Natalie Portman spielt Anne Boleyn, eine Tochter aus einer aristokratischen Familie, im Großbritannien des frühen 16. Jahrhunderts, die von ihren Eltern dazu gedrängt wird, sich König Heinrich VIII., gespielt von Eric Bana, als Mätresse anzubieten. Dieser bevorzugt jedoch ihre Schwester, gespielt von Scarlett Johansson, mit der er ein Kind zeugt. Nachdem sie einige Jahre in Frankreich verbrachte, kehrt Anne jedoch nach England zurück und erobert diesmal die Gunst des Königs, womit sie den Hass ihrer Schwester auf sich zieht und den König zu einem Bruch mit der katholischen Kirche bringt.
Zunächst einmal wäre klarzustellen, dass "Die Schwester der Königin" nur überaus vage auf historischen Tatsachen basiert und in weiten Teilen fiktiv ist, auch wenn er sich mit seiner historischen Begebenheit brüstet. Damit ist der Film leider nicht so interessant, wie er sein könnte, aber auch ansonsten kommt die Story nicht über die eines durchschnittlichen Kostümfilms hinaus. Die gesellschaftlichen Konventionen der damaligen Zeit werden gelungen dargestellt, aber kaum kritisiert, wobei die Einblicke in den Hof des Königs durchaus interessant geworden sind. Die Charaktere sind solide, aber auch nicht sonderlich präzise konstruiert, so wird Heinrich VIII. etwas zu eindimensional als triebgesteuerter Fiesling dargestellt, während der Konflikt der beiden Schwestern zwar über weite Strecken entwickelt und aufgebaut wird, dafür aber übertrieben und teilweise wenig glaubhaft wirkt. Die Handlung als solche ist ebenfalls im soliden Bereich, ist aber nicht gut genug, um die Dramaturgie permanent zu steigern.
Regisseur Justin Chadwick, der zuvor lediglich TV-Serien inszenierte, leistet mittelmäßige Arbeit. Zunächst einmal ist das Erzähltempo so hoch, dass keine Längen aufkommen, woran im Allgemeinen viele Genrefilme kranken. Die Ausstattung ist nicht so opulent, wie bei vergleichbaren Filme und die Garderobe wirkt überaus gewöhnungsbedürftig, aber mit den gelungen inszenierten Kulissen des königlichen Hofes macht der Film auch so optisch einiges her, während die musikalische Untermalung keinen Eindruck monumentaler Größe vermittelt und den Film nur annehmbar, aber nicht gut unterlegt. Alles in allem werden bei der Inszenierung keine großen Fehler gemacht, aber wie bei der Story und beim Cast ist der Film auch in dieser Hinsicht lediglich mittelmäßig, woraus ein solider Unterhaltungswert ohne Anflüge von sonderlich viel Spannung und Dramatik resultiert.
Scarlett Johansson, die in "Lost in Translation", "Die Insel", "Match Point" und "Scoop" gezeigt hatte, dass sie vielseitig ist und die verschiedensten Rollen gekonnt meistern kann, wirkt hier leider ungewohnt blass. Mit ein und demselben deprimierten und ausdruckslosen Gesichtsausdruck ist sie im gesamten Film zu sehen und bleibt damit weit unter ihren Möglichkeiten. Eric Bana, der unter Anderem in "München" und "Troja" eine gute Figur machte, überzeugt ebenfalls nicht sonderlich und stellt die grausamen Seiten seiner Figur nicht wirklich gelungen dar und ist in diesem Film mit seiner hölzernen, absolut uncharismatischen Darstellung eine reine Randerscheinung. Von der Leinwandpräsenz, die man von einem König erwarten kann, ist nichts zu spüren. Einzig und allein Natalie Portman spielt gewohnt gut und macht sich anfangs als sympathische, in Gegenwart des Königs überaus nervöse Adelstochter hervorragend, im Mittelteil dann aber auch als eingebildete, intrigante und skrupellose Opportunistin. In der finalen Szene, der Enthauptung, in der von den Darstellern besonders große Gefühlsregungen gefragt sind, zeigt sich, wie gelangweilt Johansson und Bana agieren und wie stark Natalie Portman ihre Figur verkörpert besonders gut.
Fazit:
"Die Schwester der Königin" ist ein solider Kostümfilm, der optisch relativ gelungen inszeniert ist, vage auf einer wahren Begebenheit basiert und seine Charaktere annehmbar konstruiert und mit Natalie Portman eine starke Hauptdarstellerin zu bieten hat, während ihre Kollegen eher blass bleiben. Wirklich dramatisch und spannend wird der Film leider zu keinem Zeitpunkt und damit ist er dann doch eher etwas für Genrefans und Interessenten.
49%