Mit „Im Auftrag des Teufels“ serviert Taylor Hackford einen spannenden Mix aus Horror und Anwaltsthriller.
Kevin Lomax (Keanu Reeves) ist erfolgreicher Anwalt in Florida, der vor einer Gewissensfrage steht: Er merkt im Gerichtssaal wird ihm bewusst, dass sein Mandant ein junges Mädchen tatsächlich sexuell belästigt hat. Doch Kevin kann das Mädchen mit einem Trick verunsichern und ihre Aussage unglaubwürdig machen, sodass sein Mandant freikommt. Das geschieht in einer wirklich fesselnden Sequenz, mit der Taylor Hackford den Zuschauer direkt zu Beginns packen kann und so schon einen wunderbaren Einstieg schafft.
Mit seinem Erfolg macht Kevin Eindruck in New York, woraufhin er Besuch von einem Abgesandten der Firma von John Milton (Al Pacino) bekommt, der Kevin und dessen Frau Mary Ann (Charlize Theron) dorthin einlädt. Schnell sind die beiden von dem Reichtum und der Macht Miltons gefesselt, doch Hackford mischt stets den Unterton des Sündigen unter die Glitzerfassade, schon allein dadurch, dass Kevins Mutter New York mit Babylon vergleicht.
Nach einer paar Tests in Form von komplexen Fällen erhält Kevin eine Anstellung bei Milton, der ihn schnell ins Vertrauen schließt. Miltons Gunst blendet Kevin so sehr, dass er nicht merkt, dass mit seinem Arbeitgeber etwas nicht ganz in Ordnung ist...
Was wohl mit Milton nicht ganz richtig ist, ahnt man zwar nicht zuletzt aufgrund des Filmstitels meilenweit voraus, doch trotzdem ist „Im Auftrag des Teufels“ keinesfalls vorhersehbar oder langweilig. Die Wendungen können wirklich überraschen und gerade die Tatsache, dass man schnell ahnt, wer Milton in Wahrheit ist, verleiht einigen Szene eine gewisse Häme (z.B. als Milton einen Rowdy über die Untreue von dessen Frau aufklärt, als dieser ihn anpöbelt). Lediglich das Ende fällt qualitativ etwas ab, da man scheinbar mit der Brechstange erst den Touch von Happy End herbeiführen wollte und nur durch eine weitere kleine Wende wieder etwas Bosheit in den Schluss bringt.
Dabei ist der fiese Humor eine der größten Schwächen von „Im Auftrag des Teufels“, vor allem in der Person von Milton. Dieser lässt andauernd ultrafiese Monologe fallen, sinniert auf böseste Weise über Gott und verlieht nie sein wahrhaft diabolisches Lachen. Ebenso fies zeigt sich dies in der Entwicklung Kevins: Dieser bricht immer mehr mit Moral und Prinzipien, je weiter ihn Milton ihn anstachelt – doch auf dermaßen subtile Weise, dass Kevin gar nichts von dieser Manipulation merkt.
Das Horrorelement ist in Taylor Hackfords Anwaltsfilm der etwas anderen Art zwar enthalten, äußert sich jedoch nicht in heftigen Schocks oder großen Blutbädern, sondern in der düsteren unheimlichen Atmosphäre. Da wirkt New York teilweise wirklich wie ein Sündenbabel, da zeigen sich Dämonenfratzen auf den Gesichtern von aggressiven Pennern und harmlosen Managergattinnen und John Milton versprüht selbst dann eine Aura der Bedrohlichkeit, wenn er nur scheinbar normal mit jemandem redet.
Allerdings muss man ganz klar zugeben, dass „Im Auftrag des Teufels“ nur halb so unterhaltsam wäre, würde nicht Al Pacino die Hauptrolle spielen. Der Mann zieht hier mit solcher Begeisterung vom Leder, dass er nicht nur den Rest der Besetzung an die Wand spielt, sondern auch eine seiner besten Leistungen vollbringt. Vor allem sein diabolisches Lachen bleibt noch lange nach Filmschluss im Gedächtnis. Daneben kann sich Keanu Reeves zwar nur teilweise behaupten, doch auch er hat seine starken Momente, meist in den Gerichtsszenen. Charlize Theron überzeugt in einer frühen Rolle und auch die Nebendarsteller, darunter auch Jeffrey Jones und Craig T. Nelson, machen einen guten Job.
So kann man alles in allem von einem spannenden und düsteren Anwaltsfilm der ungewöhnlichen Art sprechen, der dank Al Pacino überzeugt – trotz des etwas unpassenden Schlusses und des langsamen Tempos.