"Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe."
Bislang hat der aufstrebende Anwalt Kevin Lomax (Keanu Reeves) noch keine seiner Gerichtsverhandlungen verloren. Dazu bediente er sich auch schon mal moralisch fragwürdiger Methoden um Klienten, die er sogar selbst für schuldig befand, erfolgreich vor einer Verurteilung zu bewahren. Der Erfolg des Anwalts zieht Aufmerksamkeit auf sich. So macht ihm John Milton (Al Pacino), der Leiter einer großen Anwaltskanzlei in New York, ein äußerst lukratives Angebot, das weder er noch seine Frau Mary Ann (Charlize Theron) abschlagen können. Zunächst genießen beide das luxuriöse neue Leben in der Großstadt. Jedoch wird Mary Ann, die nun mehr auf Kevin verzichten muss als zuvor, von Einsamkeit und immer schilimmer werdenden Alpträumen heimgesucht, während Kevin den Verlockungen die ihm sein auch weiter anhaltender Erfolg bescheren kaum noch widerstehen kann.
"Im Auftrag des Teufels" ist ein äußerst aussagekräftiger Mystery-Thriller um die Moral und die Gewissenskrise ihrer Hauptpersonen. Regisseur Taylor Hackford ("Ray") kreiert eine spannende sowie anziehungsstarke Parabel auf die Schwächen unseres Zeitgeistes: Der Suche nach Erfolg, Geld, Anerkennung und Macht. Zunutze macht er sich dabei eine originelle Variante des Teufels jenseits der normalen Klischees.
Der hier präsentierte Teufel ist kein mit glühenden Augen versehener Bote des Todes, der umher zieht und Angst und Schrecken verbreitet. Er ist ein völlig neuartiges, modernes Exemplar, dass sich gar nicht mehr als Marionettenspieler sieht, sondern die Menschen selbst vor die Wahl zwischen Gutmütigkeit oder boshafter Zerstörung stellt. Er macht sich den Fortschritt zunutze, paukt nicht nur Verbrecher frei, sondern hat seine Finger auch in Waffendeals und Giftmüllentsorgung. Der moderne Teufel und sein Imperium sind Global Player und das kann durchaus gesellschaftskritisch gewertet werden.
Traditionell dagegen ist die Inszenierung mit nur wenig Effekthascherei. Der Schwerpunkt liegt auf einer glaubwürdigen Geschichte anstatt plakativem Horror. "Im Auftrag des Teufels" beschränkt sich durch atmosphärisch dichte Bildkompositionen, die häufig ein Unwohlsein hervorrufen, weitestgehend auf ein subtiles Spiel.
Inhaltlich bietet der Mystery-Thriller eine zweckmäßige, lebensnahe Alltags-Geschichte, angesiedelt in vornehmen Personenkreisen. Viel Zeit verbringt der Film mit Szenen aus Gerichtsverhandlungen sowie der Ausarbeitung der Figuren von Lomax und Milton, die durch dynamische Dialoge unverkrampft und unterhaltsam wirken.
Die sukzessiv stärker werdende Dramatik funktioniert hervorragend. Gleichzeitig ist genau dies jedoch der größte Schwachpunkt, denn zunächst beginnt der Mystery-Thriller noch sehr gemächlich und entfaltet sich gar nur sehr langsam. Hinzu kommen Figuren, die zwar glaubwürdig agieren und psychologisch zersetzt werden, dennoch besonders in der anfänglichen Phase oberflächlich und farblos bleiben. Dies nimmt "Im Auftrag des Teufels" viel von seiner frischen und einzigartigen Atmosphäre.
Das der Mystery-Thriller dennoch gut funktioniert liegt insbesondere an Al Pacino's ("Heat", "Der Pate"-Reihe) charismatischer Darstellung des Leibhaftigen. Brillant verleiht er seiner Figur eine enorme Ausstrahlung, gegen die die weiteren Darsteller nur schwerlich ankommen. Gerade in der direkten Gegenüberstellung zwischen ihm und Keanu Reeves ("Matrix"-Reihe, "Constantine") fällt Reeves solide Leistung kaum noch als solche auf. Charlize Theron ("Monster") erhält dagegen weniger Sichtbarkeit, füllt diese aber ordentlich auf.
"Im Auftrag des Teufels" ist ein intelligenter, durchgängig subtiler Mystery-Thriller mit unverkrampften Dialogen und einem herausragenden Al Pacino. Die leichte Horroratmosphäre und die psychologische Zersetzung der Figuren sind stimmig. Schwer tut sich der Film allerdings in der ersten Hälfte, die viel zu langatmig wirkt und nicht richtig in die Gänge kommt.
7 / 10