauungswert aber erhalten.
7 / 10