Zwei Polizisten gehen bei einer Razzia gegen Drogenabhängige unheimlich gewalttätig vor. Bei ihrem nächsten Einsatz wendet sich das Blatt und die Junkies schlagen bzw. schlachten zurück...
Blutgeil ist ein nettes kleines Trashfilmchen, welches aber durch das Verbot in der Schweiz einen ungeahnten Skandal- und damit Kultstatus erreichte. Das Verbot resultierte allerdings weniger aus den dargestellten Gewaltszenen, als vielmehr aus der „politischen Brisanz“ des Filmes.
Schauspieler, Dramaturgie und Inszenierung sind völlig amateurhaft, aber man merkt doch das alle ihren Spaß hatten. Der Humor wird nicht unbedingt mit der Geschichte transportiert, sondern ergibt sich aus der Amateurhaftigkeit und dem Vergnügen daran, zu sehen, wie „Bullen geschlachtet werden“. Vielleicht nicht jedermanns Sache, aber ich konnte mich dabei prächtig amüsieren.
Sein volles Potential entfaltete der Film für mich erst, als ich „The Blutgeil Case – A Real Life Comedy in 6 Parts“, die Reportage über Hintergrund und Verbot des Films, sah und mich auch anderweitig darüber informierte. Der Film wurde nämlich von Hausbesetzern im bekanntesten besetzten Haus Zürichs gedreht (welches kurze Zeit später geräumt worden ist). Gleich am Anfang sieht man eine Szene, wie eine wehrlose Junkie-Frau von einem Polizisten auf dem Boden zusammengetreten wird. Etwas ähnliches war gerade einige Zeit vorher in Zürich passiert. Unhumaner und gewalttätiger Umgang mit Drogenabhängigen war damals kein Einzelfall (und es ist wohl noch immer so), und dieser Film ist die Antwort der alternativen Szene Zürichs darauf.
Betrachtet man den Film als einfaches Amateurprodukt ist er kurzweilig unterhaltsam (besonders für Amateursplatter-Begeisterte) und gerade gegen Ende doch recht blutig und komisch. Allerdings sind die Effekte so schlecht gemacht, dass sie nicht so sehr schockieren. (Wirklich unglaublich: Dafür musste der Regisseur eine saftige Geldstrafe zahlen und bekam mehrere Jahre Filmverbot!!!). Kennt man aber die ganze Geschichte, wird der Film interessanter und entpuppt sich als eine satirische Abrechnung mit Schweizer Innenpolitik.
Absolut sehenswert.
(Meine Empfehlung: „The >Blutgeil< Case“ angucken. Enthält auch den Film und hat außerdem englische Untertitel, was praktisch ist, wenn man nicht des Schweizerdeutschen mächtig ist.)
Bewertung 8/10