Rote Sonne ist der Film der APO-Zeit.Die 68er Ikone Uschi Obermeier spielt darin Peggy,einen männermordenden Vamp.Und nicht nur sie,ihre ganze Wohngemeinschaft beteiligt sich am emanzipatorischen Schlachtefest.Leider ist die Story so platt,wie die WG-Bewohnerinnen hübsch sind (von Gabi Go hätte ich gerne mehr gesehen).Ein Liebhaber nach dem anderen wird hingemeuchelt,ohne Gefühl und ohne Reaktion der Umwelt.Erst als Peggys alte Liebe Thomas ( Marquard Bohm vor sich hin brabbelnd im Dauerdrogenrausch ? ) auftaucht,gerät die kleine Welt des mörderischen Frauen-Quartetts aus den Fugen.Schließlich entlarvt Thomas das tödliche Spiel und möchte mit Peggy fliehen.Doch der feministische Zusammenhalt ist stärker als die Liebe und so endet die Geschichte tragisch.
Produzent Hans Angermeyer wußte ,warum er auf Uschi Obermeier als Hauptdarstellerin bestand.Sie hält die Geschichte zusammen und auch nach 35 Jahren ist es die reine Freude ,sie im Minirock zu sehen.
Regisseur Rudolf Thome hatte nicht sehr viel Budget ,das merkt man dem Film an:die Kulissen,die Außenaufnahmen,der Schnitt bis hin zur Ausleuchtung,alles ist auf minimalistischem Niveau.Eine durch und durch künstliche Welt,konstruierte Protagonisten und eine teilweise surreal anmutende Handlung,sozusagen ein Touch von "nouvelle vague",nur waren Truffaut (Fahrenheit 451 )oder Godard (die Chinesin )schon früher Meilen voraus.Und dennoch für den Normalbürger der 70er muß "Rote Sonne" die reine Provokation gewesen sein.Die Frage gleich zu Beginn des Films, "Sie sind doch ein Gammler ?" ist jedoch symptomatisch. Ein Wort,das in unserem heutigen Sprachgebrauch nicht mehr existiert ,genau so,wie der damals prägende und extreme Geschlechterkonflikt (den sozialistischen Eminenzen schneidet ab die bürgerlichen Schwänze ) zumindest in der westlichen Gesellschaft eigentlich obsolet ist.
Rote Sonne ist ein Film der als Zeitdokument unverzichtbar ist,der für Alt 68er angesichts von Uschis Busen wilde Träume auferstehen läßt,der ansonsten (sowohl handwerklich als auch inhaltlich ) aber weit hinter der zeitgenössischen filmischen Avantgarde hinterherhinkt.
Von mir gibt´s 7 von 10 ( wobei 3 Punkte nur für Uschi sind! ).