Mei|ster|werk, das; -(e)s, -e: herausragende Leistung auf einem oder mehreren Gebiet(en), die sich qualitativ deutlich von anderen vergleichbaren Leistungen abhebt; siehe auch „Im Auftrag des Teufels“. So oder so ähnlich könnte es eigentlich in jedem handelsüblichen Lexikon stehen. Denn schließlich hat uns Regisseur Taylor Hackford mit dieser Verfilmung des Romans von Andrew Neidermann ein Stück Film geschaffen, das zur Liga der Meisterwerke zu zählen ist.
Kevin Lomax (Keanu Reeves) ist ein junger, erfolgreicher Anwalt. Da ist es kein Wunder, dass die mächtigste Kanzlei des Landes auf ihn aufmerksam wird und ihn abwerben möchte. Er folgt dem Lockruf des Geldes und des Ruhmes gemeinsam mit seiner Frau Mary Ann (Charlize Theron) und geht nach New York, um dort für den gewieften Anwalt John Milton (Al Pacino) zu arbeiten. Doch nach einer Serie mysteriöser Zwischenfälle wird Kevin klar, dass er für den Teufel höchstpersönlich arbeitet…
Einfach herrlich, die gesamte Story und die Umsetzung auf der Leinwand. Hier wurde aus großartigem literarischem Stoff hervorragendes Kino gemacht (diese Kombination gibt es ja bekanntermaßen nicht immer). Hackford setzte bei „Im Auftrag des Teufels“ die faszinierende Spannung der Romanvorlage 1:1 auf der Leinwand um und schafft es so, den Zuschauer tatsächlich keine einzige Minute zu langweilen. Die Atmosphäre, die im Verlaufe des Films kontinuierlich aufgebaut wird, ist so wundervoll bedrohlich düster, dass man in einem tranceähnlichen Zustand nicht anders kann, als dem Film weiter zu folgen. Wie wenn Satan höchstpersönlich seine Finger im Spiel hätte und „Im Auftrag des Teufels“ die Film gewordene Versuchung aus dem Paradies der Filmemacher ist.
Und genau dieser Satan, der Leibhaftige, wird vom wunderbaren Al Pacino so verdammt teuflisch genial gespielt, dass man einfach alle erdenklichen Hüte vor diesem Mann ziehen muss. Er ist in diesem Film wirklich der Fleisch gewordene Wahnsinn, der Grandmonsieur der Sünde, ja man könnte fast sagen, dass er hier die Rolle seines Lebens spielt. Besonders eindrucksvoll zeigt sich da sein Monolog (oder besser gesagt: seine Predigt) gegen Ende des Films. So hat man Al Pacino schon lange nicht mehr gesehen (selbst als „Godfather“ Michael Corleone konnte er mich nicht so überzeugen wie als John Milton). Sorry, Keanu, auch wenn du hier (ebenso wie die hübsche Charlize Theron) dein Bestes gibst und auch irgendwie einen positiven Beitrag zum Film beisteuerst: Du musst einfach neidlos anerkennen, dass dieser alte Mister Pacino alle an die Wand spielt.
Ja, bei „Im Auftrag des Teufels“ passt einfach alles. Erstklassige Schauspieler, eine geniale Story, eindrucksvolle Musik, eine relativ überraschende Auflösung und ein Ende, das fast noch überraschender ist: Das sind die Zutaten, die man für ein Meisterwerk braucht. Setzt man diese Zutaten jetzt noch in der jeweils richtigen Dosierung ein, wie es Taylor Hackford hier getan hat, dann erhält man das, wovon der Filmfan noch in Jahrzehnten als „Meisterwerk“ schwärmt. Volle 10 von 10 Punkten!