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Kim Ji-woon gehört zu den vielseitigen Regisseuren, die sich nicht nur auf Genre beschränken. Horrorfilme („A Tale of Two Sisters“) und düstere Thriller („A Bittersweet Life“) gehören beim ihm genauso zum Programm wie Western-Actionkomödie „The Good, The Bad, The Weird“.
Dem großen Leone-Western wird vom Titel her Tribut gezollt, die Geschichte geht jedoch meist eigene Wege. Es geht um eine Schatzkarte, die Park Chang-yi (Lee Byeong-heon), The Bad, für einen Gangsterboss stehlen soll. Hier dem Gangster ist jedoch der Kopfgeldjäger Park Do-won (Jeong Woo-seong), The Good, her. Der Zug, der die Bewacher der Schatzkarte transportiert, wird gleichzeitig von Yoon Tae-go (Song Kang-ho), The Weird, überfallen. Natürlich scheinen in der Konstellationen auch die Figurenkonstruktionen von „The Good, The Bad and The Ugly“ durch, doch der Film wird dies gegen Ende noch für eine Überraschung nutzen, wenn sich eine Figur doch als jemand erweist, dessen Identität man jemand anderem zugeschrieben hatte.
Bereits im Zug kommt es zu einer großen Schießerei im Verlaufe derer die Karte ihren Besitzer wechselt. Nicht zum letzten Mal, denn bald sind neben die drei Protagonisten auch noch die Japaner, denen die Karte ursprünglich gehörte, und weitere Banditen dahinter her…

Kim Ji-woons Western-Actionfilm ist eine ziemliche Granate, die diverse Logikschwächen und Ungereimtheiten (wie kommt The Weird wieder an die Karte, ohne seinen Bruder zu treffen? Was ist mit dem im letzten Filmdrittel?) mit mörderischem Tempo und reichlich Getöse überdeckt. Tempo ist Trumpf in diesem simplen, aber wahnsinnig unterhaltsamen Spektakel, von dem sich manch laues Actionlüftchen eine Scheibe abschneiden könnte. Sonderlich viel Hintersinn darf freilich nicht erwartet werden, ebenso muss man einem gewissen Patriotismus leben, denn dermaßen doof wie die Japaner sich hier anstellen und im Dutzendpack abknallen lassen, das geht auf keine Kuhhaut.
Das berühmte Triell aus dem Leone-Vorbild wird am Ende aufgegriffen, jedoch in deutlich variierter Form. Western dienen hier zwar durchaus als Vorbild was die Ausstattung und manchen inszenatorischen Griff angeht, der Film spielt jedoch in der Mandschurei der 1930er Jahre, weshalb hier auch Jeeps, Motorräder und MGs zum Einsatz kommen. Es ist ein Spaßfilm, der sich aus verschiedenen Genres das herausnimmt, was er gerade braucht und tatsächlich funktioniert „The Good, The Bad, The Weird“ so hervorragend.
Auch die Darsteller erinnern weniger als Westernhelden und eher an die Protagonisten asiatischer Actionkomödien (vor allem Song Kang-ho als durchgeknallter Räuber) und knallharter Gangsterfilme. Vor allem Jeong Woo-seong und Lee Byeong-heon als außerhalb des Gesetzes operierende Profis im Clinch erinnern daran, wobei Byeong-hon seiner Figur noch eine gefährliche Verrücktheit verpasst. Aber ganz ehrlich: Trotz netter Performances ist „The Good, The Bad, The Weird“ kein Schauspielerfilm.

Stattdessen steht hier die geballte Ladung Action im Vordergrund, die vor allem durch die entfesselte Kamera des Films unterstützt wird: Dynamisch, oft in langen Plansequenzen, folgt sie den Bewegungen der Protagonisten, kommt abrupt zum Halt und bietet weitere aufregende Spirenzchen dieser Art. Die geballte Action zu Pferd, zu Fuß, auf einem Zug, mit Autos und Motorrädern, Messern und Stichwaffen, mit Gewehren und Pistolen, kurz gesagt in zig Variationen überzeugt, wobei der Schnitt leider nicht ganz auf dem Niveau der Kameraarbeit ist und man gelegentlich den Überblick über das Geschehen verliert – nicht zuletzt aufgrund der Menge an Konfliktparteien. Trotzdem: So viel so gut inszenierte Action sucht man im Genrekino, gerade in den letzten Jahren, oft vergebens. Und die Szene, in der The Good mit seinem Karabiner zu Pferde hordenweise japanische Soldaten erledigt, ist ein Highlight sondergleichen.
Erfreulicherweise funktioniert auch der Humor, der stellenweise tatsächlich reichlich weird ist, sehr gut: Ein dicker Taucherhelm wird als Kugelschutz zweckentfremdet, die Szenen, in denen The Weirds Bruder Kinder bei einer Befreiungsaktion davor bewahren will zu schlimme Dinge zu sehen sind zum Brüllen und auch sind die Gags gelungen, vor allem, da die sparsam eingesetzt werden. Reichlich schwarz ist der Humor schon, denn so mancher Witz kreist ums Töten oder Verstümmeln, was freilich wieder gut ins Genre des (Italo)Western passt, der hier zitiert wird.

Die Geschichte ist eher simpel, der Überblick geht hin und wieder verloren, und trotzdem: „The Good, The Bad, The Weird“ ist eine dermaßen spektakuläre, toll gefilmte Actionsause mit famoser Kameraarbeit, dass man dies ignorieren kann. Trotz einer Laufzeit von mehr als zwei Stunden behält Kim Ji-woons Adrenalinbombe ihren Reiz und ihr Tempo bei, ist witzig wie actionreich und empfiehlt den Regisseur gern für weitere Kracher aus diesem Genre.

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